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Flüchtlingskinder: Lächelnd Not und Elend trotzen

Flüchtlingskinder leiden ganz besonders unter den Widrigkeiten der Flucht. Mit ihren Familien legen sie tausende Kilometer voller Gefahren und Entbehrungen zurück - dennoch verlernen einige das Lächeln nicht.

Ein Flüchtlingskind geht auf Schienen Richtung ungarischer Grenze

Vielleicht hat der Junge noch rechtzeitig die ungarische Grenze vor der Fertigstellung des Zauns aus Stacheldraht und Metallstreben erreicht. Täglich kommen rund 800 Menschen über die sogenannte Balkanroute nach Ungarn, unter ihnen zahlreiche Kinder.

Stolz hatte die ungarische Regierung am Samstag verkündet, dass der Bau der Stacheldraht-Barriere an der 175 Kilometer langen Grenze zu Serbien vollendet sei. Am selben Tag kamen laut ungarischer Polizei erneut 2700 Flüchtlinge über die Grenze. Der Rekord war am vergangenen Mittwoch mit 3000 Flüchtlingen an einem Tag erreicht worden, darunter 700 Kinder. In den ersten Monaten des Jahres waren es noch 250 bis 500 täglich gewesen. Seit Januar kamen somit bereits 140.000 Flüchtlinge über diese Grenze.

Um trotz des gefährlichen Stacheldrahts nach Ungarn zu kommen, schlüpfen die Flüchtlinge meist unter der untersten der drei Stacheldraht-Rollen durch - was weit weniger gefährlich ist, als zu versuchen, den Draht zu durchschneiden. Zum Anheben des Stacheldrahts nutzen sie lange Stangen, die ungarische Soldaten dort nach dem Errichten der Grenzbarriere haben liegen lassen - es scheint fast, als ob sie dies absichtlich getan hätten.

Ganz ungefährlich ist der Weg unter dem Stacheldraht-Zaun hindurch dennoch nicht: Plötzlich sind die Schreie eines Kindes zu hören, das sich mit seinen Haaren in den Spiralen verfangen hat. Rasch hilft die Mutter, um ihr Kind zu befreien. Dann, auf der ungarischen Seite, verschwindet die Familie schnell in einem nahegelegenen Waldstück.

Auf serbischer Seite gibt eine junge Polizistin den Flüchtlingen Tipps, wo sie am besten ohne Verletzungen über die Grenze kommen. Kinderwagen, Rucksäcke oder Decken haben Flüchtlinge dort einfach zurückgelassen.

Viele der Flüchtlinge kommen aus Syrien oder aus Afghanistan. Keiner will im EU-Land Ungarn bleiben. "Deutschland! Deutschland!", ruft ein afghanischer Jugendlicher, der einen Maiskolben über offenem Feuer grillt. 

tis / AFP