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Flüchtlinge auf Lampedusa Italiens Innenminister wirft Europa Mangel an Kooperation vor


Die Verlegung der tunesischen Flüchtlinge von Lampedusa an andere Orte stockt wegen des Wetters. Italiens Premier Berlusconi will, dass die meisten nach Tunesien zurückgeschafft werden. Sein Innenminister droht, den Flüchtlingen die Ausreise in EU-Länder zu erleichtern.

Angesichts des massivern Zustroms von Flüchtlingen auf die Insel Lampedusa hat Italien den EU-Ländern damit gedroht, Immigranten die Ausreise zu ermöglichen. Damit könnten jene in andere europäische Länder wie Frankreich oder Deutschland fahren, die zu Familienangehörigen wollen. "Wir können diese Immigranten nicht zwingen, in Italien zu bleiben", erklärte Innenminister Roberto Maroni am Freitag in Rom. Er warf Europa einen völligen Mangel an Kooperation vor und sagte warnend: "Wir haben die gesetzlichen Mittel, das Solidaritätsprinzip auch durchzusetzen."

Regierungschef Silvio Berlusconi nannte es aber das Hauptziel, die Flüchtlinge in ihre Heimat zurückführen zu lassen. Er will am Montag mit der Regierung in Tunis über die Rückschaffung von täglich 100 Immigranten verhandeln. Gleichzeitig stellte er sich aber hinter die Äußerungen seines Ministers: "Wir könnten es ihnen ermöglichen, frei in Europa zu reisen." Gemeint sind dabei jene, "die zu Familien und Freunden wollen, zumeist in Frankreich, aber auch in Deutschland."

Unterdessen stoppten starker Westwind und hoher Seegang vorübergehend die Verlegung der Flüchtlinge von der Insel Lampedusa in andere Aufnahmelager. Mehrere Schiffe lagen vor der Küste vor Anker, um tausende Tunesier aufzunehmen, konnten wegen der Wetterlage zunächst aber nicht anlegen. Sollte sich der Wind am Abend legen, sollten die knapp 4000 Flüchtlinge eingeschifft werden könnten. Mehr als 2500 Tunesier waren am Donnerstag mit Schiffen und Flugzeugen bereits weggebracht worden.

Berlusconi hatte angekündigt, dass alle Flüchtlinge bis Samstag die Insel zwischen Tunesien und Sizilien verlassen sollen. In Italien werden zunächst provisorische Zeltstädte für Immigranten errichtet.

Die tunesische Regierung hat bereits zugesichert, an den Küsten die Kontrollen zu verstärken, um den Flüchtlingsstrom einzudämmen. Zuletzt kamen Boote mit 500 Flüchtlingen in der Nacht zum Donnerstag auf Lampedusa an. Seit dem Sturz des Präsidenten Zine El-Abidine Bel Ali im Januar landeten weit mehr als 18 000 Tunesier auf dem nur 20 Quadratkilometer großen Eiland an, das selbst 4500 Einwohner zählt.

Zuletzt hatte es weit mehr Tunesier als Einwohner auf der nur etwa 130 Kilometer von der tunesischen Küste entfernten Insel gegeben. Nach wochenlangem Notstand waren die Insulaner auf den Barrikaden gegangen - aus Angst vor Gesundheitsgefahren und in Sorge um die beiden Haupteinnahmequellen Lampedusa, Fischerei und Tourismus.

DPA DPA

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