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Flughafen Glasgow: Knapp der Katastrophe entgangen

Augenzeugen des versuchten Selbstmordanschlags am Glasgower Flughafen sind sich sicher: Wären die beiden Attentäter mit dem brennenden Auto ins Flughafengebäude gefahren, wären Hunderte gestorben.

Es war der Beginn der Urlaubssaison, hunderte Familien wollten vom Glasgower Flughafen in die Ferien aufbrechen. Doch für die meisten hieß es: Endstation Flughafen. Denn nur einen Tag nach den knapp vereitelten Bombenexplosionen in London hat ein Anschlag mit einem brennenden Auto am Flughafen der schottischen Großstadt Glasgow Angst vor einer neuen Terrorwelle ausgelöst. "Wäre er (der Fahrer) durchgekommen, hätte er Hunderte getötet", sagte ein Reisender. Eine Augenzeugin berichtete, einer der Männer habe zuvor eine Flüssigkeit aus einem Benzinkanister unter dem Auto verteilt und es in Brand gesteckt. Hunderte Passagiere flohen schreiend aus der Halle.

Allerdings schienen die Täter in Glasgow ihr Ziel weitgehend verfehlt zu haben. Es gelang ihnen nicht, mit dem lichterloh brennenden Wagen vom Typ Jeep Cherokee in die Terminalhalle vorzudringen, in der sich zahlreiche Passagiere aufhielten. Das grüne Auto wurde durch einen massiven Poller vor den Glastoren des Terminals gestoppt - nur wenige Meter vor einer Warteschlange von Flugtouristen. Die nachfolgende Explosion zerstörte allerdings die Glastüren. Augenzeugen berichteten, das Fahrzeug sei in einem orangeroten Feuerball aufgegangen.

2500 Passagier saßen fest

Dennoch löste der Anschlag am Nachmittag nach Angaben von Augenzeugen eine Panik aus, als Hunderte von Menschen die Flucht ergriffen. Der Flughafen wurde geschlossen. Alle Flüge wurden gestrichen, von der sofortigen Räumung des Flughafens waren nach Angaben des Flughafenbetreibers rund 2500 Passagiere betroffen.

Vor dem Terminal spielten sich dramatische Szenen ab, als zufällige Beobachter sich auf die beiden Insassen des Jeeps stürzten und diese in einem Handgemenge an der Flucht hinderten. Stephen Clarkson erzählte BBC-Reportern, dass die Leute in Panik wegrannten, als der Geländewagen den Flughafen rammte. "Es war pures Glück, dass dich dort war. Ich konnte den Mann mit meinem Unterarm auf dem Boden stoßen und dann kamen schon Polizisten und warfen sich auf ihn", so Clarkson.

Täter hatte offenbar Motolow-Cocktail

Simon Howard, ein anderer Augenzeuge, beschrieb, wie er das Aufprallgeräusch des Jeeps hörte, als er am Check-in-Schalter für einen Familienurlaub in Spanien stand. Als er sich umsah, bemerkete er, wie ein zweiter Mann vom Beifahrersitz des Autos stieg und dabei etwas in der Hand hielt, was wie ein Molotow-Cocktail aussah. "Das in seiner Hand sah aus wie eine Flasche und deren oberer Teil brannte definitiv. Das war der Moment, als ich meine Tochter schnappte und meiner Frau 'Lauf!' zurief", so Howard. "Er wollte die Flasche werden, er holte schon mit dem Arm aus - ich wartete aber nicht mehr ab, ob er wirklich warf."

Zeugen hatten bereichtet, der Geländewagen sei aus einer Straße ausgeschert, die gar nicht für den normalen Durchgangsverkehr geöffnet sei. Die Polizei konnte die beiden mutmaßlichen Täter festnehmen. Einer von ihnen erlitt schwere Brandwunden und wurde ins Royal Alexandra Hospital in Glasgow gebracht. Er sei in kritischem Zustand, sagte Polizeichef Willie Rae auf einer Pressekonferenz. Der andere wurde verhört - nach Medienberichten vor allem in der Hoffnung, Hinweise auf möglicherweise noch andernorts geplante Anschläge zu bekommen.

Zusammenhang zu dem Londoner Autobomben

Die Polizei geht von einem klaren Zusammenhang zwischen der Tat in Glasgow und den beiden Anschlagsversuchen in London aus. In allen drei Fahrzeugen hätten sich große Mengen entzündlicher Materialien befunden, erklärten die Behörden. Nach Informationen des BBC-Fernsehens soll einer der beiden Angreifer in Glasgow einen Sprengstoffgürtel getragen haben. In dem Auto seien Propangasflaschen gefunden worden. Aus britischen Sicherheitskreisen verlautete, es gebe Hinweise darauf, dass der Angriff in Glasgow als Selbstmordanschlag geplant worden sei.

Nach dem Attentat in Glasgow wurden die Sicherheitsvorkehrungen auf anderen britischen Airports erhöht. Die Polizei weitete sofort die Suche nach Attentätern und Hintermännern der Anschläge aus. Insbesondere wurde die Anfahrt mit Autos und Bussen bis vor die Terminalgebäude untersagt. Betroffen waren unter anderem auch die Airports von Birmingham, Newcastle und der schottischen Hauptstadt Edinburgh. Dort hatte sich am Wochenende Großbritanniens Staatsoberhaupt Königin Elizabeth II. zur Teilnahme an der Eröffnung des neuen schottischen Parlaments aufgehalten.

USA verschäften Einreisekontrollen

Die USA haben nach der Explosion am Flughafen von Glasgow die Sicherheitsmaßnahmen auf einigen Flughäfen in den USA verschärft. Wie der US-Nachrichtensender CNN am Samstag weiter berichtete, wurden mehr Beamte vor den Abfertigungshallen eingesetzt. Die Terrorwarnstufe für die USA sei jedoch nicht erhöht worden. In Großbritannien gilt seit August vergangenen Jahres die zweithöchste Terrorwarnstufe.

spi/DPA / DPA