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Fukushima: Regierung beschließt Entschädigungsfond

Das japanische Parlament hat endgültig ein Gesetz zur Einrichtung eines öffentlichen Entschädigungsfonds für die Betroffenen der Atomkatastrophe von Fukushima verabschiedet. Für die Tepco-Arbeiter, die in der Atomruine aufräumen sollen, gab es dagegen bedrückende Nachrichten.

Nach dem Unterhaus stimmte am Mittwoch auch der Senat für das Gesetz, das einen milliardenschweren Fond für die Opfer der Atomkatastrophe von Fukushima begründet. Wieviel Geld genau der Fonds auszahlen soll, ist in dem Gesetz allerdings nicht festgehalten. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo will die japanische Regierung in einem ersten Schritt zunächst umgerechnet 18 Milliarden Euro in Form von Staatsanleihen einzahlen, weiteres Geld sollen die Betreiberfirma des Atomkraftwerks Fukushima, Tepco, und weitere Atomunternehmen einzahlen. Laut dem Gesetz soll Tepco letztlich für alle ausgezahlten Entschädigungen aufkommen. Die japanische Regierung und Tepco waren scharf dafür kritisiert worden, dass erste Entschädigungen bislang nur sehr langsam ausgezahlt wurden.

Für die japanischen Arbeiter in der Atomruine gab es dagegen Gestern eine neue Hiobsbotschaft. An dem Katastrophen-Reaktor sind an einer weiteren Stelle tödliche Strahlenwerte entdeckt worden. Der AKW-Betreiber Tokyo Electric Power (Tepco) teilte am Dienstag mit, auch in einem Lüftungsschacht seien mehr als zehn Sievert gemessen worden. Bereits am Montag waren am Boden des Schachts ähnlich hohe Werte festgestellt worden. Ab einer Strahlung von zehn Sievert pro Stunde erleiden Menschen in der Regel nach wenigen Sekunden schwere gesundheitliche Schäden, die zum Tod führen können. Die tatsächlichen Werte könnten sogar noch deutlich höher liegen, weil die von Tepco eingesetzten Messgeräte nur eine Strahlung von bis zu zehn Sievert darstellen können.

Die Strahlenwerte machen das große Gesundheitsrisiko deutlich, dem die Tepco-Angestellten bei den Aufräumarbeiten an dem havarierten Atomkraftwerk ausgesetzt sind. Ungeachtet der Gefahr bekräftigte Tepco aber sein Ziel, die Reaktoren bis Januar zu stabilisieren. Die hohen Strahlenwerte würden die Arbeiten nicht behindern. Dagegen warnten Wissenschaftler den Konzern, er dürfe das Einhalten der Frist nicht über den Schutz seiner Einsatzkräfte stellen.

Nach der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe vom 11. März war es in Fukushima zum schwersten Atomunglück seit Tschernobyl vor 25 Jahren gekommen. Mehr als 80.000 Menschen mussten ein Evakuierungsgebiet im Radius von 20 Kilometern um das havarierte Atomkraftwerk verlassen, auch außerhalb der Zone wurden einige besonders belastete Ortschaften geräumt. Die Atomkatastrophe hat auch der Landwirtschaft, Fischerei und Tourismusbranche schwer geschadet. Am Montag hatte Tepco mitgeteilt, dass an der Anlage die höchste radioaktive Strahlung seit dem Beginn der Katastrophe am 11. März gemessen wurde.

ono/AFP/Reuters / Reuters