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Gaza-Streifen: Die Räumung beginnt

Kurz nach Beginn der 48-stündigen Abzugsfrist für israelische Siedler im Gaza-Streifen hat das israelische Militär die erste von den Räumungen betroffene Siedlung betreten.

Dutzende Soldaten kamen nach Angaben von Augenzeugen in die bereits weitgehend verlassene Siedlung Nissanit im nördlichen Teil des Gaza-Streifens, um diese zu sichern. In anderen Siedlungen, etwa im südlicher gelegenen Gusch Katif, haben Bewohner Widerstand gegen die Räumung angekündigt.

Mehrere hundert Demonstranten blockierten am Morgen die Zufahrt zur jüdischen Siedlung Newe Dekalim. Die meist jugendlichen Demonstranten schlossen ein Tor und beteten am Morgen auf der Straße, wie Augenzeugen berichteten. Sie wollten Armee und Polizei daran hindern, den Siedlern die Räumungsbefehle zu übergeben, nach denen die Siedler innerhalb von 48 Stunden die Bereiche verlassen müssen. Am Montag sollten die israelischen Sicherheitskräfte in allen 21 jüdischen Gaza-Siedlungen und vier betroffenen Siedlungen im Westjordanland von Tür zu Tür gehen und die rund 9000 Bewohner zum Verlassen auffordern. Die Armee rechnet mit rund 5000 Abzugs-Gegnern.

Räumung am Mittwoch

Unterdessen sollen die Soldaten vier der insgesamt 12 jüdischen Siedlungen im Gazastreifen erst mit dem Beginn der Räumung am Mittwoch betreten. Die Bewohner von Azmona, Kfar Darom, Netzarim und Katif weigerten sich, die Soldaten einzulassen. Dugit, eine weitere Siedlung, hatten die Einwohner bereits vor dem Abzug verlassen.

Israel hatte in der Nacht nach 38 Jahren offiziell den Rückzug aus dem Gazastreifen begonnen. Die Einreise und der Aufenthalt in dem Gebiet war für israelische Zivilisten verboten. Den Bewohnern bleibt eine Frist von 48 Stunden, um ihre Häuser zu räumen. Die Aufgabe des 1967 besetzten Gaza-Streifens ist der Kern des umstrittenen Abzugsplans von Israels Ministerpräsident Ariel Scharon. Viele israelische Ultranationalisten lehnen den Abzug als Kapitulation vor den Anschlägen radikaler Palästinenser ab. Zudem sehen sie die Gebiete als Geschenk Gottes an das jüdische Volk. Der von etwa 50.000 Soldaten begleitete Abzug soll im September abgeschlossen werden.

AP/DPA

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