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US-Botschaft eröffnet: Viele Tote bei Protesten im Gazastreifen - das sagen beide Seiten

Tausende Palästinenser strömen im Gazastreifen an den Grenzzaun und attackieren Soldaten. Die Armee schießt scharf. Noch bevor die US-Botschaft in Jerusalem eröffnet ist, gibt es viele Tote. Es ist jetzt schon der blutigste Tag seit dem Gaza-Krieg 2014.

Bereits jetzt ist es der blutigste Tag seit dem Gaza-Krieg 2014: In den Stunden vor und während der Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem ist es am Montag zu heftigen Protesten der Palästinenser an den Grenzzäunen zu Israel gekommen. Die Opferzahl steigt stetig.  Bis zu eine Million Menschen waren zu Protesten erwartet worden. Der israelischen Armee zufolge beteiligten sich zunächst mehr als 35.000 Menschen an zwölf verschiedenen Orten an den Protesten am Grenzzaun.

Das sagt die Palästinenser-Seite:

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums im Gazastreifen erschossen israelische Soldaten mindestens 37 Palästinenser bei Konfrontationen. Rund 1700 Menschen seien verletzt worden, darunter Hunderte durch Schüsse. Unter den Toten war demnach auch ein 14-jähriger Junge. Der palästinensische Gesundheitsminister Dschawad Awad in Ramallah warf Israel ein "Massaker an unbewaffneten Demonstranten" vor. Auch die Türkei sprach von einem Massaker, an dem Israel und die USA die Schuld trügen.  

Das sagt Israel:

Die israelische Armee entgegnet in einer Stellungnahme, Palästinenser hätten Brandbomben und explosive Gegenstände auf Soldaten geworfen. Sie würden Reifen verbrennen und versuchen mit brennenden Gegenständen Feuer in Israel zu entzünden. Die israelische Luftwaffe habe zudem Hamasposten im nördlichen Gazastreifen angegriffen. Damit habe die Armee auf Beschuss von dort auf Soldaten reagiert. Israel wirft der im Gazastreifen herrschenden Hamas vor, sie missbrauche die Proteste zu Anschlagsversuchen an der Grenze. Die Armee betont, sie schieße nur im Notfall und auch dann nur auf die Beine.

USA eröffnet Botschaft in Jerusalem

Die USA haben am Montagnachmittag ihre Botschaft in Jerusalem im Beisein von rund 800 Gästen eröffnet. Auch US-Finanzminister Steven Mnuchin, Präsidententochter Ivanka Trump sowie ihr Mann und Trump-Berater Jared Kushner waren vor Ort. An der Grenze zwischen Israel und dem Gazastreifen setzten schon gegen Mittag zahlreiche Palästinenser Reifen in Brand; dichter schwarzer Rauch stieg in den Himmel. Nach Berichten von Augenzeugen, versuchten mehrere Männer den Grenzzaun zu Israel zu durchschneiden.

Israels Armee hat die Zahl ihrer Soldaten an der Gaza-Grenze verdoppelt. Seit Ende März sind dort bei gewaltsamen Konfrontationen von Palästinensern und israelischen Soldaten insgesamt 92 Palästinenser getötet und Tausende verletzt worden. Beim "Marsch der Rückkehr" haben Zehntausende ein Recht auf Rückkehr in das heutige israelische Staatsgebiet gefordert. Israel lehnt das ab. 

Hamas als Terrororganisation eingestuft

Die radikalislamische Hamas wird von Israel, der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft und hat sich die Zerstörung des Staates Israel auf die Fahne geschrieben.

Israel hat den Ostteil Jerusalems im Sechstagekrieg 1967 erobert. Den Anspruch der Palästinenser auf Ost-Jerusalem als Hauptstadt für einen eigenen Staat Palästina lehnt Israel ab. Doch die internationale Gemeinschaft pocht darauf, dass der künftige Grenzverlauf in Verhandlungen beider Seiten geklärt wird. Dies hat auch Trump gesagt.

fin mit Agentur / DPA / AFP