General David Petraeus Obamas Rettungsanker in Afghanistan


Ein genialer Stratege, Krieger und zugleich ein Denker. Diese Attribute treffen auf US-General David Petraeus ebenso zu wie auf seinen Vorgänger Stanley McChrystal. Nachdem McChrystals Entlassung ist Petraeus Obamas letzter Strohalm, um in Afghanistan doch noch das Heft in die Hand zu bekommen.

US-General David Petraeus genießt in seiner Heimat den Ruf eines Kriegshelden. Für viele Amerikaner ist er derjenige, dem sie die Wende im Irak zugunsten der Vereinigten Staaten und deren Verbündeten zu verdanken haben. Jetzt soll der 57-Jährige es auch in Afghanistan richten, nachdem Präsident Barack Obama den bislang zuständigen Kommandeur Stanley McChrystal wegen abfälliger Bemerkungen über die US-Regierung feuerte. "Das ist Obamas letzte Chance", sagt Arturo Munoz von der renommierten Denkfabrik Rand. Wenn Petraeus den Krieg am Hindukusch nach nunmehr fast neun Jahren nicht gewinnen könne, dann sei vielleicht niemand dazu in der Lage.

Der prominenteste Vier-Sterne-General der USA übernimmt das Kommando in Afghanistan in einer brisanten, womöglich entscheidenden Phase. Eine seit längerem erwartete Großoffensive in der Taliban-Hochburg Kandahar kommt trotz massiver Truppenaufstockungen nur schleppend in die Gänge, die Gewalt hat deutlich zugenommen und auch in den USA selbst werden Zweifel an dem kostspieligen Einsatz immer lauter. Für Petraeus ist das keine ungewohnte Ausgangslage: Der Irak-Krieg war auf bestem Wege, mit dem nationalen Trauma Vietnam gleichzuziehen, als der Karrieresoldat die Zügel Anfang 2007 übernahm. Danach ging die Gewalt zurück und inzwischen stehen die Zeichen dort für die US-Truppen nach mehr als sieben Jahren Krieg auf Abzug.

Petraeus wird von Kameraden als genialer Stratege angepriesen, als Krieger und zugleich Gelehrter. Er durchlief die Militärakademie West Point, promovierte später an der Elite-Universität Princeton über den Vietnam-Krieg. Petraeus ist der geistige Vater eines Handbuchs zur Bekämpfung von Aufständischen, auf dem die aktuelle Afghanistan-Strategie der USA fußt und die auf eine Kombination aus politischer Aussöhnung und militärischer Stärke setzt. Mit der Lage am Hindukusch ist Petraeus bestens vertraut: 2008 übernahm er die Leitung des Central Commands, in dessen Bereich auch Afghanistan fällt.

Kritiker warfen ihm während des Irak-Kriegs Schönfärberei vor. Jüngst zollten sie ihm aber auch Respekt, als er bei einer Senatsanhörung einräumte, dass es bei der Bekämpfung von Aufständischen auch zahlreiche Rückschläge gegeben habe und er sich oft wie in einer Achterbahn vorkomme.

Brustschuss, Fallschirmabsturz, Krebs

Der zweifache Familienvater musste gesundheitlich einige Rückschläge verkraften, gilt aber trotz eines Schwächeanfalls, den er kürzlich im Kongress erlitt, als äußerst zäh. Er überlebte einen Brustschuss, den er während einer Militärübung abbekam, und einen Fallschirmabsturz, bei dem er sich das Becken brach. Legendär ist seine Leidenschaft für Wettkämpfe, etwa wenn er jüngere Kameraden zu Liegestützen herausforderte. Im vergangenen Jahr unterzog er sich erfolgreich einer Prostata-Krebs-Behandlung.

Petraeus führt Vertrauten zufolge ein strenges Regime und besteht kompromisslos auf Loyalität und die Einhaltung der Befehlskette. Ausfälle, wie sie sich McChrystal leistete, sind von ihm nicht zu erwarten. Er legt Wert darauf, politisch unabhängig zu sein. Seit Jahren hat er nicht gewählt. Ambitionen auf ein politisches Amt hat Petraeus nach eigenen Angaben nicht. Im Lager der Demokraten wird aber gemunkelt, dass der hochdekorierte General von den Republikanern irgendwann als potenzieller Präsidentschaftskandidat aufgebaut werden könnte.

Sollte Petraeus in Afghanistan erfolgreich sein, dürften sich solche Spekulationen verdichten. Doch darüber kann sich Obama im Moment nicht den Kopf zerbrechen. Afghanistan ist seine wichtigste außenpolitische Bewährungsprobe. Scheitert Petraeus, wird es auch eng für den Präsidenten.

Reuters Reuters

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