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Generalstreik zur Urlaubszeit: In Griechenland geht nichts mehr

Züge stehen, der Flugverkehr funktioniert nicht wie gewohnt - und es stinkt nach Müll. Urlaub in Griechenland ist derzeit alles andere als entspannend.

Der Generalstreik in Griechenland gegen Stellenstreichungen im Staatsdienst legt große Teile des öffentlichen Lebens lahm. Nicht nur viele Behörden blieben geschlossen, was vor allem die einheimische Bevölkerung trifft. Auch Touristen dürften den Ausstand zu spüren bekommen, denn auch beispielsweise der Flugverkehr oder der öffentliche Nahverkehr funktionieren nicht wie gewohnt - und das mitten im Sommer, also zur Urlaubszeit.

In Athen war der öffentliche Nahverkehr am Dienstag zeitweise stark eingeschränkt. Die U-Bahn in der Hauptstadt fuhr zwar, jedoch wurden drei Metrostationen im Stadtzentrum wegen geplanter Kundgebungen gesperrt. Auf der U-Bahnlinie zum Athener Flughafen verkehrten hingegen keine Züge. Zu dem Generalstreik, dem vierten in diesem Jahr, hatten die beiden größten Gewerkschaften des Landes aufgerufen.

Züge stehen, Müll wird nicht abgeholt

Wer eine Zugreise innerhalb des Landes geplant hat, muss diese auf die nächsten Tage verschieben, denn der Bahnverkehr kam am Vormittag landesweit zum Erliegen und dürfte den ganzen Tag über stark eingeschränkt sein. Flüge von und nach Athen sollten zeitweise unterbrochen werden, da die Gewerkschaften des Luftfahrtsektors aus Solidarität zu vierstündigen Arbeitsniederlegungen aufriefen.

Auch der mögliche Geruch nach Abfall ist eine Folge des Streiks, denn in vielen Orten wurde der Müll nicht abgeholt. Probleme könnte es beim Geldabheben geben, denn Bankangestellte legten ebenfalls die Arbeit nieder.

Griechenland ist eines der Länder in Europa, die am stärksten von der #link;stern.de/thema/euro-krise;Euro-Krise# betroffen sind. Am Mittwoch soll im Parlament über die jüngsten Zugeständnisse an die internationalen Geldgeber abgestimmt werden. Zu den Sparplänen gehört der Abbau von Arbeitsplätzen von Lehrern, der Polizei sowie der Kommunalverwaltung.

Die Eurogruppe hatte Griechenland vergangene Woche die schrittweise Auszahlung von 6,8 Milliarden Euro im Herbst zugesagt, wenn die Regierung parallel weitere Reformen umsetzt und spart.

Tauende Jobs im öffentlichen Dienst auf der Kippe

Die Zahl der Beschäftigten im öffentlichen Dienst soll gekürzt werden. Bis September sollen nun 12.500 Bedienstete in eine Transfergesellschaft überführt werden - kommen sie nicht innerhalb von acht Monaten in einer anderen Abteilung unter, werden sie entlassen. Bis zum Jahresende sollen insgesamt 25.000 Staatsdiener in diese Transfergesellschaft versetzt werden. Angesichts der Arbeitslosenquote von fast 27 Prozent hatten die Pläne für heftigen Protest gesorgt und die beiden größten Gewerkschaften der Privatwirtschaft und des öffentlichen Dienstes auf den Plan gerufen.

Das Euro-Land musste in den vergangenen Jahren zweimal mit insgesamt 240 Milliarden Euro von seinen Euro-Partnern und dem Internationalen Währungsfonds vor der Pleite bewahrt werden. Der öffentliche Dienst des Landes gilt als ineffizient und korrupt. Am Donnerstag wird Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble zu Gesprächen in Athen erwartet.

anb/DPA/Reuters / DPA / Reuters