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Gewalt in Ägypten Koptische Kirche fordert Extremismus-Debatte


Brennende Kirchen, Straßenschlachten, Tote und Verletzte. Die Lage in Ägypten eskaliert. Im Staatsfernsehen forderte die koptische Kirche eine Debatte über Extremismus. Auch die Bundesregierung zeigte sich über die Entwicklung besorgt.

Die koptische Kirche fordert nach den blutigen Unruhen zwischen Christen und Muslimen in Kairo eine öffentliche Debatte über Gewalt gegen Christen. "Egal, was passiert, immer heißt es nur, die Überreste des alten Regimes seien schuld, und zwar schon bevor die Ermittlungen begonnen haben - das reicht nicht, wir brauchen eine ehrliche Auseinandersetzung, mit dem, was in unserem Land geschieht", sagte der koptische Priester Jussif Samir am Montag im ägyptischen Staatsfernsehen.

Die Bewegung der radikalen Islamisten ("Salafisten") sei seit der Revolution, die im Februar zur Entmachtung von Präsident Husni Mubarak geführt hatte, wieder erstarkt, erklärte er. "Die Stimme, die wir nicht hören wollen, ist im Moment leider die Stimme, die auf der Straße lauter ist als alle anderen", sagte Samir. Nach ihm sprach im TV-Studio auch ein islamischer Religionswissenschaftler, der "eine versteckte Hand und ausländische Unterstützung" hinter der jüngsten Eskalation vermutete.

Bundesregierung unterstützt ägyptischen Kurs

Die Bundesregierung zeigte sich derweil besorgt über die Gewalt. Regierungssprecher Steffen Seibert begrüßte am Montag aber zugleich die Entscheidung der Führung in Kairo, die Ursachen für die Gewaltausbrüche zu untersuchen und Verantwortliche für die Krawalle zur Rechenschaft zu ziehen. Man könne Ägypten nur darin bestärken, für ein Klima der Toleranz zu sorgen, in der die Sicherheit religiöser Minderheit garantiert sei. Das sei die Grundvoraussetzung für ein friedliches Miteinander der Bevölkerungsgruppen. Gerade das nach Demokratie strebende "neue Ägypten" habe Grund, diesen Anspruch an sich selbst zu stellen.

Straßenschlacht am Wochenende

In der Nacht zum Sonntag hatten radikale Muslime eine koptische Kirche im Kairoer Viertel Imbaba angegriffen. Ihre Attacke begründeten sie mit der Behauptung, in dem Gotteshaus werde eine zum Islam kovertierte Frau festgehalten. Bei der daraufhin entbrannten Straßenschlacht wurden nach Polizeiangaben zwölf Menschen getötet und 230 verletzt.

In den vergangenen zwei Monaten war es schon mehrfach zu Übergriffen auf Christen gekommen, obwohl vor allem jugendliche Demonstranten während der Proteste gegen Mubarak zu Beginn des Jahres den Zusammenhalt zwischen der muslimischen Bevölkerungsmehrheit und der christlichen Minderheit betont hatten.

Internationale Empörung

Auch die US-Botschaft in Kairo verurteilte die Attacke in Imbaba und forderte die Ägypter zur Ruhe auf. Die Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate erklärte: "Wir bekunden unsere Solidarität mit Ägypten und stehen bei der Bekämpfung dieser Erscheinung auf seiner Seite." Die ägyptische Übergangsregierung hatte am Sonntag ein hartes Durchgreifen gegen die Gewalttäter angekündigt. Die rund 190 Festgenommenen müssten sich vor einem Militärgericht verantworten.

Die Ägyptische Organisation für Menschenrechte erklärte: "Die Sicherheitsbehörden müssen ihrer Verantwortung gerecht werden und sich diesem Aufruhr entgegenstellen, damit das ägyptische Volk vereint bleibt." Mehrere Augenzeugen hatten der Polizei nach der Gewalteskalation in Imbaba Zurückhaltung vorgeworfen. Auch die Armee sei viel zu spät vor der St.-Mina-Kirche eingetroffen.

cjf/DPA/Reuters DPA Reuters

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