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Konflikt zwischen Israel und Iran: Die Golanhöhen - Sollbruchstelle des Nahen Ostens

Lange war es relativ ruhig auf den Golanhöhen, doch nun droht dort ein alter Konflikt zwischen Israel, Syrien und dem Iran zu eskalieren. Das Bergplateau ist eine Art Sollbruchstelle des Nahen Ostens. Eine kurze Erklärung, warum.

Golanhöhen

Tourismus unter Feuerschutz: Ultraorthodoxe Juden besuchen den Bental auf den Golanhöhen.

Getty Images

Es ist selten, dass Israel und die Vereinten Nation die gleiche Auffassung über die Zugehörigkeit von Territorien teilen - die Schebaa-Farmen sind so ein Fall. Das winzige Stück Land von 14 Kilometern Länge und zwei Kilometern Breite liegt im Dreiländereck Israel-Syrien-Libanon und gehört zu – ja, zu wem eigentlich? Israel, Syrien und die Vereinten Nationen sagen: die Schebaa-Farmen sind eigentlich syrisch. Doch der Libanon besteht darauf, dass das Gebiet libanesisch sei, allein für die Behauptung fehlen die Verträge. Herrschen darüber tut jedoch Israel. Umstritten, besetzt und umkämpft - der kleine Fleck ist in gewisser Weise der gesamte Nahost-Konflikt auf nicht einmal 30 Quadratkilometern.

Schwerste Angriffe seit 1973

Sicher immerhin: Die Schebaa-Farmen liegen auf den Golanhöhen, wo zuletzt israelische Militärposten von Raketen getroffen wurden, wohl von iranischen Streitkräften auf syrischer Seite. Es waren die schwersten Angriffe seit dem Jom-Kippur-Krieg 1973. Der lodernde Konflikt dürfte nicht zufällig jetzt, wenige Tage nach dem Ausstieg der USA aus dem Atom-Abkommen mit dem Iran, wieder aufflammen. Mit dem Ende des Deals fühlt sich keine Seite mehr verpflichtet, Rücksicht auf irgendwelche Verträge zu nehmen.


Bislang hatte sich Israel nie offen in den Dauer-Krieg im Nachbarland Syrien eingemischt. Auch deswegen, weil es so gut wie keinen Ausgang des Konflikts gibt, der Israel gefallen würde, vor allem nicht der mittlerweile absehbare Erfolg der syrisch-iranisch-russischen Allianz. Ängste in Jerusalem weckt auch der wachsende Einfluss des Erzfeinds Iran in Syrien. Regierungschef Benjamin Netanjahu sagte, der Iran habe mit dem Angriff auf den Golanhöhen "eine rote Linie überschritten und unsere Politik ist klar: Wir werden es dem Iran nicht erlauben, sich militärisch in Syrien zu etablieren."

Der Jordan entspringt auch auf den Golanhöhen

Lange war es ruhig gewesen um das strategisch wichtige Felsplateau zwischen Israel und Syrien, nordöstlich des Sees Genezareth. Bis vor rund 100 Jahren gehörten die Golanhöhen mit ein paar jüdischen Siedlungen zum damals britischen Mandatsgebiet Palästina. 1923 wurden sie dem französischen Gebiet Syrien und Libanon zugeschlagen. Später, nach Gründung Israels vor 70 Jahren, begann die syrische Armee von hier aus israelische Siedlungen zu beschießen – die bis zu 2800 Meter hohen Berge eignen sich für derartige Angriffe besonders gut. Im Sechstagekrieg 1967 besetzte Israel Teile der Golanhöhen - zum einen, um den Beschuss jüdischer Dörfer zu beenden, zum anderen, da hier einer der Quellflüsse des Jordan entspringt - einer der wichtigsten Wasserläufe Israels.

Nach einigen Jahren militärischer Auseinandersetzungen um die Golanhöhen annektierte Israel sie 1981 – gegen den Widerstand der Vereinten Nationen. De facto sind die besetzten Gebiete des Plateaus mittlerweile Teil Israels, offiziell aber gehören sie weiter zu Syrien. Auf einem schmalen Streifen trennt noch die UN-Mission UNDOF die beiden Länder voneinander. Vor einigen Jahren sah es sogar kurz danach aus, als könne der Streit um die wichtige Gegend beigelegt werden – es wäre einer der wenigen Erfolge in der politisch instabilen Region gewesen. So war Israel bereit, im Zuge eines Friedensvertrags mit Syrien die Golanhöhen zurückzugeben. Entsprechende Gespräche sind bislang ergebnislos geendet.

Stellvertreterkampf zwischen Israel und Iran

In gewisser Weise sind die Golanhöhen und damit auch die Schebaa-Farmen eine Sollbruchstelle im Nahost-Konflikt. Denn die libanesische Hisbollah verweigert ihre von der UN geforderte Entwaffnung mit dem Hinweis auf die israelische Besetzung der Region. Die Hisbollah kämpft zudem als Verbündeter des Assad-Regimes, Russlands und des Irans auch in Syrien. Der Iran unterstützt offen die Miliz, die auch im libanesischen Parlament vertreten ist und für die USA als Terrororganisation gilt. Somit ist der Kampf der Hisbollah um die Schebaa-Farmen und die Golanhöhen auch ein Stellvertreterkampf zwischen den Erzfeinden Israel und Iran - und damit eines von vielen Schlachtfeldern in dem an Schlachtfeldern nicht armen Nahen Osten.


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