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Grenzkonflikt zwischen Serbien und Kosovo: Europäer verurteilen Angriff auf Kfor-Soldaten

Der Grenzstreit zwischen dem Kosovo und Serbien reißt nicht ab: Anhänger der serbischen Minderheit im Nordkosovo griffen am Dienstag KFOR-Soldaten an, als diese Straßensperren räumen wollten. Auf beiden Seiten gab es Verletzte. Vertreter von EU und der deutschen Bundesregierung verurteilten die Attacken.

Die Bundesregierung und die Europäische Union haben die jüngste Eskalation der Protestaktionen an der Grenze zwischen dem Kosovo und Serbien verurteilt. Der Einsatz von Gewalt gegen Soldaten der NATO-Truppe sei "nicht akzeptabel", erklärte ein Sprecher des Auswärtigen Amts am Dienstag in Berlin. Bei den Auseinandersetzungen waren im Norden des Kosovo acht KFOR-Soldaten (Kosovo Force) und bis zu sechs serbische Demonstranten verletzt worden.

Die Bundesregierung sehe die Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern der im Nordkosovo lebenden serbischen Minderheit und der KFOR-Truppe "mit großer Sorge", teilte der Außenamtssprecher weiter mit. Er verwies darauf, dass die KFOR und die EU-Polizei- und Justizmission im Kosovo (EULEX) ihren "mandatsmäßigen Auftrag" erfüllten. Lösungen für die Spannungen zwischen beiden Ländern müssten in dem von der EU vermittelten Dialog gefunden werden.

Auch die EU verurteilte die Gewalt. Eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton forderte alle Seiten zu Zurückhaltung auf. Ähnlich hatte sich zuvor bereits der serbische Präsident Boris Tadic geäußert. Die Spannungen könnten nur durch "Frieden und Dialog" gelöst werden, sagte er.

Handelsstreit entschärft, Gewalt geht weiter

Die Zusammenstöße hatten sich am Dienstag an dem unruhigen Grenzübergang Jarinje im Norden des Kosovo ereignet. Nach Angaben der Bundeswehr eskalierte die Lage, als KFOR-Soldaten nahe des Grenzübergangs mehrere Straßenblockaden räumen wollten. Als Schüsse in Richtung der Truppen abgegeben worden seien, hätten diese das Feuer "über die Köpfe (der Demonstranten) hinweg" erwidert. Die aufgebrachte Menge habe sich daraufhin zurückgezogen.

Ein Angreifer sei durch einen Beinschuss verletzt worden, nachdem er einem KFOR-Soldaten die Waffe entwendet habe, teilte die Bundeswehr weiter mit. Den Angaben zufolge wurden acht KFOR-Soldaten bei der Eskalation verletzt. Nach ersten Erkenntnissen waren darunter keine Deutschen.

Ein KFOR-Sprecher hatte der Nachrichtenagentur AFP zuvor gesagt, ein deutscher Soldat sei durch einen Steinwurf getroffen worden. Seinen Angaben zufolge wurden vier KFOR-Soldaten bei der Explosion eines Sprengsatzes verletzt. Der serbischen Nachrichtenagentur Beta zufolge wurden sechs Serben mit Schusswunden in ein Krankenhaus gebracht.

Hintergrund der Auseinandersetzungen ist ein Streit um die Kontrolle der Grenze, der im Zusammenhang mit einem inzwischen entschärften Handelsstreit entbrannt war. Die neuen Zusammenstöße ereigneten sich kurz vor einem ursprünglich für Dienstag geplanten Treffen der serbischen und kosovarischen Unterhändler in Brüssel, das die Spannungen zwischen beiden Ländern entschärfen sollte. Wegen der Gewalt wurde das Treffen nach Angaben eines EU-Diplomaten aber auf Mittwoch verschoben.

jwi/AFP/DPA / DPA