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Schuldenkrise in Griechenland: Verhandlungen über neue Hellas-Hilfen gestartet

Die ersten Unterhändler der Geldgeber-Institutionen sind in Griechenland eingetroffen - die Verhandlungen über ein drittes Hilfspaket haben somit begonnen. Unterdessen befinden sich die Einlagen griechischer Banken weiter im Abwärtstaumel.

Die Einlagen bei griechischen Geldhäusern sind auf den niedrigsten Stand seit Ende 2003 gesunken.

Griechen warten vor einer Bank: Die Einlagen bei griechischen Geldhäusern sind auf den niedrigsten Stand seit Ende 2003 gesunken.

Mit leichter Verspätung haben die Detail-Verhandlungen über ein drittes Hilfspaket für Griechenland begonnen. Vertreter der Geldgeber-Institutionen hätten die Arbeit in Athen aufgenommen, sagte eine Sprecherin der EU-Kommission am Montag in Brüssel. Die Gespräche führen die Europäische Union (EU), die Europäische Zentralbank (EZB) sowie der Internationale Währungsfonds (IWF). Mit dabei sind auch Vertreter des europäischen Rettungsfonds ESM. Die Verhandlungschefs von EU und IWF werden erst im Laufe der Woche anreisen, wie es in Delegationskreisen hieß. Der Beginn der Beratungen war ursprünglich schon für Freitag geplant gewesen. Er wurde aber aus organisatorischen Gründen verschoben.

Allerdings drängt die Zeit. Am 20. August muss Griechenland die nächste Milliardenrate an die EZB zahlen. Ob die Gespräche vorher abgeschlossen werden können, ist unklar. "Es ist wichtig, dass sorgfältig verhandelt wird. Und wann diese Verhandlungen abgeschlossen werden, das wird sich dann zeigen", sagte eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums. Nach ihren Worten geht es bei den Gesprächen um ein Hilfspaket, "dass ein ambitioniertes ESM-Programm sein muss". Dies ergebe sich aus dem Finanzbedarf der griechischen Regierung.

Griechisches Finanzsystem im Krisenmodus

Der Rahmen für das dritte Hilfspaket steht zwar. Insidern zufolge fordern die Gläubiger aber, dass Griechenland noch mehr Reformmaßnahmen in konkrete Gesetze gießt. Bislang wurden zwei Reformpakete vom Parlament verabschiedet. Eine Reform der Agrarsubventionen und der Frühverrentungen steht noch aus. Nach den Worten von EZB-Direktor Benoit Coeure beraten die Euroländer derzeit auch über eine Umstrukturierung der Schulden des Landes. Die Frage sei dabei nicht, "ob die Schulden Griechenlands umzustrukturieren sind, sondern wie man das macht, so dass es der Wirtschaft des Landes wirklich nutzt", sagte Coeure der französischen Zeitung "Le Monde".

Das griechische Finanzsystem steckt nach wie vor im Krisenmodus. Die Einlagen bei griechischen Banken sind im Juni auf den niedrigsten Stand seit Ende 2003 gesunken. Sie schrumpften um rund acht Milliarden auf 127,5 Milliarden Euro, wie EZB-Daten zeigen. Wegen des Geldabflusses hielt die Regierung die Banken drei Wochen lang geschlossen. Die Börse bleibt weiterhin zu.

amt / Reuters
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