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Griechenland-Krise: EZB hält Notkredite auf aktuellem Stand

Am Tag nach dem "Nein" der Griechen hat die EZB über die Notfallhilfen für Griechenland beraten. Derweil ist bereits ein Nachfolger für den zurückgetretenen Yanis Varoufakis gefunden. Die Entwicklungen des Tages im Rückblick.

Die Zentrale der Europäischen Zentralbank in Frankfurt.

Die Zentrale der Europäischen Zentralbank in Frankfurt. Die Notkredite bleiben vorerst auf aktuellem Niveau.

Laut dem amtlichen Endergebnis beim Referendum in Griechenland haben 61,31 Prozent der Griechen gegen die Reformpläne der EU-Gläubigerinstitutionen gestimmt. Während das linke Syriza-Lager in Athen das Ergebnis feiert, stellen sich die EU-Diplomaten auf eine Woche ein, in der sich eine Krisensitzung an die nächste reiht. Für eine Überraschung sorgte der bisherige griechische Finanzminister Yanis Varoufakis, der seinen Rücktritt ankündigte. Auch sein Nachfolger steht bereits fest.

Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident François Hollande haben in Paris über die Konsequenzen beraten. Alle Ereignisse des Tages hier zum Nachlesen.

+++ 23.40 Uhr: Tsipras und Draghi sprechen über Kapitalkontrollen +++

Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras hat mit EZB-Chef Mario Draghi in einem Telefonat über die Liquidität der griechischen Banken besprochen. Tsipras habe darin gefordert, dass die Kapitalkontrollen umgehend aufgehoben werden müssten, sagt ein Regierungssprecher. 

+++ 22.45 Uhr: Fidel Castro gratuliert Tsipras +++

Kubas ehemaliger Präsident Fidel Castro hat Alexis Tsipras zu dessen "brillantem politischen Sieg" gratuliert. Er habe den Ausgang des Referendums im Fernsehen verfolgt, schreibt der 88-Jährige in einem Brief an den Syriza-Vorsitzenden. "Ihr Land ruft bei den Völkern Lateinamerikas und der Karibik Bewunderung hervor", indem es "seine Identität und seine Kultur gegen Aggressionen von außen verteidigt."

+++ 20.58 Uhr: Tsakalotos spricht sich für Verhandlungen aus +++

Der neue griechische Finanzminister Euklid Tsakalotos hat sich für eine Fortsetzung der Verhandlungen Athens mit seinen Gläubigern ausgesprochen. "Ich denke, dass sich etwas in Europa ändern kann", sagt der 55-Jährige kurz nach seiner Ernennung. Die Griechen hätten bei dem Referendum am Sonntag deutlich gemacht, dass sie "Besseres verdient haben" und eine "nicht-lebensfähige Lösung nicht akzeptieren" könnten. Tsakalotos gibt zu, angesichts des neuen Postens "Lampenfieber" zu haben. Es sei "nicht der einfachste Moment in der griechischen Geschichte", um Finanzminister zu werden.

+++ 19.47 Uhr: EZB hält Notkredite unverändert aufrecht +++

Die EZB gibt weiter grünes Licht für Notkredite an die griechischen Banken, belässt die Obergrenze dafür aber auf dem aktuellen Niveau. Das teilt die Notenbank nach Beratungen des EZB-Rates in Frankfurt mit. Wie lange es damit an griechischen Geldautomaten noch Euro-Scheine geben wird, ist unklar. Seit dem 26. Juni liegen die Kredite auf dem Niveau von knapp 90 Milliarden Euro.

+++ 19.32 Uhr: Merkel fordert schnellen Lösungsvorschlag von Tsipras +++

Nach einem Treffen mit  François Hollande fordert Angela Merkel die griechische Regierung auf, umgehend einen Lösungsvorschlag für die Schuldenkrise vorzulegen. Es sei wichtig, die Situation noch diese Woche aufzulösen, sagt sie. Dabei müssten weiter die Prinzipien Solidarität und Gegenleistung gelten. Auch Hollande fordert Alexis Tsipras zu ernsthaften Vorschlägen in der Schuldenkrise auf. Die Tür für Debatten stehe offen, aber die Zeit dränge.

+++ 19.12 Uhr: USA dringen auf Kompromiss +++

Die USA fordern Griechenland und seine Gläubiger auf, einen Kompromiss im Schuldenstreit zu suchen, um den Verbleib des Landes in der Euro-Zone zu ermöglichen. Es liege auch im Interesse der USA, dass die Griechenland-Krise beigelegt werde, erklärt das Präsidialamt in Washington.

+++ 17.59 Uhr: Griechische Banken bleiben bis mindestens Mittwoch geschlossen +++

Die griechischen Banken bleiben auch am Dienstag und Mittwoch geschlossen. Das teilt der Bankenverband des Landes mit. Weiterhin dürfen täglich maximal 60 Euro an Geldautomaten abgehoben werden.

+++ 17.31 Uhr: EZB will ab 18 Uhr beraten +++

Der Rat der EZB berät am Abend über weitere Nothilfen für griechische Banken. Wie die Nachrichtenagentur AFP aus europäischen Nationalbankenkreisen erfuhr, sollen die Beratungen um 18 Uhr beginnen.

+++ 17.24 Uhr: Tsakalotos wird neuer Finanzminister +++

Euklid Tsakalotos soll noch am Montag als neuer griechischer Finanzminister vereidigt werden, wie ein Vertreter des griechischen Präsidialamtes sagt. Der Wirtschaftsprofessor war zuletzt Chefunterhändler in den Gesprächen mit den Gläubigern und wird nun Nachfolger von Yanis Varoufakis.

+++ 16.50 Uhr: IWF grundsätzlich bereit, Griechenland zu helfen +++

Der Internationale Währungsfonds (IWF) erklärt grundsätzliche Bereitschaft zu Hilfen für Athen. IWF-Chefin Christine Lagarde teilt mit, der Währungsfonds habe den Ausgang der Volksabstimmung "zur Kenntnis" genommen. "Wir beobachten die Situation genau und stehen bereit, Griechenland zu unterstützen, wenn darum gebeten wird."

+++ 16.44 Uhr: Griechische Opposition will Tsipras unterstützen +++

Griechische Oppositionsparteien haben Ministerpräsident Alexis Tsipras für die anstehenden Verhandlungen mit den Geldgebern den Rücken gestärkt. Wie Verteidigungsminister Panos Kammenos mitteilt, verständigten sich die Vorsitzenden fast aller Oppositionsparteien auf eine gemeinsame Haltung mit der Regierung. "Wir haben dem Ministerpräsidenten den Auftrag erteilt, nach Brüssel zu reisen und im Namen des gesamten griechischen Volkes zu verhandeln", heißt es in Athen. 

+++ 15.48 Uhr: US-Börsen starten auch im Minus +++

Die düsteren Aussichten in der Griechenland-Krise haben am Montag auch die Wall Street ins Minus gedrückt. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte verlor in den ersten Minuten 0,6 Prozent auf 17.623 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 sank um 0,7 Prozent auf 2062 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq büßte 0,9 Prozent ein auf 4965 Punkte. Auch in Europa hielten sich die Kursverluste in Grenzen.

+++ 15.24 Uhr: Griechische Banken bleiben weiterhin geschlossen +++

Die griechischen Banken werden Insidern zufolge noch mindestens "einige weitere Tage" geschlossen bleiben. Ein entsprechender Beschluss solle noch im Tagesverlauf veröffentlicht werden, sagen mehrere Banker der Nachrichtenagentur Reuters.

+++ 14.47 Uhr: Gabriel: Zahlungsunfähigkeit steht unmittelbar bevor +++

Die endgültige Zahlungsunfähigkeit Griechenlands scheint nach Worten von Vizekanzler Sigmar Gabriel unmittelbar bevorzustehen. Man dürfte Griechenland nun nicht im Stich lassen, alle EU-Länder müssten für humanitäre Hilfe bereitstehen.

+++ 14.33 Uhr: Details über Telefonat von Merkel und Tsipras +++

Bundeskanzlerin Angela Merkel und der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras haben am Montagmorgen nach Angaben aus Athen miteinander telefoniert. Man sei sich einig gewesen, dass Tsipras Vorschläge auf dem von der Kanzlerin angeregten Sondergipfel der Euro-Zone am Dienstag in Brüssel vorlegen solle, hieß es in griechischen Regierungskreisen weiter. Von der Bundesregierung wurde das Gespräch zunächst bestätigt.

+++ 13.40 Uhr: Standard & Poor's hält Grexit für wahrscheinlich +++

Ein Ausstieg Griechenlands aus der Euro-Zone (Grexit) ist jetzt wahrscheinlicher als ein Verbleib, erklärt die Ratingagentur Standard & Poor's. Bisher sei aber zu erwarten, dass die Griechenland-Krise keine direkten Auswirkungen auf die Ratings anderer südosteuropäischer Länder wie Bulgarien, Albanien oder Mazedonien habe.

Rat der europäischen Zentralbank tagt wegen griechischer Banken

Der Rat der Europäischen Zentralbank erörtert am Nachmittag in Frankfurt die Notkredite  für griechische Banken


+++ 13.20 Uhr: EZB berät am Nachmittag über Notfallhilfen +++

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird nach Informationen von mehreren Insidern am Nachmittag über die Notfallhilfen für griechische Geldhäuser beraten. Die Telefonkonferenz werde später am Nachmittag stattfinden. Griechische Banken sind inzwischen sehr stark auf die sogenannten ELA-Notkredite angewiesen, die die Athener Notenbank gegen Sicherheiten vergibt. Würde die EZB diese Hilfen kappen, dürften die Banken innerhalb kurzer Zeit kollabieren. 

+++ 13.08 Uhr: Tsipras erörtert Entwicklung mit Draghi und Putin +++

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras hat nach dem für ihn siegreichen Volksentscheid mit dem Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) gesprochen. Wie aus Athener Regierungskreisen verlautete, telefonierte Tsipras am Montag auch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Der griechische Präsident Prokopis Pavlopoulos telefonierte demnach mit seinem französischen Kollegen François Hollande. 

+++ 12.46 Uhr: Deutsche buchen weiter Urlaub in Griechenland +++

Bei den beiden größten deutschen Reisekonzernen Thomas Cook ("Neckermann") und TUI brechen die Griechenland-Buchungen nicht ein. Es gebe nur einige Nachfragen von Kunden, die in den nächsten Wochen in das Ägäis-Land reisen wollten. Vor Ort gebe es keine Einschränkungen für Touristen bei Benzin, Lebensmitteln oder Geld, teilen die Firmen mit.

+++ 12.11 Uhr: CSU-Generalsekretär nennt Varoufakis "Geisterfahrer" +++

"Diese linken Geisterfahrer haben Griechenland auf einen unverantwortlichen Crashkurs gelenkt. Varoufakis hat einen Großbrand in Europa ausgelöst und haut jetzt mit dem Zündholz in der Hand ab.", sagte CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer am Montag zum Rücktritt des umstrittenen griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis.

+++ 11.55 Uhr: Eurogruppe erwartet neue Vorschläge von Griechenland +++

Nach der Ablehnung ihrer Spar- und Reformauflagen bei der Volksabstimmung sehen die Finanzminister der Eurozone vor ihrem Sondertreffen am Dienstag die Regierung in Athen am Zug. "Die Minister erwarten neue Vorschläge von der griechischen Regierung", heißt es in einer Erklärung der Eurogruppe. Sie merkte noch einmal an, dass die Volksabstimmung angesetzt wurde, nachdem sich die griechische Regierung "einseitig aus den laufenden Verhandlungen" über die Bedingungen für weitere Finanzhilfe zurückgezogen habe.

+++ 11.44 Uhr: Telefonkonferenz von Tusk, Juncker und Draghi beendet +++

EU-Ratspräsident Donald Tusk hat nach eigenen Angaben mit EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker, EZB-Präsident Mario Draghi, ESM-Chef Klaus Regling und dem Vorsitzenden der Euro-Gruppe, Jeroen Dijsselbloem, in einer Telefonkonferenz den Euro-Gipfel am Dienstag vorbereitet. Details nennt Tusk zunächst nicht.

+++ 11.40 Uhr: Bundesregierung sieht derzeit keine Grundlage für Verhandlungen +++ 

Die Bundesregierung sieht nach dem "Nein" der Griechen aktuell keine Grundlage für Verhandlungen über ein neues Hilfsprogramm. "Zur Zeit" seien die Voraussetzungen dafür nicht gegeben, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Die Bundesregierung bleibe aber gesprächsbereit, "die Türen seien offen", fügte er hinzu. 

Der von Griechenland geforderte Schuldenschnitt ist für die Bundesregierung "kein Thema". Der Sprecher des Bundesfinanzministeriums sagte, dies sei auch nicht Gegenstand der zuletzt abgebrochenen Verhandlungen über das zweite Hilfspaket gewesen.

+++ 10.46 Uhr: Euclid Tsakalotos vermutlich neuer Finanzminister +++

Unbestätigten Meldungen zufolge soll Euclid Tsakalatos der neue griechische Finanzminister werden. Die griechische Regierungsspitze berät dazu derzeit in Athen. Tsakalotos saß schon bei den bisherigen Gesprächen mit den Gläubigern neben Varoufakis am Verhandlungstisch und gilt als wesentlich konstruktiver und zurückhaltender als der scheidende Finanzminister.

+++ 9.05 Uhr: "Nein" schickt DAX auf Talfahrt +++

Durch das Referendum angefachte Befürchtungen zu einem möglichen "Grexit", dem Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone, drückten den deutschen Leitindex DAX am Montag 2,1 Prozent ins Minus auf 10.827 Punkte.

+++ 8.56 Uhr: Varoufakis-Nachfolger soll noch heute benannt werden +++

Der Nachfolger des zurückgetretenen Finanzministers Yanis Varoufakis soll bereits am Montag benannt werden. Ein Treffen der griechischen Führung beginnt einem Sprecher zufolge um 9 Uhr deutscher Zeit. Mögliche Nachfolger sind Wirtschaftsminister Georgios Stathakis und der Koordinator der Gespräche mit den Gläubigern, Euclid Tsakalotos.

+++ 8.35 Uhr: Bosbach begrüßt Varoufakis' Rücktritt +++

Der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach hofft nach dem Rücktritt des griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis auf einfachere Euro-Verhandlungen. "Das würde vermutlich die Verhandlungen aufgrund seines bisherigen Auftretens erleichtern", sagte Bosbach am Montag im ZDF-"Morgenmagazin", bevor der Rücktritt bestätigt wurde. Das löse jedoch nicht die Probleme. "Entscheidend sind weniger die Personen als die politischen Inhalte. (…) Es fehlt an Wirtschaftskraft, an Wettbewerbsfähigkeit, an einer wirklich effizienten Verwaltung."

+++ 7.40 Uhr: Yanis Varoufakis tritt zurück +++

"Minister No More! schreibt Yanis Varoufakis per Twitter. Es sei ihm von einigen Mitgliedern der Eurogruppe nahe gelegt worden, dass es besser sei, wenn er nicht mehr an ihren Treffen teilnehmen würde. Seine Abwesenheit bei den Verhandlungen sei auch von Ministerpräsident Alexis Tsipras als "potentiell hilfreich" betrachtet worden, weshalb er "heute" das Finanzministerium verlasse. Die gesamte Erkläung lieferte er auf seinem Blog.


+++ 7.04 Uhr: Euro verliert leicht an Wert +++

Der Euro ist nach dem klaren Nein der Griechen zum Wochenstart erwartungsgemäß unter Druck geraten. Die Verluste hielten sich allerdings in Grenzen. Der Euro kostete zuletzt 1,1025 US-Dollar und damit etwas weniger als am Freitagabend in New York. In den ersten Minuten des Handels nach dem Referendum in Griechenland war der Kurs noch bis auf 1,0970 US-Dollar gefallen, konnte sich aber zügig wieder etwas von den Verlusten erholen.

+++ 3.20 Uhr: Börsen in Tokio und Sydney geben nach +++

Die Börse in Tokio verzeichnete am Montag als Reaktion auf das Votum starke Verluste. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte verlor kurz nach Handelsbeginn 1,65 Prozent. Auch die Börse in Sydney eröffnete im Minus. Der S&P/ASX 200-Index rutschte zum Auftakt am Montag um 1,4 Prozent unter den Schlusskurs von Freitag.

+++ 2.12 Uhr: Amtliches Endergebnis: 61,31 Prozent sagen "Nein" +++

Bei der Volksabstimmung über die Sparvorgaben der internationalen Gläubiger haben nach Angaben des Innenministeriums in Athen nach Auszählung aller Wahlzettel 61,31 Prozent der Abstimmenden mit "Nein" und 38,69 Prozent mit "Ja" votiert. Die Beteiligung lag bei 62,5 Prozent. Ministerpräsident Tsipras forderte nach dem Erfolg beim Referendum Zugeständnisse der internationalen Geldgeber. Er wendete sich in einer Fernsehansprache am späten Sonntagabend an sein Volk: "Das Mandat, das Sie mir erteilt haben, ruft nicht nach einem Bruch mit Europa, sondern verleiht mir eine größere Verhandlungsmacht."

jho / DPA / AFP / Reuters