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+++ Griechenland-Ticker +++: Griechenland bittet IWF um Gnadenfrist

Letzter Tag für Griechenland unter dem Rettungsschirm. Das internationale Hilfsprogramm für das Land läuft aus. Weitere Turbulenzen drohen, bis hin zum Grexit. Die Entwicklungen des Tages zum Nachlesen.

Ein Mann geht an einem Anti-EU-Graffito in Athen vorbei

Ein Anti-EU-Graffito in Athen: Mit dem Auslaufen des zweiten Hilfsprogramms und dem Reform-Referendum am Sonntag steuert Griechenland in unsichere politische Gewässer

Bis Mitternacht Washingtoner Zeit (Mittwoch 06.00 Ortszeit) muss die Regierung von Ministerpräsident Alexis Tsipras dem Internationalen Währungsfonds 1,54 Milliarden Euro überweisen. Sollte das Geld nicht eingehen, wäre Griechenland das erste entwickelte Land, das seine IWF-Schulden nicht pünktlich zahlt. Tsipras, EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und EZB-Präsident Mario Draghi sind im Gespräch. Doch Finanzminister Yanis Varoufakis kündigte bereits an, sein Land werde die Zahlung nicht leisten.

Die Entwicklungen des Tages im stern-Newsticker

+++ 23.58 Uhr: Gute Nacht +++

Liebe Leserinnen und Leser,

auch der spannendste Tag im Griechenland-Poker geht mal zuende. Für heute war es das mit dem Ticker zu Griechenland. Morgen um 11.30 Uhr startet die nächste Verhandlungsrunde. Schon Stunden vorher halten die Kolleginnen und Kollegen der Frühschicht Sie auf dem neuesten Stand in Sachen Griechenland-Krise.

Ihnen erst einmal eine gute Nacht.

Ihre stern-Redaktion

+++ 22.21 Uhr: Nächste Ratingagentur stuft Griechenland herab +++

Die Ratingagentur Fitch stuft die Bonität Griechenlands um eine Stufe auf "CC" von "CCC" herab.

+++ 22.15 Uhr: Griechenland bittet IWF um Gnadenfrist +++

Die griechische Regierung hat den Internationalen Währungsfonds (IWF) um eine Verlängerung der Frist für die fällige Rückzahlung von Krediten gebeten. Der auch für Wirtschaft und Finanzen zuständige Vize-Regierungschef Giannis Dragasakis sagt im griechischen Fernsehen, die Regierung habe um eine Fristverlängerung bis November gebeten. IWF-Chefin Christine Lagarde hatte eine "Gnadenfrist" für Athen allerdings bereits klar ausgeschlossen.

+++ 21.56 Uhr: Beratungen beginnen um 11.30 Uhr +++

Die Telefonkonferenz der Euro-Gruppe beginnt am Mittwoch um 11.30 Uhr (MESZ). Dabei solle der "Stand der Dinge" in Griechenland beraten werden, sagt ein Sprecher.

+++ 21.15 Uhr: Griechenland stellt Bedingungen für Referendums-Absage +++

Aus Euro-Zonen-Kreisen verlautet, die griechische Regierung habe der Euro-Gruppe angeboten, sich für ein "Ja" beim Referendum einzusetzen oder die Volksabstimmung abzusagen, wenn man sich auf neue Finanzhilfen verständigen könne.

+++ 20.49 Uhr: Nächste Telefonkonferenz am Mittwoch +++

Die Eurogruppe will am Mittwoch wieder telefonisch über Griechenland beraten.

+++ 20.27 Uhr: Telefonkonferenz zu Griechenland zuende +++

Die Finanzminister der Eurozone beenden ihre Telefonkonferenz zur Griechenland-Krise. Wie ein griechischer Regierungsvertreter mitteilt, werden die Gespräche am Mittwochvormittag fortgesetzt. Der slowakische Finanzminister Peter Kazimir schreibt im Kurznachrichtendienst Twitter, eine Verlängerung des bisherigen griechischen Hilfsprogramms über Dienstag hinaus sei nicht möglich.

+++ 20.25 Uhr: Griechenland macht Mittwoch neue Vorschläge +++

Griechenland wird nach den Worten von Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem am Mittwoch neue Vorschläge in der Schuldenkrise unterbreiten. Die Eurogruppe werde am selben Tag darüber beraten, sagt er.

+++ 20.20 Uhr: Finnlands Finanzminister schließt Schuldenschnitt aus +++

Eine kurzfristige Verlängerung des griechischen Hilfsprogramms und ein Schuldenschnitt ist nach Einschätzung des finnischen Finanzministers Alexander Stubb nicht möglich. Das teilt Stubb via Twitter mit. Diese Schritte hatte der griechische Premier Alexis Tsipras in einem neuen Hilfsantrag ins Spiel gebracht.

+++ 20.16 Uhr: ESM-Chef bedauert Ende der Griechenland-Hilfe +++

Der Chef des Euro-Rettungsschirms ESM, Klaus Regling, nennt es bedauerlich, dass das Hilfsprogramm für Griechenland um Mitternacht ohne Anschluss-Vereinbarung ausläuft. "Die positiven Ergebnisse des Programms sind damit gefährdet." Unter dem ESM-Vorgänger EFSF hat der Rettungsschirm 130,9 Milliarden Euro in Griechenland im Feuer.

+++ 20.02 Uhr: Griechenland wohl zu Aussetzung des Referendums bereit +++

Griechenland ist nach den Worten des maltesischen Ministerpräsidenten Joseph Muscat grundsätzlich bereit, das geplante Schuldenreferendum auszusetzen. Voraussetzung sei eine Einigung mit den Gläubigern, sagte Muscat am Dienstagabend im Parlament seines Landes.

+++ 19.43 Uhr: Eurogruppe berät über neuen Antrag Griechenlands +++

Die Finanzminister der Eurostaaten beginnen ihre Beratungen über den neuen griechischen Hilfsantrag. Dazu war kurzfristig eine Telefonkonferenz einberufen worden. Das berichten EU-Diplomaten. Nach einem diplomatischen Hin und Her hatte die griechische Regierung von Premier Alexis Tsipras überraschend neue Hilfen aus dem Euro-Rettungsschirm ESM mit einer Laufzeit von zwei Jahren beantragt.

+++ 18.48 Uhr: Griechenland bittet wohl um Stundung der IWF-Rate +++

Die Regierung in Athen will einem Medienbericht zufolge zufolge doch die Kredite an den IWF zurückzahlen. Wie "Bild" ohne Angabe einer Quelle berichtet, wandelte sie den Antrag, die etwa 1,6 Milliarden Euro überhaupt nicht zu zahlen, in eine Bitte um Verschiebung um.

+++ 18.32 Uhr: Griechische Banken herabgestuft +++

Die Ratingagentur S&P stuft die vier großen griechischen Banken auf "SD" (Zahlungsausfall in einigen Bereichen) herab. Sie begründet dies mit den von der Regierung verfügten Kapitalverkehrskontrollen.

+++ 18.16 Uhr: Euro-Gruppe gibt Griechen kein Geld +++

Die Euro-Gruppe wird heute nach Aussage eines Vertreters der Euro-Zone "auf keinen Fall" Mittel freigeben, damit Griechenland seine am Dienstag fällige IWF-Kreditrate bezahlen kann.

+++ 17.58 Uhr: Krise drückt Dax unter 11.000 Punkte +++

Der Schuldenstreit hatte den deutschen Aktienmarkt auch heute fest im Griff. Widersprüchliche Aussagen aus Brüssel und Berlin machten es dem Dax schwer, nach dem Kursrutsch des Vortages eine Richtung zu finden.

Am Ende überwiegt die Vorsicht, zumal auch an den US-Börsen die Anfangsgewinne abbröckeln - der Dax schließt unterhalb der psychologisch wichtigen 11.000-Punkte-Marke und verliert 1,25 Prozent auf 10.945 Punkte. Für den Juni verbucht der deutsche Leitindex damit ein Minus von mehr als 4 Prozent.

+++ 16.45 Uhr: Merkel berät mit Gabriel spontan über neue Lage +++

Nach der überraschenden Bitte Athens um ein drittes Hilfsprogramm bespricht Merkel spontan mit der SPD-Spitze die neue Lage. Am Rande der Fraktionssitzungen im Reichstag zieht sich die Kanzlerin für knapp zehn Minuten zu einem Gespräch mit SPD-Chef Sigmar Gabriel, dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Thomas Oppermann und Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) zurück. Zu den Inhalten ist nichts bekannt.

+++ 16.30 Uhr: Eurogruppe kündigt Telefonkonferenz an +++

Die Eurogruppe will noch heute über die neuesten Vorschläge aus Athen beraten. Für 19 Uhr MESZ sei eine Telefonkonferenz angesetzt, teilt Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem über Twitter mit. Dabei solle die neue Bitte der griechischen Regierung erörtert werden, die am Nachmittag eingegangen sei. Griechenland hatte vorgeschlagen, eine Vereinbarung für zwei Jahre zu treffen, in denen Finanzmittel aus dem Euro-Rettungsfonds ESM fließen sollen.

+++ 16.19 Uhr:  Griechenlands Opposition warnt vor Nein +++

Die konservative Opposition in Griechenland warnt vor einem Nein bei der Volksabstimmung zum EU-Hilfspaket. Es gehe um die Zukunft des Landes in Europa und um den Euro. Bei Ablehnung des Vorschlags wären Löhne und Renten bedroht.

+++ 16.06 Uhr: "Heute wird nichts mehr passieren" +++

Kanzlerin Merkel geht fest von einem Auslaufen der Griechenlandhilfen um Mitternacht aus. Zu Berichten über angebliche neue Verhandlungsangebote aus Athen sagte Merkel laut Sitzungsteilnehmern in der Unionsfraktion, "heute wird nichts mehr passieren". Dies sei schon zeitlich nicht mehr möglich, weil für eine Verlängerung des Hilfspakets ein Verfahren nötig sei, bei dem auch der Bundestag zustimmen müsste. "Man muss auf Sicht fahren." Bei der Auseinandersetzung über das Grundprinzip, dass es Hilfe nur bei Gegenleistungen geben könne, müsse notfalls auch ein Konflikt ausgehalten werden.

+++ 16.03 Uhr: Ankara will Athen helfen +++

Die Türkei bietet ihrem ehemaligen Erzfeind Unterstützung an. Sein Land sei bereit, alles in seiner Macht Stehende zu tun, damit Griechenland die Schuldenkrise überwinde, zitiert die türkische Nachrichtenagentur Anadolu Ministerpräsident Ahmet Davutoglu. Als Beispiel nennt er eine Zusammenarbeit in den Sektoren Tourismus, Handel und Energie. Der Sprecher des Staatspräsidenten sagt auf Anfrage von Journalisten, die Türkei habe bisher keine Kreditanfrage von Griechenland erhalten.

+++ 15.53 Uhr: Athen bittet um neues Hilfsprogramm +++

Griechenland wagt in letzter Minute einen Vorstoß. Über einen Zeitraum von zwei Jahren wolle das klamme Land Gelder aus dem Rettungsfonds ESM anzapfen, teilt das Büro von Ministerpräsident Alexis Tsipras mit. Damit solle der Finanzbedarf abgedeckt werden. Parallel dazu solle eine Umschuldung erfolgen. "Griechenland bleibt am Verhandlungstisch", heißt es. Ziel sei eine "tragfähige Lösung, um in der Eurozone zu bleiben".

+++ 15.33 Uhr: Athens Bürgermeister fordert "Nein zum Nein" +++

Athens Bürgermeister Giorgios Kaminis ruft die Bevölkerung dazu auf, beim Referendum für die Spar- und Reformvorschläge der Gläubiger zu stimmen. Laut griechischem Fernsehen fordert Kaminis die Griechen zu einem "Nein zum (von der Regierung verlangten) Nein" auf. Der sozialistische Pasok-Politiker kritisiert, das Referendum polarisiere die Griechen. Der Bürgermeister von Thessaloniki, Yannis Boutaris, spricht von einer drohenden Spaltung in Griechenland. "Ich hoffe, sie werden eine Lösung ohne Referendum finden".

+++ 15.26 Uhr: Bundestag auch in Sommerpause bereit +++

Bei einer Einigung mit Griechenland könnte der Bundestag nach Angaben von SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann auch in der Sommerpause kurzfristig in einer Sondersitzung darüber beraten. "Wir sind jederzeit dazu bereit", erklärt Oppermann in Berlin. Er lobt den Vorstoß von Juncker, in letzter Minute vielleicht eine Lösung mit  Tsipras zu finden: "Es ist ein letzter Appell an die Vernunft von Herrn Tsipras, doch noch Verantwortung zu übernehmen."

+++ 15.24 Uhr: Brite will Athen per Crowdfunding helfen +++

Mit einem Crowdfunding-Projekt will der britische Schuhverkäufer Thom Feeney Griechenland unter die Arme greifen. Bis zum Nachmittag spendeten mehr als 4500 Menschen 65.000 Euro - insgesamt müssten gut 1,5 Milliarden Euro zusammenkommen, die Athen bis Mitternacht an den IWF zahlen muss. Wenn jeder der 503 Millionen Europäer den Gegenwert eines "Salats mit Schafskäse und Oliven" spende, käme die Summe leicht zusammen, so Feeney.

+++ 15.01  Uhr: Staatssekretär sieht kaum Risiken für deutsches Finanzsystem +++

Finanzstaatssekretär Thomas Steffen befürchtet kaum Ansteckungsgefahren für das deutsche Finanzsystem. "Die Risiken aus der jüngsten Entwicklung in Griechenland sind bedeutend für Griechenland, für das deutsche Finanzsystem bestehen jedoch kaum mehr bedeutsame Ansteckungskanäle", erklärt Steffens nach der Sitzung des Ausschusses für Finanzstabilität. "Daher schätzen wir die Risiken als gering ein."

+++ 14.48 Uhr: Steinmeier und Nato-Chef warnen vor Folgen für Nato +++

Angesichts der Schuldenkrise warnen Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg vor Auswirkungen auf das Nato-Verteidigungsbündnis. Bei der Krise handele es sich "nicht nur um eine finanzpolitische Angelegenheit der Europäischen Union", so Steinmeier  an der Seite Stoltenbergs nach einem Festakt zum 60. Jahrestag des deutschen Nato-Beitritts in Berlin. Es müssten auch "die strategischen Konsequenzen im Blick" behalten werden. 

+++ 13.42 Uhr: Merkel sieht keine Hinweise auf Last-Minute-Einigung +++ 

Kanzlerin Merkel hat keine belastbaren Hinweise auf eine Last-Minute-Einigung mit Griechenland vor Mitternacht. Danach stünden die Türen für Gespräche aber weiter offen, sagt sie auf einer Pressekonferenz im Bundeskanzleramt. Alles was ich weiß, ist, dass das letzte Angebot der Kommission, das mir bekannt ist, eines vom Freitag letzter Woche ist. Mehr kann ich nicht beisteuern."

+++ 13.13 Uhr: Athen wird nicht zahlen +++

Griechenland wird laut Finanzminister Varoufakis die um Mitternacht fällige Rückzahlung an den Internationalen Währungsfonds über 1,6 Milliarden Euro nicht leisten.

+++ 12.53 Uhr: Dreiergespräch am Telefon +++

Tsipras, Juncker und EZB-Präsident Mario Draghi haben einem Regierungsvertreter zufolge miteinander telefoniert. Details zu dem Telefonat sind bislang nicht bekannt.

+++ 12.52 Uhr: Zu spät für weitere Hilfszahlungen? +++

Ein deutscher Regierungsvertreter schließt eine Verlängerung des laufendes Hilfspakets für Griechenland aus. Dafür sei es "jetzt zu spät". Damit tritt er Spekulationen entgegen, dass es in letzter Minute noch zu einer Einigung kommen könnte, die den Weg freimachen könnte für weitere Hilfszahlungen aus dem laufenden zweiten Unterstützungsprogramm.

+++ 12.08 Uhr: Athen und Gläubiger suchen angeblich Last-Minute-Lösung +++

Zwischen den Geldgebern und Griechenland laufen offenbar Gespräche zur Lösung des Schuldenstreits in letzter Minute. "Es gibt Initiativen", sagt ein Regierungsvertreter in Athen laut der Nachrichtenagentur Reuters. Die EU-Kommission erklärt, es gebe weiter Kontakte und die Tür für eine Einigung stehe nach wie vor offen. Dazu müssten müssten die Vorschläge der Gläubiger akzeptiert werden, bislang gebe es aber keine Bewegung seitens Athens.

+++ 11.55 Uhr: Gerücht über Tsipras-Wende treibt Aktien hoch +++

Europas Aktienmärkte machen wieder Boden gut: Während in Mailand und Madrid die Leitindizes sogar leicht ins Plus drehen, pirschen sich Dax und EuroStoxx50 an ihre Schlusskurse vom Montag heran. Zuvor hatten beide je etwa 1,5 Prozent verloren. Auslöser der Gewinne ist der griechische Zeitungsbericht, wonach Ministerpräsident Tsipras den Last-Minute-Vorschlag von EU-Kommissionschef Juncker doch noch in Betracht zieht.

"Ich glaube da nicht wirklich dran, ich kann mir nicht vorstellen, dass Tsipras so eine Kehrtwende macht", sagt ein Händler. Der Markt werde auch von der bislang relativ entspannten Aufnahme der jüngsten Entwicklung unterstützt. Allerdings dürften die Schwankungen weiter extrem bleiben und die Märkte auf jede Aussage aus Athen oder Brüssel empfindlich reagieren.

+++ 11.27 Uhr: Tsipras prüft offenbar Junckers Angebot +++

Ministerpräsident Tsipras zieht einem Medienbericht zufolge das Last-Minute-Angebot von EU-Kommissionspräsident Juncker in Betracht. Tsipras habe in Brüssel erklären lassen, dass er Junckers jüngsten Vorschlag prüfe, berichtet die griechische Tageszeitung "Kathimerini". Das Angebot sehe unter anderem Schuldenerleichterungen im Oktober vor. Woher ihre Informationen stammen, lässt die Zeitung offen.

Eine Pressekonferenz wurde verschoben. Jetzt wird erwartet, dass sich Tsipras' Sprecher am Nachmittag zum Vorschlag der EU äußert. Griechische Medien berichten unter Berufung auf Regierungskreise, der Ministerpräsident sehe den Vorschlag negativ.

Aus Kreisen der EU und der griechischen Regierung war zuvor verlautet, Juncker habe Tsipras ein Angebot unterbreitet, um die Staatspleite in letzter Minute doch noch abzuwenden. Tsipras solle die jüngsten Vorschläge der Geldgeber schriftlich annehmen und sich für ein "Ja" vor dem Referendum einsetzen.

+++ 11.10 Uhr: Russland hält sich raus +++

Die Lösung der Schuldenkrise ist nach Ansicht des russischen Präsidialamts keine Aufgabe für die Regierung in Moskau. Das müsse Griechenland zusammen mit seinen Gläubigern machen, sagt ein Sprecher.

+++ 11.02 Uhr: BA bangt derzeit nicht um deutschen Arbeitsmarkt +++

Die Bundesagentur für Arbeit rechnet derzeit nicht mit Auswirkungen der Krise auf den deutschen Arbeitsmarkt. Dazu seien die wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen Deutschland und Griechenland nicht eng genug, sagt Vorstandschef Frank-Jürgen Weise in Nürnberg. Dennoch schließt er mittel- oder langfristige Risiken nicht aus: "Die Frage ist, was passiert in der Geldpolitik?" Den deutschen Banken könne bei einem Totalausfall der Kredite an Griechenland ein Schaden von bis zu 90 Milliarden Euro entstehen. Positiv sei dagegen zu bewerten, dass sich andere Euro-Krisenländer wie Spanien gut entwickelten.

+++ 10.26 Uhr: Spanien befürchtet Präzedenzfall +++ 

Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy warnt vor den Folgen eines "Grexit": Wenn ein Land aus der Eurozone austrete, könnte dies einen Präzedenzfall für andere schaffen, dies in Zukunft auch zu tun, sagt er in einem Radio-Interview. "Das wäre die negative Botschaft, das eine Euro-Mitgliedschaft umkehrbar ist."

+++ 10.24 Uhr:  Brüssel macht Athen Last-Minute-Angebot +++

Aus Brüssel kommt ein letzter Vermittlungsversuch: Falls Premier Tsipras noch heute das Angebot der Geldgeber für ein Sparpaket annehme und für ein "Ja" beim Referendum werbe, könnte der Weg für ein weiteres Euro-Finanzministertreffen geebnet werden, heißt es aus EU-Kreisen. Die Zusicherung von Tsipras zum Sparpaket müsse an die Präsidenten der EU-Kommission und der Eurogruppe, Jean-Claude Juncker und Jeroen Dijsselbloem, sowie an Bundeskanzlerin Angela Merkel und den französischen Staatspräsidenten François Hollande gehen.

+++ 10.08 Uhr: Italien hofft auf einvernehmliche Lösung +++

Italien setzt auf einen einvernehmlichen Ausweg aus der Krise. Die Regierung in Rom hoffe auf eine kooperative und wachstumsorientierte Lösung, erklärt Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan.

+++ 10.02 Uhr: SOS-Kinderdörfer warnen vor sozialer Not +++

Die SOS-Kinderdörfer befürchten, dass ein Grexit vor allem Kinder und Familien hat treffen würde. "Das wird die soziale Not in Griechenland drastisch verschlimmern", warnt der Leiter der Kinderdörfer in Griechenland, George Protopapas. In der Folge würden immer mehr Familien auseinanderbrechen, weil sie dem Druck von Langzeitarbeitslosigkeit und Armut nicht standhalten könnten. Mehr Kinder würden verlassen oder Vernachlässigungen ausgesetzt sein.

Bereits jetzt suchen laut Protopapas viele tausend Familien Hilfe bei den SOS-Kinderdörfern. "Immer mehr Eltern wollen ihre Kinder bei uns abgeben, da sie sie nicht mehr ernähren können", sagt Protopapas. "Hier gilt es, die Familien zu unterstützen." Seit Beginn der Krise 2011 habe sich die Zahl der von den Kinderdörfern unterstützten verarmten Familien um das 50-fache erhöht. "Und dennoch haben wir lange Wartelisten."

+++ 9.58 Uhr: "Griechenland wird die Eurozone nicht verlassen" +++

Griechenlands Außenminister Nikos Kotzias erklärt amtlichen Angaben aus China zufolge, dass sein Land in der europäischen Währungsunion bleiben wird. "Griechenland wird die Eurozone nicht verlassen", habe Kotzias dem chinesischen Botschafter in Griechenland, Zou Xiaoli, versichert, schreibt die Internetseite des Pekinger Außenministeriums.

+++ 09.45 Uhr: Forscher schlagen OECD als Schlichter vor +++

Das gewerkschaftsnahe IMK-Institut schlägt zur Lösung des festgefahrenen Schuldenstreits einen Schlichter vor. Geeignet dafür seien etwa OECD-Generalsekretär Angel Gurria oder die Spitze der Internationalen Arbeitsorganisation ILO, sagt IMK-Direktor Gustav Horn.

+++ 9.20 Uhr: Dax gibt weiter nach +++

Die drohende Griechenlandpleite setzt den Dax weiter unter Druck. In den ersten Minuten geht es für den deutschen Leitindex um 0,24 Prozent auf 11.057 Punkte abwärts. Tags zuvor war er nach der überraschenden Eskalation der Krise zeitweise bereits auf 10.964 Punkte eingebrochen, bevor er seine Verluste von rund 4,5 auf gut 3,5 Prozent eindämmen konnte.

+++ 8.59 Uhr: Söder befürwortet "geordneten Grexit" +++

Der bayerische Finanzminister Markus Söder (CSU) macht sich weiter für ein Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone stark. "Ich glaube, dass am Ende ein sauber vorbereiteter und vernünftig organisierter Grexit der bessere Weg wäre", sagt er im Deutschlandfunk. Söder kritisiert zudem das Verhalten des griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras. "Er überlegt zurückzutreten, er sagt seinem Volk, sie sollen unbedingt dagegen stimmen und glaubt, dass es nach einem Nein bessere Verhandlungsoptionen sind. Das Ganze ist so tief unseriös, dass man sagen kann, hier spielt einer mit Europa, aber vor allem mit seinem eigenen Volk."

 +++ 8.54 Uhr: Deutsche Banken auf Zahlungsausfall vorbereitet +++

Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) erwartet keine größeren Auswirkungen auf die Finanzmärkte, falls Griechenland seine Kreditschulden in Höhe von 1,5 Milliarden Euro beim Internationalen Währungsfonds (IWF) nicht zahlt. Er gehe davon aus, dass Griechenland diesen Betrag nicht zahlen könne, sagt der Hauptgeschäftsführer des  Bankenverbandes, Michael Kemmer, im Interview mit der "Passauer Neuen Presse". Für die Sparer in Deutschland bestehe kein Grund zur Sorge, die Spareinlagen seien sicher, so Kemmer. Auch die Risiken für die deutschen Banken seien überschaubar, weil sie in Griechenland "nur noch sehr mäßig engagiert" seien. 

+++ 8.30 Uhr: Griechenland öffnet Mittwoch Banken für Rentner +++

Griechenland will ab Mittwoch vorübergehend 1000 Bankfilialen für Rentner öffnen. Pensionären ohne EC- oder Geldkarte solle so ermöglicht werden, an ihre Bezüge zu kommen, teilt das Finanzministerium in Athen mit. Die Filialen sollen zu diesem Zweck bis Freitag geöffnet bleiben. Ein Großteil der Renten in Griechenland werden in bar ausgezahlt.

+++ 8.17 Uhr: Eurokurs sinkt unter 1,12 US-Dollar +++

 Die Entwicklung in Griechenland belastet den Eurokurs nicht nachhaltig: Im frühen Handel hat die Währung zwar einen Teil seiner Vortagesgewinne wieder abgegeben und ist unter die Marke

von 1,12 US-Dollar gefallen, doch der Kurs liegt dennoch etwas über dem Niveau vom Freitagabend.

+++ 8 Uhr: "Grexit ist kein Drama für den Rest Europas" +++

Der französische Finanzminister Michel Sapin stellt Griechenland bei einem "Ja" im Referendum weitere Verhandlungen mit den Gläubigern in Aussicht. Zugleich betont Sapin, bei einem "Nein" komme man in unbekanntes Territorium. Sapin ergänzt, ein Grexit sei "kein Drama für den Rest Europas".

+++ 5.50 Uhr: "Griechenlands Mitgliedschaft ist nicht verhandelbar" +++

Der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis droht im Falle eines Ausschlusses aus dem Euro mit einem juristischen Vorgehen seines Landes gegen EU-Institutionen. "Die EU-Verträge haben keine Regelung für einen Ausstieg aus dem Euro, und wir weigern uns, diesen zu akzeptieren", sagt Varoufakis der britischen Zeitung "Daily Telegraph". Griechenlands Mitgliedschaft sei nicht verhandelbar. Die Regierung in Athen lasse sich derzeit beraten und ziehe nötigenfalls eine gerichtliche Verfügung des Europäischen Gerichtshofs gegen EU-Institutionen in Erwägung. Die Regierung werde von all ihren Rechten Gebrauch machen, betont Varoufakis.

+++ 6.05 Uhr: IWF hat keine Sanktionsmöglichkeiten +++

Sollte Griechenland seine IWF-Schulden nicht begleichen, stehen dem Internationalen Währungsfonds keine Sanktionsmöglichkeiten zur Verfügung. Ist der Zahlungsrückstand offiziell festgestellt, bedeutet dies zunächst "lediglich", dass der IWF der Regierung in Athen keine weitere Kredite mehr gewähren darf. Unklar ist, wie die internationalen Ratingagenturen darauf regieren werden.   

+++ 5.00 Uhr: Tsipras will bei Referendum-Niederlage zurücktreten +++

Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras erhöht vor dem Referendum über die umstrittenen Spar- und Reformauflagen der Geldgeber den Einsatz. In einem TV-Interview verknüpft er seine politische Zukunft mit dem Ergebnis der Volksbefragung. Die linksgerichtete Regierung in Athen, die sich klar gegen die Forderungen der Gläubiger gestellt hat, werde zwar ein "Ja" der Wähler respektieren. "Wir werden aber nicht diejenigen sein, die sie ausführen", erklärt Tsipras. "Wenn das griechische Volk einen gedemütigten Ministerpräsidenten will, gibt es da draußen einige. Aber ich werde es nicht sein."

+++ 3.07 Uhr: Grüne fordern neue Verhandlungen +++

Wenige Stunden vor Ablauf des Hilfsprogramms für Griechenland fordern die Grünen die Euroländer und die Athener Regierung zu neuen Verhandlungen auf. Die Geldgeber und die griechische Regierung hätten am Ende nur noch um 400 Millionen Euro auseinandergelegen, sagt Fraktionschef Anton Hofreiter der Nachrichtenagentur DPA. "Es kann nicht sein, dass deswegen die Gefahr eines Euroaustritts Griechenlands wächst." Am Ende würden die Bundesregierung, die Staats- und Regierungschefs der EU sowie die griechische Regierung an dieser historischen Herausforderung gemessen.

 +++ 2.40 Uhr: Standard & Poor's stuft Griechenland weiter herab +++

Nach der Ankündigung des griechischen Referendums über das Angebot der internationalen Gläubiger stuft die Ratingagentur Standard & Poor's die Kreditwürdigkeit des Eurolandes weiter herab. Die Agentur senkte die Bonität des Landes von CCC auf CCC-, was einer Stufe vor dem kompletten Zahlungsausfall entspricht.

Die Wahrscheinlichkeit eines Grexit beziffert S&P nun mit 50 Prozent. Zur Begründung heißt es, die geplante Volksabstimmung sei ein weiterer Hinweis, dass die Athener Regierung "der Innenpolitik Priorität vor der finanziellen und wirtschaftlichen Stabilität Griechenlands sowie vor der Begleichung seiner Schulden bei kommerziellen Gläubigern und der Mitgliedschaft in der Eurozone geben" werde. Es sei wahrscheinlich, dass Griechenland seine am Dienstag fälligen Ratenzahlungen nicht begleichen werde.

mad/ivi/nik / DPA / AFP / Reuters