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Großbritannien: Boni-Steuer schockt Banker

Großbritannien besteuert die Boni der Banker einmalig mit 50 Prozent. Die einst umgarnten City-Boys sind schockiert. Damit hatten sie nicht gerechnet - die Bonusregeln waren bislang sehr lasch ausgefallen.

Von Titus Kroder

"Buch schon mal den Flug nach Genf - danke, es war schön hier, gute Nacht!", empfiehlt ein anonymer Wertpapierhändler, nur Minuten nachdem Finanzminister Alistair Darling seine Sondersteuer von 50 Prozent auf Boni verkündet hatte, auf einer Kommentarplattform für City-Händler. Die zahlreichen Tippfehler des Blog-Eintrags lassen nur auf eines schließen: Entsetzen, Wut, Empörung. "Was soll eine GS, Deutsche, BoA, BNP hier noch machen?", rattert der Schreiber die Insiderkürzel namhafter in der City of London aktiver Bankadressen herunter.

Die Debatte über die Wettbewerbsfähigkeit von Europas wichtigstem Finanzplatz, die Horrorfantasien über den einsetzenden Massenexodus in die steuermilde Schweiz lassen Darlings plakative Strafsteuer wieder am hysterischen Siedepunkt ankommen. Die Pläne betreffen rund 20.000 Londoner Banker. "Diese Art Bankerprügelei kann nur der fehlgeleitete Versuch sein, eine historische Stärke der britischen Wirtschaft zu beschädigen", schimpft Michael McKee, Partner der Großkanzlei DLA Piper. "Eine hässliche, hinterhältige und schändliche Steuer", urteilt David Buik vom Brokerhaus BGC Partners. "Sie behaupten zwar, es sei eine einmalige Aktion. Aber wer weiß das schon?"

Die britische Investmentelite, jahrelang von der Regierung umworben, fühlt sich hinters Licht geführt, betrogen. Zwei Wochen zuvor sahen sich die Topverdiener im Finanzbezirk der Hauptstadt noch glimpflich davongekommen. Das Aufatmen war hörbar, nachdem die Regierung ihre neuen Grundsätze zur Behandlung von Boni vorgestellt hatte. Die auf dem "Walker-Bericht" basierenden Regeln waren in der Tendenz zahm bis zahnlos - auch wenn die Regierung sie damals schon als "die strengsten Regeln, die ein Land bisher erlassen hat" bezeichnete.

"Die wollen nur Spielen"

Banken sollen lediglich anonym veröffentlichen, wie viele ihrer Topleute mehr als eine Millionen Pfund Jahressalär nach Hause tragen. Es folgen laue Empfehlungen der Art, dass die Gehälter künftig "ausgewogen" auszugestalten seien und die begehrten Boni, die in angelsächsischen Ländern oft ein Vielfaches des Grundgehalts ausmachen, zur Hälfte an langfristige Ziele geknüpft werden sollen. Keine Gehaltsdeckelung, keine Namen, kein Pranger.

"Alles roger, die wollen nur spielen", werden so manche in den Handelssälen und den Bürotürmen im Bankenviertel Canary Wharf und rund um die Bank of England gedacht haben. Dass Finanzminister Darling plötzlich die politische Karte im britischen Vorwahlkampf spielen würde, dass sich Labour vom langjährigen Thatcher-Imitator über Nacht zum Jäger der Vermögen der Großkopferten aufschwingen würde - das hatten nur wenige auf der Rechnung.

Doch zu groß ist noch immer die Empörung der Wähler über Bankerexzesse. "Die größte Last für die breitesten Schultern", fasst Darling die Maßnahme zusammen. Die Steuer für Betreiber echter Kasinos senkte der Finanzminister am Mittwoch übrigens um zwei Prozentpunkte.

FTD