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UN-Konferenz Habitat 3: Wie man Armen weltweit ein besseres Zuhause ermöglichen kann

Wie bietet man den Armen der Welt ein sicheres Zuhause? Darüber debattierten die Regierungen der Welt auf der "Habitat 3"-Konferenz in Ecuador. Auf den Philippinen zeigen zwei Projekte mögliche Lösungen.

Hofft, bald in ein echtes Haus umziehen zu können: Shiela Marie Dado, 24, mit ihren Kindern

Hofft, bald in ein echtes Haus umziehen zu können: Shiela Marie Dado, 24, mit ihren Kindern

Neun Quadratmeter groß. Aus Brettern und Wellblech zusammengenagelt. Der Boden alles andere als eben. Das Holz ist verzogen, seit ein Hochwasser des Estero de San Miguel mitten in Manila die Hütte von Shiela Marie Dado, 24, und ihrer Familie überflutet hat. Nun fließt das Wasser ruhig an der Hütte der Dados vorbei. Die Wasseroberfläche sieht aus, als würde es regnen. Doch es sind Larven, die trotz des ganzen Mülls im Wasser überleben und dieses kleine Naturschauspiel veranstalten. Dado kann es problemlos aus ihrem Fenster aus betrachten, denn ihre Hütte steht über dem kleinen Fluss. Steigt der Wasserpegel um einen halben Meter, steht das Heim der Dados unter Wasser. Ein sicheres Zuhause für das philippinische Ehepaar mit seinen vier kleinen Kinder sieht anders aus.

UN berät über Häuser für die Armen

In Quito beraten Vertreter von Regierungen und Nicht-Regierungsorganisationen auf der "Habitat 3"-Konferenz der Vereinten Nationen derzeit, wie Armen in aller Welt ein sicheres Dach über dem Kopf gegeben werden kann. Sie stimmen über die "New Urban Agenda" ab. Der Entwurf dieses Aktionsplans sieht vor, allen Menschen ein bezahlbares und sicheres Wohnen in der Stadt zu ermöglichen. Denn bis zum Jahr 2050 wird sich die Weltbevölkerung beinahe verdoppelt haben und Experten erwarten, dass es Menschen in aller Welt weiterhin in die Städte zieht.

Hofft, bald in ein echtes Haus umziehen zu können: Shiela Marie Dado, 24, mit ihren Kindern

Shiela Marie Dado hält ihren einjährigen Sohn Dado auf dem Arm und steht in der Tür ihres Heims. Die anderen drei Kinder wuseln um ihre Beine. "Ich lebe seit neun Jahren hier", sagt sie. Ihr Mann Noly ist 27 und arbeitet als Maschinenführer. Sie hat mit der Kinderbetreuung zu viel zu tun, um auch Geld zu verdienen. Das Gehalt ihres Mannes reicht mehr schlecht als recht. Trotzdem sei das Leben hier okay, sagt sie. "Ich mag es hier." Doch sie freut sich schon auf ihr besseres Leben. Denn nur einige Meter weiter entsteht die Zukunft für die Dados und die anderen Familien des Viertels: Häuser aus Beton und mit dichtem Dach. Mit Strom und fließend Wasser. Vor allem aber liegen die neuen Häuser höher und sind somit viel besser vor Hochwasser geschützt.

Arme Siedler entwickeln Wohnhaus selbst

Diesen Haustyp haben die Siedler am Estero de San Miguel selbst entwickelt. Anfang 2018 sollen alle Familien aus ihren Hütten ausgezogen sein

Diesen Haustyp haben die Siedler am Estero de San Miguel selbst entwickelt. Anfang 2018 sollen alle Familien aus ihren Hütten ausgezogen sein

Mit Unterstützung des katholischen Hilfswerks Misereor haben die Siedler sich selbst organisiert und den Plan für die neuen Häuser zusammen mit einem großen Architekturbüro selbst entwickelt. 18 Quadratmeter hat jede Wohnung. Sieben Wohnungen und ein Ladengeschäft stecken in jedem Haus. Die Familien haben mehr Platz, brauchen aber weniger Land als mit ihren kleinen, einstöckigen Hütten. So konnten die Siedler auch die Stadtverwaltung von Manila überzeugen, dass sie künftig legal dort wohnen dürfen, wo sie bislang illegal gesiedelt hatten: mitten in der Stadt. Oft genug werden illegale Siedler auf den Philippinen an den Stadtrand vertrieben, von wo aus der Weg zur Arbeit viel teurer ist.

Im Juni konnten die ersten 21 Familien in die drei Neubauten umziehen. Ab November sollen die nächsten Gebäude am Fluss entstehen. Anfang 2018 sollen die restlichen 170 Familien umziehen können. "Ich habe die neuen Häuser schon gesehen", sagt Shiela Marie Dado. Sie erhofft sich nicht nur mehr Komfort. "Die Häuser sind stabil und das Dach ist dicht", sagt sie. Vor allem hofft sie, dass ihre Kinder dann gesünder leben. "Jetzt haben sie oft Husten und sind erkältet", so Dado. 500 Pesos - umgerechnet rund zehn Euro - zahlen die Familien pro Monat für ihr neues Zuhause, 25 Jahre lang. Doch die Baukosten deckt das nicht.

Häuser werden schnell abgerissen

Woanders in Manila haben die Siedler vielleicht die Lösung gefunden, wie man Armen ein sicheres und bezahlbares Dach über dem Kopf gibt. Eingeklemmt zwischen dem "Mangghan Floodway" und einer Straße stehen ärmliche Hütten, kaum einen Meter höher als der Wasserspiegel des Kanals. An eine Palme haben die Siedler einen Basketballkorb geschraubt. Hähne krähen um die Wette. Sie sind mit einem Bein an ihren Unterstand angebunden, der sie vor den heftigen Regenschauern und der brennenden Sonne in Manila schützt. Kinder toben über den kleinen Platz. Gleich daneben liegt ein Berg aus Schutt, es war einmal ein Haus. Damit niemand neues einzieht, werden die verlassenen Häuser hier schnell abgerissen.

Diese Siedlung am Manggahan Floodway in Manila soll bald abgerissen werden. Die Bewohner ziehen in Wohnblöcke um, die auf der anderen Straßenseite liegen und Schutz vor Hochwasser bieten

Diese Siedlung am Manggahan Floodway in Manila soll bald abgerissen werden. Die Bewohner ziehen in Wohnblöcke um, die auf der anderen Straßenseite liegen und Schutz vor Hochwasser bieten

Auf der anderen Seite der Straße liegt eine andere Welt. Drei Wohnblöcke stehen schon da, vier weitere sind im Bau. Ein breiter Flur zieht sich durch jedes Stockwerk, nur von den Enden her scheint Licht hinein. In ihrem Stockwerk passt Valerie Matalobos auf, dass sich jeder an die Hausordnung hält. Die 41-Jährige ist so klein und schlank, dass sie auch als Jugendliche durchgehen könnte. Die Frau im roten T-Shirt sorgt dafür, dass im Flur alles sauber bleibt und dass keine Familie auf Dauer Verwandte in ihr neues Heim mit aufnimmt. Wachleute am Hauseingang achten darauf, dass keine Fremden den Hausfrieden stören. Die Drogenprobleme des Landes, die Präsident Rodrigo Duterte gerade mit Todesschwadronen in den Griff zu bekommen versucht, sollen hier vor der Tür bleiben.

Kinder spielen vor den Neubauten am Manggahan Floodway. 120 Familien leben schon hier, doch der Großteil der Siedler wartet noch auf eine neue Wohnung

Kinder spielen vor den Neubauten am Manggahan Floodway. 120 Familien leben schon hier, doch der Großteil der Siedler wartet noch auf eine neue Wohnung

1000 Pesos (etwa 20 Euro) im Monat kostet der Traum von einer sicheren Zukunft die Bewohner in den ersten fünf Jahren. Alle fünf Jahre steigern sich die fälligen Raten um weitere 1000 Pesos. Seit 2009 kämpfen die Familien darum, dass sich ihr Traum von einem besseren Leben erfüllt. Doch die Bauarbeiten an den Rohbauten stocken seit Wochen. Die neue Verwaltung von Präsident Duterte überprüft momentan alle Bauprojekte.

Vielleicht helfen ja die Beschlüsse der "Habitat 3"-Konferenz, dass Arme auf den Philippinen und im Rest der Welt schnell ein menschenwürdiges Zuhause bekommen. Nicht nur Familie Dado wäre es zu wünschen.

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