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Ex-Präsident im stern-Interview: Karzai fordert: "Schickt unsere Jugend nicht zurück nach Afghanistan"

Wegen der "schlimmen" Sicherheitslage fordert Hamid Karzai einen Abschiebestopp nach Afghanistan:  "Schickt sie nicht zurück in die Gefahr", sagt Ex-Präsident des Landes im stern-Gespräch. Kritik übt er auch am Vorgehen der USA.

Hamid Karzai mit Angela Merkel

Hamid Karzai mit Angela Merkel im Berliner Kanzleramt 2012

früherer Präsident Hamid Karzai plädiert gegen die Abschiebung afghanischer Flüchtlinge aus Deutschland. "Fehlende Sicherheit, Hoffnungslosigkeit, deshalb ist unsere Jugend weggerannt nach Europa - schickt sie nicht zurück in die Gefahr", sagte Karzai im neuen stern. Gegenwärtig herrschten in Afghanistan Unsicherheit und Gewalt, "die Sicherheitslage ist schlimm". Karzai warb stattdessen für ein weiteres Engagement der Bundesrepublik in seinem Land. "Arbeitet mit Afghanistan daran, dass es ein friedliches, stabiles Land wird. Dann regelt sich nicht nur die Flüchtlingsfrage."

"Wir sind arm, aber haben Bodenschätze"

Die deutschen Parteien sollten bei ihren Afghanistan-Planungen strategische, wirtschaftliche und politische Gründe bedenken, so Karzai weiter. "Wir sind ein armes Land, aber wichtig durch unsere Lage, wir haben Bodenschätze." Auch als Bündnispartner der USA "sollte Deutschland in Afghanistan eigene Entscheidungen treffen."


Das Vorgehen der Amerikaner während seiner Regierungszeit bis 2014 und die Afghanistan-Strategie von US-Präsident Donald Trump kritisierte . "Staatlichen Wiederaufbau stoppen und töten, töten, töten, löscht Extremismus nicht aus", sagte der 59-jährige dem stern. "Es verletzt unsere Souveränität und bringt nur Zerstörung." Den Abwurf einer neun Tonnen schweren Bombe auf Stellungen angeblicher Terroristen im April hat der Ex-Präsident scharf verurteilt. "Wir akzeptieren niemals, dass ein Bündnispartner unser Territorium für Experimente mit neuen Bomben benutzt."

"Afghanistan braucht einen neuen Vertrag"

Angesichts der Krise in seinem Land sei ein neues Grundsatzabkommen zwischen den und Afghanistan nötig, dem das afghanische Volk zustimmen solle. "Wir brauchen einen neuen Vertrag mit den Amerikanern, abgestimmt mit den Mächten in der Region. Dann soll die traditionelle Loja Dschirga (eine große Nationalversammlung, d.Red.) darüber entscheiden." Karzai plädierte für Verhandlungen mit den Taliban, die weite Teile des Landes kontrollieren. "Es gibt keine Alternative zum Frieden mit ihnen. Sie sind Afghanen, wir müssen mit ihnen klarkommen."