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Madres de Plaza de Mayo Hebe de Bonafini: Bekannte Menschenrechtsaktivistin verstorben

Hebe de Bonafini bei einer Veranstaltung
Im Alter von 93 verstarb die Menschenrechtsaktivistin Hebe de Bonafini. Die Vize-Präsidentin von Argentinien, Cristina Fernández de Kirchner, würdigte die Verstorbene als "weltweites Symbol für den Kampf für die Menschenrechte".
© ZUMA Press / Imago Images
Durch die Militärdiktatur in Argentinien wurde aus Hebe de Bonafini eine bekannte Menschenrechtsaktivistin. Sie gründete die Organisation Madres de Plaza de Mayo. Am Sonntag ist sie im Alter von 93 Jahren verstorben.

Hebe de Bonafini wollte eigentlich immer nur Hausfrau und Mutter sein, doch die Verbrechen der argentinischen Militärdiktatur machten sie zu einer der bekanntesten Menschenrechtsaktivistinnen der Welt. Nachdem ihre beiden Söhne und ihre Schwiegertochter von den Militärs verschleppt worden waren, gründete sie 1977 mit anderen Frauen die Organisation Madres de Plaza de Mayo (Mütter des Platzes der Mairevolution).

Jeden Donnerstag demonstrierten sie mit weißen Kopftüchern auf dem Platz vor dem Regierungspalast im Zentrum von Buenos Aires und forderten Aufklärung über das Schicksal ihrer Kinder. Nun ist Bonafini im Alter von 93 Jahren gestorben. Sie verstarb am Sonntag in einem Krankenhaus in La Plata in der Provinz Buenos Aires, wie Vize-Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner auf Twitter mitteilte. Sie würdigte die Aktivistin als "weltweites Symbol für den Kampf für die Menschenrechte".

Staatstrauer nach dem Tod von Hebe de Bonafini

Die Regierung ordnete drei Tage Staatstrauer an. "Wir schätzen sie als internationales Symbol für Erinnerung, Wahrheit und Gerechtigkeit für die 30.000 Verschwundenen. Als Gründerin der Mütter der Plaza de Mayo hat sie in der Dunkelheit der Militärdiktatur Licht gespendet und vor 40 Jahren den Weg für die Rückkehr zur Demokratie geebnet", hieß es in einer Mitteilung von Präsident Alberto Fernández.

Bonafini stammte aus einfachen Verhältnissen und interessierte sich eigenen Angaben nach nie für Politik. Ihre Söhne hingegen schlossen sich in den 1970er Jahren der Studentenbewegung an und gerieten nach dem Putsch ins Visier der neuen Machthaber. Bonafinis ältester Sohn wurde auf einer Polizeiwache gefoltert und ermordet. Ihr jüngerer Sohn verhungerte und verdurstete im Geheimgefängnis "La Cacha". Ihre Schwiegertochter wurde erschossen. Bonafini sagte mehrfach, dass sie den Tätern niemals verzeihen werde.

Menschenrechtsaktivistin wegen umstrittener Aussagen in

Während der Militärdiktatur (1976-1983) verschwanden nach Schätzungen von Menschenrechtsorganisationen bis zu 30.000 Regierungsgegner, linke Aktivisten, Gewerkschafter und Studenten. Viele politische Häftlinge wurde bei den sogenannten Todesflügen von Marineflugzeugen aus, lebend in den Rio de la Plata geworfen. Andere wurden getötet und ohne Kennzeichnung auf normalen Friedhöfen bestattet oder auf den Geländen von Polizei- und Militärkasernen verscharrt. In vielen Fällen ist das Schicksal der Diktaturopfer noch immer unklar. Aktivisten gehen zudem davon aus, dass rund 500 Kleinkinder ihren Eltern weggenommen und unter falscher Identität an Zieheltern übergeben wurden.

Nach dem Ende der Militärdiktatur setzten sich die Madres de Plaza de Mayo zunächst vor allem für die strafrechtliche Aufarbeitung der verübten Verbrechen und das Gedenken an die Opfer ein. Später bezogen sie auch zu anderen gesellschaftspolitischen Themen Stellung. Das führte zur Abspaltung der Línea Fundadora (Gründerinnen-Linie), die diese politische Positionierung ablehnt und sich als reine Menschenrechtsgruppe versteht.

Wegen ihres autoritären Führungsstils und umstrittener Aussagen geriet Bonafini auch immer wieder in Kritik. So rechtfertigte sie die Terroranschläge auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001, unterstützte die Diktatur auf Kuba und galt als Sympathisantin der linken kolumbianischen Guerillaorganisation FARC.

lhi DPA

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