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Kommentar

US-Wahlkampf: "Love trumps Hate" - das bessere Amerika

"Old America" ist der Gegenentwurf zu Donald Trump. Vor allem die Frauen, nicht zuletzt Hillary Clinton, verteidigen es - nicht nur auf dem Parteikonvent der US-Demokraten. Das ist gut so, findet unser Kommentator.

Barack Obama und Hillary Clinton Arm in Arm beim Parteiconvent der US-Demokraten

"Love will win": Barack Obama und Hillary Clinton propagieren auf dem Parteiconvent der US-Demokraten den Gegenentwurf zum Donald Trumps Abschottung.

Kann es sein, dass man sich an Bösartigkeiten gewöhnt? Dass man verlernt, sich über Ungeheuerlichkeiten zu empören? Dass man sprachlos wird, wenn dauernd Hass gesät wird?

Über ein Jahr lang verpasste Donald Trump den Amerikaner eine Desensi-bilisierungskur. In einer Endlos-schleife feuert er Attacken gegen Latinos, Frauen, Schwarze, Muslime... Dauernd zielte er auf die gleiche Stelle, auf das Herz – dort wo die Menschlichkeit sitzt. So, dass sie abstumpft und am Ende taub wird.

Trumps Amerika ist fies und gemein

Trumps Amerika ist voller Hass, Wut und Angst. Alles Fremde darin ist gefährlich. Muslime sind bedrohlich. Latinos sowieso. Besser man besorgt sich eine Waffe und schießt als Erster. Besser man wird roh und kalt. So wie er, Donald J. Trump. Der Mann, der von sich selbst sagt: "Ich könnte in New York auf der Fifth Avenue jemanden erschießen und die Leute würden mich trotzdem noch wählen." Der Mann, der die Russen dazu auffordert, seine politische Konkurrenz auszuspionieren.

Sein Trump-Amerika ist fies und gemein. Ein abweisendes Land, das sich abschottet und mit Mauern umgibt.

Parteikonvent ohne Häme und Hass

Doch da ist noch ein anderes Amerika. Es ist das Amerika von Hillary Clinton, Bernie Sanders und Barack Obama. Darin ist auch nicht alles hell und heil, aber es ist das Amerika mit Vernunft und: Herz.

Seit vier Tagen erlebe ich einen Parteikonvent der Demokraten in Philadelphia, auf dem es keine Häme und keinen Hass gibt. Hier reden sie über die Zukunft ihrer Nation. Über eine Krankenversicherung für alle, über Mindestlöhne von denen man leben kann, über grüne Energie, kostenlose Unis, schärfere Waffengesetze, gleiche Rechte für Lesben und Schwule, mehr Sozialstaat, weniger Armut, größere Gerechtigkeit. Bill Clinton sprach gar über die Liebe in guten wie in schlechten Zeiten. Und Michelle Obama prägte den großartigen Satz. "When they go low, we go high." ("Je tiefer die anderen sinken, desto mehr Größe zeigen wir.")


USA! USA! vs. America! Amercia!

Bei Trumps Reden skandieren seine Anhänger laut und wütend: "USA, USA, USA..." 

Bei den Demokraten rufen sie "America, America...!"

Es sind fröhliche Rufe. Rufe mit denen man sein Team anfeuert. Rufe mit denen man Mut macht. Rufe, die den anderen auffordern: "Komm’, mach’ bei uns mit."

Hillary Clinton hält "Old America" hoch

So klingt "Old America", das Land von dem so viele träumen, weil es Freiheit, Chancen und ein gutes Leben verspricht. 

Es sind vor allem die Frauen, die diese Stimmung in die riesige Arena in Philadelphia tragen. Zum Beispiel Madeleine Albright, Sigourney Weaver, Michelle Obama, Meryl Streep, Lena Dunham, Alica Keys, Eva Longoria, Chelsea Clinton, Gabby Giffords, Jill Biden oder Elizabeth Warren. Und Hillary Clinton. Sie trat kurz vor Mitternacht überraschend auf die Bühne. Zuvor hatte Obama seiner Nation Mut gemacht. Obama und Hillary umarmten sich lange.

Nach "Love will win" sehnen sich viele

Sie und all' die anderen Frauen - Politikerinnen, Aktivistinnen und Künstlerinnen - haben eine gemeinsame Botschaft: "Wenn wir zusammen stehen und zusammen halten, sind wir stärker." Als die "Stars of Broadway" das Lied "Love will win" (Liebe gewinnt) sangen, summte die Halle mit. Das mag man kitschig finden. Aber danach sehen sich viele in Amerika. Ein Gänsehautmoment. Ein gesungener Protest gegen Trump.

Es sind vor allem die Frauen, die Trump nicht wählen wollen. Bei den unter 30 Jährigen sind es fast 80 Prozent. In keiner Altersgruppe bekäme Trump eine Mehrheit.

Parteitagsauftritt von Michelle Obama : Über diese Rede spricht ganz Amerika


Trump "einfach laut auslachen"

Der typische Trump Wähler ist männlich, weiß über 45 und frustriert. Er braucht einen, der es der Welt in seinem Namen heimzahlt. Weil er keinen Job mehr hat, weil ihm die Krise 2008 seine Ersparnisse raubte. Weil er starke Frauen wie Hillary Clinton fürchtet.

Sie wird in der kommendene Nacht ihre Antrittsrede halten. Ihre Partei schart sich mehr und mehr um sie. Dank Obama und Bernie Sanders, der in letzter Minute zum guten Verlierer wurde. Übrigens: Elizabeth Warren, die streitbare Senatorin aus Massachusetts, die von Trump als Indianermädchen "Pocahontas" verunglimpft wird, kennt ein Mittel das gegen den Demagogen aus New York wirkt. Sie sagt: "Man muss den Mann einfach laut auslachen." 

Ein Slogan auf dem Konvent lautet: "Love trumps Hate" – Liebe besiegt Hass.