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Analyse

US-Vorwahlen: Hillary Clinton - sie gewinnt, aber sie hat ein Problem

Die Nominierung zur Präsidentschaftskandidatin ist Hillary Clinton sicher. Und doch hat ihr Sieg bei den Vorwahlen einen Makel: Rivale Bernie Sanders gibt nicht auf - und schmälert mit jedem seiner Siege ihren Gewinnerglanz.

Hillary Clinton

Wird endlich Präsidentschaftskandidatin, aber Hillary Clintons Sieg bei den Vorwahlen ist getrübt

So wie Donald Trump bei den Republikanern vor wenigen Monaten noch als chancenloser weil unwählbarer Anwärter auf die Präsidentschaftskandidatur galt, waren sich die Demokraten sicher, dass an Hillary Clinton kein Weg vorbeiführen würde. Wer sollte der alten Washington-Haudegin im Rennen ums Weiße Haus schon das Wasser reichen? Kurz vor Ende der US-Vorwahlen aber müssen beide Parteiführungen erkennen, dass sie falsch gelegen haben. Trump eilt bei der konservativen Basis von Triumph zu Triumph und Clinton ärgert sich weiterhin mit ihrem Rivalen Bernie Sanders herum. Er will, obwohl rechnerisch chancenlos, einfach nicht klein beigeben.

Schwächeperiode wie 2008

 Schlimmer noch: Hillary Clinton, Ex-First-Lady, Ex-Senatorin und Ex-Außenministerin erlebt zurzeit eine Schlappe nach der anderen. Zehn der letzten 17 Vorwahlen hat sie gegen Sanders, den alten, linken Recken verloren. Es ist das Gegenteil von dem, was Amerikaner Momentum nennen: den Schwung eines guten Laufs mitnehmen. Dieses Momentum geht ihr auf den letzten Metern des Nominierungsrennens aus und weckt Erinnerungen an die Vorwahlen von 2008. Damals galt sie schon einmal als "natürliche" Kandidatin, bis ihr nach 21 Siegen noch ein gewisser Barack Obama die Nominierung entriss.

Was hat Sanders, was Hillary Clinton nicht hat?

Wohl kaum jemand hätte zu Beginn der Vorwahlen im Februar gedacht, dass mit Bernie Sanders, 74, ausgerechnet ein selbsternannter "demokratischer Sozialist" der erfahrenden Clinton derart das Leben schwer machen würde. Allein schon seine Selbstbezeichnung hätte vor Kurzem noch den Großteil der Amerikaner abgeschreckt. Und doch: Sanders kommt an. Vor allem junge Menschen fasziniert der alte Mann mit seinen Forderungen nach sozialem Ausgleich. In Deutschland wäre er vermutlich Grüner geworden, oder linker Sozialdemokrat.

Genau wie Donald Trump erreicht Bernie Sanders die Enttäuschten und Ernüchterten, die vom Wirtschaftsaufschwung nicht profitieren, deren Zukunft schon verbaut erscheint, bevor sie überhaupt begonnen hat und die die politische Kaste in Washington geringschätzen. Damit positioniert er sich als Opposition zu Hillary Clinton, die wie kaum sonst jemand für das Polit-Establishment steht und deren Wahlkampf aus einem einzigen "Weiter so!" besteht. Nur leider ist es genau diese Art von Botschaft, die demokratisch gesinnte US-Bürger eben nicht (mehr) hören wollen. Zumal es um die Glaubwürdigkeit Clintons ohnehin nicht zum Besten steht.

 Natürlich: Gefährlich werden kann ihr Sanders nicht mehr. Clinton braucht gerade einmal noch 160 Delegierte, um beim Parteitag im Juli die notwendige Mehrheit für die Nominierung zu bekommen. Das sollte ihr in den noch ausstehenden elf Vorwahlen locker gelingen. Und doch wird ihre Kandidatur überschattet sein von dem Makel, nur halb unangefochten die Nummer eins der Partei zu sein. Insgesamt hat sie bislang "nur" 26 von 46 Vorwahlen gewonnen. Ihr republikanische Widersacher Donald Trump 29 von 44, und das mit deutlich mehr innerparteilicher Konkurrenz sowie noch sieben ausstehenden Abstimmungen ohne Gegenkandidaten. Der Glanz des strahlenden Siegers, ein nicht zu verachtender Faktor im US-Wahlkampf, jedenfalls geht derzeit von Donald Trump aus - nicht von Hillary Clinton.