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Gattin von Donald Trump: Schön, ruhig und rätselhaft - wer ist Melania Trump?

Melania Trump war Model, ihr Mann Donald preist vor allem ihre körperlichen Vorzüge - und sonst? Wer ist die Frau an der Seite des Präsidentschaftskandidaten, die die nächste First Lady der USA werden könnte?

Von Niels Kruse

Melania Trump Donald Trump

Am Rande des Wahlkampfs: Melania Trump bei einer Rede ihres Mannes Donald

Gold. Das ganze Leben der Trumps ist ein einziger Regenbogen aus Gold. Das obligatorische Logo auf den Trump-Towern: Gold. Die dominierende Farbe ihres New Yorker Superapartments: Gold. Der Schmuck aus der Kollektion der Gattin: Gold. Schon klar: Weniger als das edelste aller Edelmetalle wäre eines Trumps unwürdig, Hausherr Donald nutzt auch sonst jede Gelegenheit, seinen Erfolg allem und jedem unter die Nase zu reiben - und dazu zählen nicht nur seine Milliarden, Golfplätze und Bürotürme sondern auch seine Frau: Melania, 46, früheres Fotomodell, der man, wenn sie mal spricht, immer noch ihre Herkunft aus Slowenien anhört.

Auch Melania Trump ist eine Einwanderin

Sollte Donald Trump die Präsidentschaftswahl gewinnen, könnte Melania Trump in wenigen Monaten die First Lady der Vereinigten Staaten sein. Er, der mit Anti-Einwanderer-Hetze Millionen von Fans einsammelt, ist verheiratet mit einer Einwanderin. Allein deswegen würde sie neue Maßstäbe im Weißen Haus setzen. Sie wäre die erste Präsidentengattin seit 190 Jahren, die nicht in den USA geboren wurde. Sie wäre sogar die erste Lebensgefährtin eines US-Staatsoberhaupts, die in einem sozialistischen Land aufgewachsen ist. Und mit ihren 1,80 Meter gehört sie zu den größten Hausherrinnen im Weißen Haus (zusammen übrigens mit Michelle Obama und Eleanor Roosevelt, die genauso groß sind, beziehungsweise waren). Unter Superlativen macht es ein Trump nicht. Aber natürlich sagen sie auch herzlich wenig darüber aus, wie diese Frau ihren möglichen neuen Job in Washington auszuüben gedenkt.

 Niemand erwartet von der First Lady, dass sie als eine Art Nebenregentin agiert. Obwohl es das schon gab. Hillary Clinton etwa, Gattin des umtriebigen Präsidenten Bill Clinton und aller Wahrscheinlichkeit nach diesjährige Kandidatenkonkurrentin von Donald Trump, führte sich oft so auf, als sei sie der Oberste Kommandierende. Michelle Obama dagegen rundete den linksliberalen Chic der Obamas geschickt mit Jurastudium, Charme und Gemüsegarten ab. Ob sich Melania Trump in irgendeiner Form ebenfalls derartig mitmischt? Unklar. Ihre Hobbys sind Pilates und Magazine lesen, sagte sie in einem Interview einmal. Und sonst? Sie hat eine Schmuck- und eine Körperpflegelinie und sie engagiert sich in diversen Wohltätigkeitsorganisationen. Was Milliardärsfrauen eben so machen. 

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Sie macht das Gegenteil dessen, was er fordert

Dabei ist ihr Leben ungefähr das Gegenteil von Trumps nativistischem Wahlkampfkurs. Nämlich: Amerikaner sind gut, Ausländer nicht. Der Heimatort ist am besten, und wer brav dort bleibt und hart arbeitet, vor allem Frauen, den belohnt das Schicksal. Melania Trump, gebürtige Knavs, Künstlername Knauss, aber hat nichts von alledem gemacht. Und bewohnt nun mehrere gigantische Häuser, deren Einrichtung an das Innenleben der Geschmacklos-Paläste von Rumäniens Ex-Diktator Nicolae Ceaușescu erinnert. Muss man nicht mögen, doch ist die gnadenlose Zurschaustellung unermesslichen Reichtums eben auch die Zurschaustellung, es geschafft zu haben. In Amerika. In New York. Mehr geht nicht. 

Donald Trump und seine Familie

Diese Trumps: Donald Trump (M.) mit seinem jüngsten Sohn Barron, Melania (M.l.) Sohn Eric, Tochter Ivanka, der älteste Sohn Donald Trump Jr. und Tiffany


Frau Trump wuchs in einem kleinen Ort namens Sevnica auf. Auf Deutsch hieß der früher Lichtenwald. Ihre Mutter, so behauptet sie, arbeitete als Designerin ihr Leben lang in der Modeindustrie, was nicht falsch, nur etwas forsch formuliert ist. Tatsächlich war sie Schnittmacherin in einer staatlichen Textilfabrik. Mit 17 wurde Melanie als Model entdeckt, ging später nach New York. Es folgten Cover von "Vogue", "Harper's Bazaar", "Vanity Fair", "Elle" und so weiter. Die Welt hat sie auch ohne Kleidung kennengelernt. Einmal ließ sie sich von Starfotografin Annie Leibovitz nackt und schwanger mit ihrem ersten und bislang einzigen Kind, Barron ablichten. Da lehnte sie lasziv an der Treppe der Privat-Boeing ihres Freundes. Irgendwann hatte sie auch ein Architektur-Studium begonnen, aber schnell wieder abgebrochen. Model zu werden, dass sei schon als Kind ihr Traum gewesen, sagte ein früherer Schulfreund.

Ruhiges Leben an der Fifth Avenue

Während sich Donald Trump als offenes Buch gibt, ist seine Melanie eher eine Hochglanzbroschüre, die nur im Showroom einer exklusiven Boutique ausliegt. Geheimnisvoll und rar. Männer spielten vor Gatte Donald offenbar keine Rolle: "Sie ist ein Model mit der Vergangenheit einer Nonne", heißt es im "New Yorker", sie trinkt keinen Alkohol und vor ihrer Ehe lebte sie ein ruhiges Leben am Union Square, nun lebt sie ein ruhiges Leben an der Fifth Avenue, so das Magazin. Als sie Anfang der 2000er in die USA übersiedelte, tat sie das ganz anständig mit Arbeitsvisum und Green Card. "Ich hätte hier nie ohne Papiere leben können", sagt sie. "Man befolgt Regeln, man befolgt Gesetze." So ein Satz aus ihrem Mund klingt schon fast politisch. Zumindest steht er im Einklang mit den Forderungen ihres Mannes, alle Illegalen aus dem Land zu werfen.


Neulich hat sie, die sich weitgehend aus dem Wahlkampf heraushält, bei einem seiner Auftritte eine kurze Rede gehalten. Die war - positiv gesagt - angenehm kurz, neutral betrachtet eine Ansammlung von Platitüden ("Er sagt die Wahrheit. Er ist ein großer Anführer. Er ist fair."). Negativ ausgedrückt: ein peinlicher Vortrag, unwürdig einer kommenden First Lady der USA.

Normalerweise begleitet Ivanka, Tochter aus Trumps erster Ehe mit der Tschechin Ivana, den Wahlkampf des Vaters. Doch weil "The Donald" bei den amerikanischen Frauen so fürchterlich unbeliebt ist, war Melanies Auftritt der Versuch, die Netze nach weiblichen Wählern auszuwerfen. Geschadet jedenfalls hat es ihm nicht, wie so vieles nicht, was anderen Kandidaten den Kopf kosten würde.

 Trumps Äußerungen über Frauen und die Rolle des Vaters klangen bisher zum Beispiel so. "Ich schaffe das Geld ran, aber ich würde jetzt nicht mit den Kindern in den Central Park spazieren gehen." Einer TV-Moderatorin unterstellte er Menstruationsprobleme und seine republikanische Gegenkandidatin Carly Fiorina verunglimpfte er mit den Worten: "Schau Dir das Gesicht an! Wird irgendjemand dafür stimmen?" Selbst seine eigene Tochter ist ihm nicht heilig: Ivanka sei so scharf, dass er sie am liebsten daten würde, wenn er nicht ihr Vater wäre. Auch wenn er über seine aktuelle Ehefrau, die dritte, spricht, dann geht es vor allem um ihre körperlichen Vorzüge. Gut, als früheres Fotomodell hat sie davon auch einige.

Sie widerspricht und unterstützt ihn

Melanias erste Begegnung mit Trump lief so ab: 1998, Party ihres Agenturchefs im New Yorker Kit Kat Club. Er erschien dort mit einer anderen Frau, fragte Melania aber dennoch nach ihrer Nummer. "Das hat mich ziemlich abgetörnt", sagte sie später. Aber nicht all zu lange. Wenige Tage später war sie es, die ihn kontaktierte. Die beiden wurden ein Paar, mit einer kurzen Pause um das Jahr 2000 herum. Damals spielte Trump das erste Mal mit dem Gedanken, sich als US-Präsident zu bewerben. Irgendwie scheinen ihr seine politischen Ambitionen nicht ganz geheuer zu sein. Seit Trump im vergangenen Sommer Ernst machte und begann, sich als Kandidaten zu empfehlen, zog sich Melanie noch mehr aus der Öffentlichkeit zurück. Twitter etwa, Donald Trumps Lieblingsraufplatz, nutzt sie seitdem kaum noch. Erst seit einigen Wochen wagt sich die Gattin an die Öffentlichkeit.

Und natürlich: Sein Wahlkampfgetöse, sei es noch so umstritten, sexistisch oder rassistisch, unterstützt sie bedingungslos. Muslime die Einreise in die USA zu hindern? "Donald möchte eben unser Land beschützen." Mexikaner ausweisen? "Nur die Illegalen." Und überhaupt: Wer ihren Donald kritisiere, der habe ihm halt nicht richtig zugehört." Das alles sagte sie in einem Interview mit dem US-Sender MSNBC. Plötzlich klingt die ruhige Frau Trump doch kämpferisch. Und dann: "Ob ich immer seine Meinung teile? Nein, und das lasse ich ihn auch wissen." Es gibt Menschen, die behaupten sogar, Melania sei die treibende Kraft hinter seinen Präsidentschaftsambitionen, Donald Trump selbst gehört dazu.

24-Karat-Gold-Wände

Würde sie selbst natürlich nie so sagen, selbst wenn es stimmen sollte. In der Öffentlichkeit gibt sie sich mit der Rolle als Vollzeitmutter zufrieden. Die treusorgende Ehefrau, die dem Mann den Rücken freihält - ein Bild, das vielen republikanischen Amerikanern sehr gefallen dürfte. Ehrlich, bodenständig, konservativ. Das Weiße Haus also. Was soll auch sonst noch kommen für die Einwanderin, die in einem Käfig aus 24-Karat-Gold-Wänden lebt und auf das Volk im Central Park herabblickt?