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Hillary Clinton: Diese Frau will Amerika führen

Die Vorstellung ihres Buches ist wie ein inoffizieller Wahlkampfauftakt: Hillary Clinton tourt durch Amerika, in New York empfing man sie wie eine Präsidentin. Im Herbst wird sie aber erst einmal Oma.

Von Norbert Höfler und Martin Knobbe, New York

Es war schon sehr präsidial an diesem Morgen in New York, am Union Square um kurz nach elf: Die Leibwächter des Secret Service, die unauffällig am Rande der Bühne standen, die Hunderten von Menschen, von denen manche die Nacht über vor dem Laden kampiert hatten, die Eskorte aus schwarzen SUVs, die vor dem Buchladen Barnes & Noble vorfuhr und schließlich sie, im grellen Pinkjackett, die einem dieser Autos entstieg und ihren Fans zuwinkte, von denen manche einen Aufkleber trugen: I'm ready for Hillary - ich bin bereit für Hillary.

Hillary Clinton, 66, wurde am vergangenen Dienstag von den New Yorkern empfangen wie das nächste Staatsoberhaupt. Sie wollte nur ihr neues Buch vorstellen, "Entscheidungen", ein Werk von mehr als 656 Seiten in der englischen und fast 900 Seiten in der deutschen Ausgabe, aus dem der stern in seiner aktuellen Printausgabe ausführliche Auszüge druckt. Aber eigentlich ist ihre mehrwöchige Buch-Tour, die sie noch am Nachmittag weiter nach Chicago führte, so etwas wie ein inoffizieller Wahlkampfauftakt. Hillary Clinton, davon gehen die meisten in den USA aus, ist die nächste Präsidentschaftskandidatin der Demokraten. Und so, wie ihre Wahlkampf- und PR-Maschine gerade anläuft, fragt man sich, was dabei noch schief gehen sollte.

Sie selbst hat sich noch nicht entschieden, ob sie antreten will. "Die Zeit für schwere Entscheidungen kommt früh genug", schreibt sie dazu in ihrem Buch. Es wäre jetzt auch zu früh, sich festzulegen: Wer will sich schon einen Wahlkampf von zweieinhalb Jahren antun? Gegen Ende des Jahres, so ließ sie in Interviews verlauten, werde ihre Entscheidung fallen. Zunächst wolle sie sich auf eine andere große Herausforderung vorbereiten: Im Herbst wird sie Großmutter.

Und doch kann man diese Memoiren, von denen vor ihrem Erscheinen mehr als zwei Millionen Exemplare vorbestellt waren, als programmatisches Vorzeichen für den kommenden Wahlkampf sehen. Das Buch ist eben mehr als eine Ansammlung von Anekdoten aus einem spannenden Politikerinnenleben, mehr als der Versuch, die Deutungshoheit über ihre vierjährige Amtszeit als Außenministerin unter Barack Obama zu behalten. "Entscheidungen" liest sich in großen Teilen wie ein Wahlprogramm einer großen Liberalen aus der Mitte - mehr dazu (siehe: Die vier Kernthesen der Hillary Clinton).

Die sich kämpferisch gibt, wenn es um die Rechte von Frauen und Homosexuellen geht, die fortschrittlich ist, wenn sie notwendige Schritte zum Klimaschutz diskutiert, die aber auch knallhart ist, wenn es um den Umgang mit Amerikas Gegnern geht. Sie sei für ein schärferes Vorgehen gegen den Iran und sein Atomprogramm gewesen, schreibt sie in dem Buch, sie hätte auch viel früher die syrischen Aufständischen mit Waffen ausgestattet. Und Russlands Präsidenten Wladimir Putin #link;http://www.stern.de/politik/ausland/hillary-clintons-autobiografie-putin-schnell-beleidigt-obama-zu-weich-2115655.html;nennt sie dünnhäutig und autokratisch. #

Sechs Millionen Dollar schon in der Wahlkampfkasse

Doch auch fernab der öffentlichen Auftritte läuft die Kampagne für die einstige First Lady bereits an, als gäbe es kein Zurück mehr. Mehrere sogenannte Super PACs wurden aufgebaut, große Interessensorganisationen, die offiziell von der möglichen Kandidatin und ihrem Team unabhängig sind, inoffiziell aber nur diesen einen Zweck haben: sie und ihre Politik zu unterstützen. "Ready for Hillary" sammelte bereits rund sechs Millionen Dollar an Spenden ein.

Die Gegner Clintons haben bereits damit begonnen, eine Schlammschlacht anzuzetteln. Er vermute, sagte Karl Rove, einer der Chefstrategen der Republikaner, vor ein paar Wochen in einem Fernsehinterview, Hillary Clinton leide an einem Gehirnschaden. Er spielte auf den Zusammenbruch der damaligen Außenministerin im Dezember 2012 an, der nach ihrer eigenen Angabe ein kleines Blutgerinnsel als Ursache hatte. Sie sei natürlich bereit, im Falle einer Kandidatur ihre Krankenakten offenzulegen, sagte Hillary Clinton dazu in ihrem ersten großen Fernsehinterview zur Buchveröffentlichung und würgte die schmutzige Debatte damit schnell wieder ab. Vorerst zumindest.

Auszüge aus Clintons Buch ...

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Von:

Martin Knobbe und