Irak Dutzende Tote bei Anschlagsserie


Sechs Wochen vor den geplanten Wahlen im Irak geraten die heiligen Städte der Schiiten wieder ins Visier von Terroristen. Bei Anschlägen in Kerbela und Nadschaf wurden zahlreiche Menschen getötet.

Sechs Wochen vor der irakischen Parlamentswahl ist am Sonntag die schiitische Bevölkerungsmehrheit Ziel von Autobombenanschlägen in ihren heiligen Städten Nadschaf und Kerbela geworden. In Bagdad wurden überdies Mitglieder der Wahlkommission angegriffen; drei von ihnen wurden von Handgranatenexplosionen und Maschinengewehrfeuer getötet. Bei dem Anschlag in der Nähe des Imam-Ali-Schreins in Nadschaf wurden nach Krankenhausangaben 30 Menschen getötet und 65 verletzt. In Kerbela riss ein Selbstmordattentäter 13 Menschen mit sich in den Tod, 30 wurden verletzt.

Der Gouverneur von Nadschaf, Adnan al Surudi, sagte, die Explosionen seien bei einer Trauerprozession für einen Stammesführer auf dem Maidan-Platz nahe dem Heiligtum des Imams Ali gezündet worden. Er habe der Zeremonie zusammen mit Polizeichef Ghalib al Dschasaari beigewohnt und er habe gesehen, dass zehn Menschen getötet worden seien. Verletzte seien in Krankenhäuser gebracht worden. Dschasaari sagte, vermutlich seien Surudi und er Ziel des Anschlags gewesen, bei dem drei Sprengsätze gezündet worden seien. Nicht ausgeschlossen wurde, dass der Selbstmordanschlag in Kerbela mit dem Angriff koordiniert war.

Detonation am Busbahnhof

Nach Polizeiangaben detonierte die Autobombe in Kerbela vor dem Eingang zum Busbahnhof. Etwa zehn Kleinbusse wurden zerstört. Der Tatort war mit Blut und Glassplittern übersät, es gab mindestens 30 Verletzte. In der Haifa-Straße im Zentrum von Bagdad eröffneten am Sonntagmorgen rund 30 Extremisten das Feuer auf den Wagen der Wahlhelfer. Nur zwei der fünf Insassen überlebten den Angriff, wie ein Mitglied der Wahlkommission mitteilte.

Unterdessen wurde ein Video verbreitet, in dem Extremisten die Entführung von zehn irakischen Mitarbeiter einer amerikanischen Sicherheitsfirma bekannt gaben. Die Geiseln würden getötet, falls ihr Arbeitgeber sich nicht aus dem Land zurückziehe, drohten die Kidnapper.

"Chemie-Ali" vernommen

Die Vernehmung von General Ali Hassan al Madschid, besser bekannt als "Chemie-Ali", sowie Exverteidigungsminister Sultan Haschim Ahmad bildete am Samstag den Auftakt der Strafverfahren gegen Mitglieder des gestürzten irakischen Regimes. Al Madschid soll für den Einsatz von Giftgas gegen Kurden in den 80er Jahren verantwortlich gewesen sein. Dabei kamen tausende Menschen ums Leben. Das Richtergremium hat die Anhörungen als erste Stufe der Prozesse gegen den früheren Staatschef Saddam Hussein und seine Mitstreiter bezeichnet.

Bundeswehr erweitert Ausbildungshilfe

Die Bundeswehr weitet ihre Aufbauhilfe für die irakischen Streitkräfte aus. So sollen irakische Offiziere in Deutschland geschult werden, ein Baupionierverband soll aufgestellt und ein Militärlazarett ausgestattet werden, wie das Bundesverteidigungsministerium am Wochenende mitteilte.

Die Vereinigten Staaten erlassen dem Irak alle Schulden in Höhe von 4,1 Milliarden Dollar (3,1 Milliarden Euro). Ein entsprechendes Abkommen unterzeichneten der scheidende US-Außenminister Colin Powell, US-Finanzminister John Snow und dessen irakischer Kollege Adil Abdul al Mahdi am Freitag in Washington.

Reuters Reuters

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