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Irak: Proteste, Tote und das Ende des Krieges

Die USA wollen ihre Truppen so schnell wie möglich aus dem Irak abziehen. Das kündigte US- Verteidigungsminister Donald Rumsfeld bei einem Besuch in Bagdad an.

Die USA wollen ihre Truppen so schnell wie möglich aus dem Irak abziehen. Das kündigte US- Verteidigungsminister Donald Rumsfeld bei einem Besuch in Bagdad an. US-Präsident George W. Bush wollte in der Nacht zum Freitag auf einem amerikanischen Flugzeugträger offiziell das Ende der "größeren Kampfhandlungen" im Irak verkünden. In der westirakischen Kleinstadt Falludscha halten die Spannungen zwischen Irakern und US-Soldaten an. Wieder gab es Tote und Verletzte.

"Der Irak gehört Ihnen"

Bei seinem ersten Besuch in Bagdad seit dem Sturz von Saddam Hussein versicherte Rumsfeld den Irakern: "Ich will es ganz deutlich sagen: Der Irak gehört Ihnen. Wir wollen hier nicht das Sagen haben." Drei Wochen nach dem Truppeneinmarsch war Rumsfeld am Mittwoch als erster US-Regierungsvertreter in die irakische Hauptstadt gekommen.

Dank an die Soldaten

Zuvor hatte er bei einem Zwischenstopp in Basra im Südirak den alliierten Soldaten für ihren Einsatz gedankt. Der Krieg habe die Menschen im Irak befreit, sagte Rumsfeld. "Sie befinden sich nicht mehr unter der Knute eines bösen Regimes, und das ist eine gute Sache." In einer für das irakische Radio und Fernsehen aufgenommenen Ansprache versicherte er: "Wir bleiben nicht einen Tag länger als nötig."

Das Ende der größten Kampfhandlungen

Präsident Bush wollte in der Nacht zum Freitag (MESZ) auf dem aus dem Irak-Krieg heimkehrenden Flugzeugträger "Abraham Lincoln" vor der kalifornischen Küste offiziell das Ende der "größeren Kampfhandlungen" verkünden. US-Oberbefehlshaber Tommy Franks habe den Präsidenten unterrichtet, dass "die bedeutenden Kampfhandlungen zu Ende sind", sagte Bushs Sprecher Ari Fleischer.

Sieben US-Soldaten verletzt

In der westirakischen Kleinstadt Falludscha wurden am Donnerstag nach Meldungen des von Washington eingerichteten arabischsprachigen Radiosenders in Bagdad sieben US-Soldaten verletzt. Irakische Angreifer hätten zwei Handgranaten auf sie geworfen, berichtete der Sender. Die Stammesführer in der Stadt hätten die Soldaten aufgefordert, das Stadtzentrum zu verlassen. Zuvor hatte es bereits vereinzelte Proteste gegen die Anwesenheit der US-Soldaten gegeben. "Geht nach Hause, ihr seid Mörder", riefen Einwohner vor dem dortigen US-Hauptquartier.

Proteste gegen US-Truppen

Amerikanische Soldaten hatten bei gewaltsamen Protesten in den vergangenen Tagen in Falludscha mehrere Iraker erschossen. Nach unbestätigten Angaben sollen dabei insgesamt 16 Menschen getötet worden sein. Nach Berichten des arabischen Fernsehsenders El Dschasira töteten US-Soldaten am Mittwoch mindestens drei Iraker, als rund 7000 Menschen gegen die weitere Anwesenheit von US-Truppen in der Stadt protestierten. Die Kundgebung soll erstmals von Mitgliedern der radikalen Muslimbruderschaft angeführt worden sein.

Das US-Zentralkommando in Katar erklärte dazu, irakische Zivilisten hätten einen US-Konvoi beschossen und mit Steinen beworfen. Die Soldaten hätten das Feuer erwidert. Bereits in der Nacht zum Dienstag hatten US-Soldaten nach unbestätigten Berichten mindestens 13 Teilnehmer einer gewalttätigen Demonstration erschossen. Die US-Armee und die Einwohner wiesen sich gegenseitig die Schuld für die Eskalation der Gewalt zu.

15 Gefolgsleute Saddams in US-Gewahrsam

Unterdessen bestätigte das US-Zentralkommando, dass sich der frühere Gouverneur von Basra, Walid Hamit Taufik el Tikriti, in US- Gewahrsam befindet. Er habe sich nach Vermittlung durch den Irakischen Nationalkongress (INC) gestellt. Insgesamt sind nun 15 führende Gefolgsleute des entmachteten irakischen Präsidenten Saddam Hussein in US-Gewahrsam.

Angeblicher Brief Saddams

Der in London herausgegebenen arabischen Zeitung "Al Quds" ist nach eigener Darstellung ein Brief Saddams zugespielt worden. In dem handschriftlichen Brief fordere dieser seine Landsleute zu einem Volksaufstand (Intifada) gegen die Besatzungstruppen auf, hieß es am Mittwoch in der Internet-Ausgabe des Blattes. Die Zeitung habe eine Kopie des Schriftstücks erhalten, das das Datum 28. April trage und unterschrieben sei.

Aufhebung der Sanktionen

US-Außenminister Colin Powell will eine Aufhebung der US- Sanktionen gegen den Irak, weil es nicht mehr zu den Unterstützer- Staaten des Terrorismus gehöre. Er habe Präsident Bush eine entsprechende Empfehlung zugeleitet, teilte das US-Außenministerium mit. Die USA wollen auch eine rasche Streichung der UN-Sanktionen gegen Bagdad erreichen.

Weiteres Massengrab entdeckt

Powell traf am Donnerstag zu Gesprächen mit der spanischen Regierung, die zu den Kriegsalliierten gehört, über die Nachkriegsordnung im Irak und den Nahost-Konflikt in Madrid ein. Danach reist er nach Albanien, Syrien und Libanon weiter. In der Wüste nahe der irakischen Stadt Kerbela entdeckten Angehörige einer lokalen Menschenrechtsorganisation am Donnerstag ein Massengrab. Die Opfer waren nach einem ersten Augenschein möglicherweise lebendig begraben worden. Ihre Hände waren mit dicken Kabeln gefesselt.

Die Gruppe aus Kerbela ist überzeugt, dass es sich bei den Toten um Schiiten aus Nadschaf oder Kerbela handelt, die während des Aufstandes der Schiiten nach dem Golfkrieg von 1991 an diesen entlegenen Ort rund 20 Kilometer südlich von Kerbela gebracht wurden. In dieser Zeit waren nach Informationen internationaler Menschenrechtsgruppen Tausende von Schiiten festgenommen worden und verschwunden. Wie viele Leichen in dem Massengrab liegen, ist noch unklar.

DPA