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Irak: US-Geisel Armstrong enthauptet

Anhänger des islamistischen Extremisten al Sarkawi haben ihre US-amerikanische Geisel geköpft und ein Video der Hinrichtung ins Internet gestellt. Merkwürdig erscheinen die Forderungen der Geiselnehmer.

Extremisten im Irak haben eine amerikanische Geisel getötet. Im Internet wurden am Montagabend eine Erklärung und kurz darauf ein entsprechendes Video veröffentlicht. In Washington hieß es, die Leiche von Eugene Armstrong sei geborgen worden. Die US-Botschaft in Bagdad wollte den Tod des Mannes zunächst aber noch nicht bestätigen. Der Geheimdienst CIA prüfte auch noch die Echtheit der Erklärungen.

In dem Video erklärt sich der jordanische Extremistenführer Abu Mussab al Sarkawi persönlich für die Enthauptung des Amerikaners verantwortlich, die vor laufender Kamera erfolgt. Die von Al Sarkawi geführte Gruppe Tauhid und Dschihad hatte am Wochenende mit der Enthauptung der drei Geiseln - zweier Amerikaner und eines Briten - gedroht, sollten die in US-Gefängnissen inhaftierten irakischen Frauen nicht binnen 48 Stunden freigelassen werden. Das Ultimatum lief am Montagabend ab. Der Sprecher erklärt, die anderen Geiseln würden binnen 24 Stunden getötet, wenn die Forderungen nicht erfüllt würden.

Sohn bittet Tony Blair um Hilfe

Die Angehörigen der britischen Irak-Geisel Kenneth Bigley (62) haben sich in einem persönlichen Hilfsappell an Premierminister Tony Blair gewandt. Im britischen Fernsehen forderte Bigleys Sohn Craig (33) am Dienstag: "Bitte erfüllen Sie die Forderungen, so dass mein Vater freikommt."

Das britische Außenministerium hatte die Ermordung Armstrongs am am Montagabend als ein "schreckliches Verbrechen" verurteilt. Dadurch werde die Regierung in London aber nur in ihrer Entschlossenheit bestärkt, im Irak Sicherheit und Stabilität zu schaffen. Blair hatte am Montag eine "harte Linie" gegenüber den Geiselnehmern angekündigt. Die Regierung werde aber alles in ihrer Macht stehende tun, um die Freiheit Bigleys zu erreichen.

US-Präsident George W. Bush hatte kurz vor der Veröffentlichung des Hinrichtungsvideos Verhandlungen mit den Geiselnehmern ausgeschlossen. Eine Erfüllung ihrer Forderung scheint ohnehin nicht möglich, da sie die Freilassung aller Frauen aus zwei Gefängnissen im Irak verlangen, in denen nach US-Angaben gar keine Frauen inhaftiert sind. Im Gewahrsam der USA befänden sich lediglich zwei irakische Frauen, die unter dem gestürzten Präsidenten Saddam Hussein als Spezialisten für biologische und chemische Waffen gearbeitet hätten.

Bush sagte über die Geiselnehmer: "Sie werden Menschen köpfen, um unseren Willen zu erschüttern. Diese Leute sind Ideologen des Hasses. ... Man kann nicht mit solchen Menschen verhandeln."

Die Erklärung im Internet war mit Abu Maisara al Iraki unterzeichnet. Unter diesem Pseudonym waren schon in der Vergangenheit Botschaften im Namen von Tauhid und Dschihad veröffentlicht worden.

Zwei Geistliche getötet

Die Gruppe verurteilte in einer weiteren Erklärung im Internet zwei Attentate auf Geistliche. In Bagdad waren innerhalb weniger Stunden am Sonntagabend und Montagmorgen zwei sunnitische Geistliche Mordanschlägen zum Opfer gefallen. Beide gehörten der einflussreichen Vereinigung Muslimischer Gelehrter an, die schon mehrfach bei Geiselnahmen als Vermittler auftrat. Die Vereinigung hat sich strikt gegen die Präsenz amerikanischer Truppen im Irak ausgesprochen.

Nationalgardisten wieder frei

Unterdessen wurden 18 verschleppte Mitglieder der irakischen Nationalgarde von schiitischen Kämpfern freigelassen. Sie kamen damit einer Forderung des schiitischen Predigers Muktada al Sadr nach.

AP/Reuters / AP / Reuters