Irak US-Jet wirft irrtümlich Bombe auf Wohnhaus


Bei einem Angriff auf ein Dorf in der Nähe von Mossul hat ein US-Kampfflugzeug eine Bombe auf ein Wohnhaus geworfen und die Einwohner getötet. Die Armee bedauere "zutiefst den Verlust möglicherweise unschuldigen Lebens".

Die US-Luftwaffe hat im Nordirak nach eigenen Angaben versehentlich ein Haus zerstört und dabei mehrere Menschen getötet.

Bei dem Angriff am Samstag kamen in dem Dorf Aajtha bei Mossul Einheimischen zufolge 14 Menschen ums Leben. Reuters TV zeigte Bilder von 14 frisch ausgehobenen Gräbern. Die US-Armee teilte mit, ein F-16-Kampfflugzeug habe irrtümlich eine Bombe auf das Haus abgeworfen. Mindestens fünf Menschen seien ums Leben gekommen. Das eigentliche Ziel habe sich in der Nähe befunden. Die Armee bedauere "zutiefst den Verlust möglicherweise unschuldigen Lebens", teilte das Militär weiter mit. Der Vorfall werde untersucht. Ziel des Militäreinsatzes in dem Dorf sei die Ergreifung eines Führers der Aufständischen gewesen.

Vor den für den 30.Januar geplanten Wahlen dürfte der US-Angriff anti-amerikanischen Gefühlen in der Bevölkerung weiter Nahrung geben. Vor allem in den sunnitischen Gebieten verüben Aufständische täglich Anschläge, um die Wahlen zu verhindern. Am Samstag wurden bei einem Selbstmordanschlag an einem Kontrollpunkt südlich von Bagdad vier Menschen getötet. Gleichzeitig entführten Rebellen Polizeiangaben zufolge drei ranghohe irakische Vertreter.

Ein US-Soldat ist am Sonntag bei einem Sprenganschlag in Bagdad getötet worden. Er hatte sich auf einer Patrouille befunden, als die Bombe explodierte, meldete das US-Militärkommando am Sonntag in Bagdad.

Leichenfund in Samarra

US-Soldaten fanden am Tag zuvor bei Samarra, 100 Kilometer nördlich von Bagdad, die Leichen von drei erschossenen Männern. Einer von ihnen hatte einen Ausweis bei sich, der ihn als in Bagdad tätigen Polizisten auswies, teilte das US-Militär in der Garnisonsstadt Tikrit am Sonntag mit. Die drei wiesen Einschüsse im Gesicht auf. Ihre Mörder hatten ihnen außerdem Augenbinden angelegt und ihnen die Hände auf dem Rücken zusammengebunden.

Ein Mitglied des Gemeinderats der Ortschaft Rijadh, 55 Kilometer westlich von Kirkuk, wurde am Samstag zusammen mit einem Begleiter entführt. Der Vorfall ereignete sich nahe einer Kreuzung, wo die beiden Opfer zuvor in einem Unfall verwickelt gewesen waren. Ihre Entführer fuhren ihnen daraufhin nach und überfielen sie, bestätigte das US-Militär in Tikrit am Sonntag. Rijadh liegt unweit der militanten Sunniten-Hochburg Howeidscha.

US-Delegation Befürworter eines Wahlboykotts umstimmen

Eine US-Militärdelegation ist in Bagdad mit dem Versuch gescheitert, einflussreiche sunnitische Befürworter eines Wahlboykotts umzustimmen. Die Delegation traf sich mit dem Vorsitzenden des sunnitischen Rates der Religionsgelehrten, Harith al-Dhari, der zum Boykott der für Ende des Monats geplanten Wahlen aufgerufen hatte. Wie der Sprecher des Rates, Abdul Salam al-Kubaisi, am Sonntag berichtete, empfing Al-Dhari am Vortag den amerikanischen Konsul und elf hochrangige Offiziere. Die Delegation habe versucht, den Rat zur Rücknahme seines Boykottaufrufs zu bewegen.

Die sunnitischen Religionsgelehrten waren dazu jedoch nicht bereit. "Wir haben von der Delegation einen Zeitplan für den Abzug (der US-Truppen) aus dem Land mit Garantien der Vereinten Nationen und der Arabischen Liga gefordert", sagte Al-Kubaisi. Al-Dhari habe den Amerikanern erklärt, dass eine unter Besatzung gewählte Regierung nur schwach sein könne. Ein weiteres Treffen sei geplant.

Es wird befürchtet, dass ein großer Teil der sunnitischen Minderheit, die unter Ex-Präsident Saddam Hussein die Führungschicht des Irak bildete, am 30. Januar nicht an den Parlaments- und Provinzwahlen teilnehmen wird.

Die US-Armee hatte in den vergangenen Monaten mehrere Mitglieder des Rates, der offen mit den irakischen Aufständischen sympathisiert, gefangenen genommen.


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