VG-Wort Pixel

Proteste im Iran Generalstaatsanwalt verkündet: Die Sittenpolizei wurde aufgelöst

Iran: Eine Frau steht während einer Demonstration vor einem brennenden Autoreifen und zeigt das Victory-Zeichen
Eine Frau steht während einer Demonstration nach dem Tod der 22-jährigen Mahsa Amini vor einem brennenden Autoreifen und zeigt das Victory-Zeichen. Die junge Frau wurde von der iranischen Sittenpolizei in der Hauptstadt Teheran festgenommen, weil sie sich angeblich nicht an die strenge islamische Kleiderordnung des Irans gehalten hatte und starb in Polizeigewahrsam.
© Uncredited / DPA
Wie die iranische Generalstaatsanwaltschaft verkündet, wurde die Sittenpolizei aufgelöst. Diese war hauptsächlich für die Einhaltung der Kleidungsvorschriften von Frauen zuständig. Dennoch reagierten Kritiker des Regimes verhalten auf die Meldung.

Im Iran ist nach Angaben des Generalstaatsanwalts die Sittenpolizei aufgelöst worden, die bislang hauptsächlich für die Einhaltung der Kleidungsvorschriften von Frauen zuständig war. "Die Sittenolizei wurde aufgelöst, aber die Justizbehörde wird sich weiterhin mit dieser gesellschaftlichen Herausforderung auseinandersetzen", zitierte die Tageszeitung "Shargh" den Generalstaatsanwalt Mohammed-Dschafar Montaseri am Sonntag. Weitere Details zu den Umständen und der Umsetzung der Auflösung gab es nicht.

Kritiker der politischen Führung reagierten verhalten auf die Ankündigung. Das Problem sei nicht die Sittenpolizei, sondern die Aufhebung des Kopftuchzwangs, schrieb ein iranischer Aktivist auf Twitter. "Frauen müssen überall ohne Kopftuch verkehren können", forderte er. Und dies sei "nur der erste Schritt."

Beobachtern zufolge würde die Auflösung der Sittenpolizei zwar kein Ende des Kopftuchzwangs für Frauen bedeuten, aber einen wichtigen Teilerfolg der Frauenbewegung im Iran darstellen.

Sittenpolizei im Iran war Auslöser von Protesten

Die Sittenpolizei war der Auslöser der seit über zwei Monaten andauernden systemkritischen Aufstände in dem Land. Mitte September verhafteten die islamischen Sittenwächter die 22-jährige Mahsa Amini. Unter ihrem Kopftuch sollen ein paar Haarsträhnen hervorgetreten sein. Amini starb wenige Tage später im Gewahrsam der Sittenpolizei. Seitdem protestieren im Iran Menschen gegen das islamische System und dessen Gesetze und Vorschriften.

Seit dem Ausbruch der Proteste werden der Kopftuchzwang und die islamischen Kleidervorschriften von vielen Frauen, besonders in Großstädten, zunehmend ignoriert. Laut islamischen Gesetzen müssen Frauen in der Öffentlichkeit ein Kopftuch sowie einen langen, weiten Mantel tragen, um Haare und Körperkonturen zu verhüllen. Dieses Gesetz ist seit über 40 Jahren Teil der gesellschaftspolitischen Doktrin des islamischen Systems um, wie es heißt, "Land und Volk vor der westlichen Kulturinvasion zu retten".

Seit Beginn der Demonstrationen wurden nach Einschätzung von Menschenrechtlern rund 470 Demonstranten getötet, darunter 64 Kinder und 60 Sicherheitskräfte. Die offiziellen Angaben diesbezüglich sind widersprüchlich. Der Sicherheitsrat spricht von 200, ein Kommandeur der Revolutionsgarden von 300 Toten. Außerdem wurden in den vergangenen mehr als zwei Monaten Tausende verhaftet, unter ihnen Studenten, Journalisten, Sportler sowie Künstler. Einige Demonstranten wurden von Revolutionsgerichten auch bereits zum Tode verurteilt. Ab Montag sind landesweit weitere Proteste - und laut Oppositionskreisen auch Streiks - geplant.

Iran: Teenager schleudern Turbane von Köpfen Geistlicher

Sehen Sie im Video: Es wirkt wie ein gewöhnlicher Teenager-Streich – doch diese Videos haben einen ernsten Hintergrund. In den sozialen Netzwerken verbreiten sich Videos aus dem Iran, in denen junge Menschen Geistlichen den Turban vom Kopf schleudern.

jek DPA

Mehr zum Thema

Newsticker