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Iran-Krise: "Sehr verängstigt": Amerikaner iranischer Abstammung beklagen Schikanen an US-Grenze

Nach der gezielten Tötung des iranischen Generals Ghassem Soleimani durch die USA muss die Regierung in Washington Racheakte fürchten. Die Folgen der angespannten Lage bekommen auch iranischstämmige US-Bürger zu spüren.

Der "Peace Arch"-Grenzübergang nahe der Stadt Blaine, im US-Bundesstaat Washington

"Ein Schleppnetz für jeden, der im Iran geboren wurde": Der "Peace Arch"-Grenzübergang nahe der Stadt Blaine, im US-Bundesstaat Washington

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Die Beziehungen zwischen Washington und Teheran sind seit der gezielten Tötung des iranischen Generals Ghassem Soleimani durch einen US-Drohnenangriff auf einem Tiefpunkt. Der Iran hat den Vereinigten Staaten Vergeltung angedroht, international wird eine Gewalteskalation in der Golfregion befürchtet. Die extrem angespannte Situation haben nun auch US-Bürger bei der Heimreise in ihr Land zu spüren bekommen. Mehrere Amerikaner iranischer Abstammung berichten von Drangsalierungen durch US-Grenzbeamte.

Mehr als 60 Menschen iranischer Abstammung, darunter auch amerikanische Bürger, seien am Wochenende am "Peace Arch"-Grenzübergang in Blaine im US-Bundesstaat Washington an der Grenze zu Kanada stundenlang festgehalten und befragt worden, kritisiert die muslimische Bürgerrechtsgruppe Council on American-Islamic Relations (Cair), wie mehrere Medien berichten. Die Reisenden hätten "Schikanen" von US-Grenzbeamten erfahren.

"Meine Tochter sagte: 'Bitte sprich kein Farsi'"

"Wir waren natürlich beunruhigt", zitiert die kanadische Nachrichtenseite "Global News" die 38 Jahre alte Negah Hekmati, die nach eigener Aussage etwa fünf Stunden lang festgehalten wurde, als sie zusammen mir ihrem Ehemann und den zwei gemeinsamen Kindern von einem Besuch bei Angehörigen in Kanada und einer Skitour zurück in die USA reisen wollte. Der Vorfall habe die Kinder im Alter von fünf und acht Jahren "sehr verängstigt". "Meine Tochter hat mir gesagt, bitte sprich kein Farsi, wenn du kein Farsi sprichst, nehmen sie dich vielleicht nicht mit", schilderte Hekmati demnach die Situation.

Sie und ihr Mann besäßen die iranische, amerikanische und kanadische Staatsbürgerschaft, lebten aber derzeit in den USA , berichtete die Innenarchitektin "Global News" zufolge. Während ihrer Wartezeit seien sie von US-Grenzbeamten gebeten worden, Formulare auszufüllen. Ihr Ehemann sei zudem zu seinem zweijährigen obligatorischen Militärdienst im Iran, den er bei der Polizei absolviert habe, befragt worden. Die Grenzschützer hätten gesagt, dass sie "Befehle" befolgen würden, aber nicht genau angegeben, warum ihre Familie und andere Reisende festgehalten wurden.

Len Saunders, ein in Blaine ansässiger Anwalt für Einwanderungsrecht, wurde nach eigenen Angaben Zeuge dessen, was er als "Chaos" am Grenzübergang bezeichnete. In einem Telefongespräch mit der kanadischen Nachrichtenseite "CTV News" berichtete Saunders, dass so viele Leute darauf gewartet hätten, mit den Beamten zu sprechen, dass sie wegen der Verzögerungen sogar mit Essen versorgt worden seien.

Zwei seiner Mandanten seien von Grenzbeamten festgehalten worden, sagte der Anwalt laut "CTV News". Sie seien vier bis fünf Stunden lang zu ihren familiären Verbindungen in den Iran, ihren Eltern und Geschwistern, ihrer Arbeit und möglichen Reisen in den Iran befragt worden. "Es war im Grunde ein Schleppnetz für jeden, der im Iran geboren wurde."

US-Grenzschutzbehörde dementiert die Vorwürfe

Nach Angaben von Cair sei einigen Reisenden erst nach zehn Stunden Befragung der Grenzübertritt erlaubt worden, während er anderen ohne amerikanischen Pass sogar ganz verweigert worden sei, berichtet der britische Sender BBC. Einigen sei der Reisepass abgenommen worden, während sie nach ihren politischen Ansichten und Bindungen befragt worden seien.

Die US-Grenzschutzbehörde Customs and Border Protection (CBP) wies die Vorwürfe zurück: "Postings in den sozialen Medien, dass die CBP Amerikaner iranischer Abstammung festhält und ihnen die Einreise in die USA wegen ihres Herkunftslandes verweigert, sind falsch", sagte ein Sprecher der US-Nachrichtenseite "Politico". Berichte, dass es Anweisungen aus dem Heimatschutzministerium oder der CBP dazu gäbe, seien ebenfalls falsch.

Die Behörde erklärte, dass die Sicherheitsmaßnahmen an den Grenzübergangsstellen angesichts der Spannungen mit dem Iran verstärkt worden seien. Die durchschnittliche Wartezeit an der Grenzübergangsstelle Blaine habe am Wochenende rund vier Stunden betragen. Die längere Wartezeit sei auf ein höheres Reiseaufkommen während der Ferienzeit zurückzuführen gewesen.

Quellen: "Global News""CTV News"BBC"Politico"

mad