Iran nach der Wahl Ahmadinedschad attackiert Westen


Seine Wiederwahl ist umstritten, der Gegenkandidat unterstellt ihm Wahlbetrug, auf den Straßen Teherans rumort es. Nun hat Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad ausländische Demokratien und Homosexuelle aufs Korn genommen. Letztere verglich der Holocaust-Leugner mit "Bodensatz".

Einen Tag nach der Bekanntgabe des Ergebnisses der Präsidentschaftswahl im Iran hat Amtsinhaber Mahmud Ahmadinedschad bei einer Siegesfeier im Zentrum Teherans die Wahl als fair und gerecht verteidigt und den Westen attackiert. Im Gegensatz zu anderen Ländern, wo nur zwei oder drei Parteien das Sagen hätten, gebe es im Iran eine echte Demokratie, rief Ahmadinedschad seinen jubelnden Anhängern zu. Zudem würden die Politiker im Ausland um die Gunst von Homosexuellen und anderem "Bodensatz" buhlen, um "ein paar Prozent" mehr Stimmen zu bekommen, sagte Ahmadinedschad. Anhänger des unterlegenen Kandidaten Mir Hussein Mussawi hatten angekündigt, die Siegesfeier der Ahmadinedschad-Anhänger vom Norden Teherans kommend zu stören. Augenzeugen berichteten jedoch, dass die Polizei alle Straßen vom Norden ins Zentrum abgesperrt habe.

Proteste in Teheran

Ahmadinedschad ist für seine Verbalattacken berüchtigt - und nicht zuletzt deshalb international weitgehend isoliert. Er leugnete in der Vergangenheit mehrmals den Holocaust und forderte die Vernichtung des Staates Israel. Mit dem rhetorischen Angriff auf westliche Demokratien weist er den Vorwurf des Wahlbetrugs zurück. Ahmadinedschad hatte die Präsidentschaftswahl vom Freitag mit großem Abstand bereits im ersten Wahlgang gewonnen und so seinen wichtigsten Herausforderer Mussawi bezwungen. Mussawi und seine Anhänger zweifeln das Ergebnis an. In der Nacht zu Sonntag und auch am Sonntag tagsüber kam es deshalb in Teheran zu Ausschreitungen. Am Sonntag steckten junge Oppositionsanhänger Abfalleimer, Bänke und Reifen in Brand. Die Bereitschaftspolizei setzte Schlagstöcke ein.

"Die Wiederwahl war war und frei"

Auf einer Pressekonferenz hatte Ahmadinedschad den Vorwurf des Wahlbetrugs schon zuvor zurückgewiesen. Seine Wiederwahl sei "wahr und frei" und könne nicht infrage gestellt werden, sagte er. "Die Wahl wird die Macht des Landes und seine Zukunft verbessern", sagte Ahmadinedschad. Auf Berichte über Unregelmäßigkeiten angesprochen, antwortete der Präsident: "Einige glaubten, sie würden gewinnen, und dann sind sie wütend geworden." Die Situation sei vergleichbar mit der Leidenschaft nach einem Fußballspiel. "Meiner Ansicht nach ist das nicht wichtig." Der Abstand zwischen ihm und den anderen Kandidaten sei so groß, dass niemand ihn anzweifeln könne. Den ausländischen Medien warf Ahmadinedschad vor, einen "psychologischen Krieg" gegen sein Land zu führen.

Mussawi beantragte am Sonntag die Annullierung des umstrittenen Wahlsiegs Ahmadinedschads. "Ich habe heute beim Wächterrat förmlich den Antrag gestellt, das Wahlergebnis für ungültig zu erklären", schrieb Mussawi am Sonntag auf seiner Internet-Seite. Zugleich rief er die iranische Nation auf, die landesweiten Proteste friedlich und unter Einhaltung der Gesetze fortzusetzen.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier nannte das harte Vorgehen der iranischen Sicherheitskräfte gegenüber den Demonstranten inakzeptabel. Das Wahlergebnis selbst wollte er zunächst nicht bewerten. "Wie weit das Bestand haben wird in den nächsten Tagen und Wochen, müssen wir sehen", sagte der SPD-Politiker in Berlin. Die iranische Führung forderte er auf, die Vorwürfe des Wahlbetrugs aufzuklären.

AP/DPA/Reuters/fgüs AP DPA Reuters

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