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Iranisches Atomprogramm: Atomstreit spitzt sich zu

Im Atomstreit wird die internationale Gemeinschaft wohl die iranische Antwort auf ihr Angebot abweisen. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hält sie für unzureichend.

Die fünf ständigen Mitglieder im UN-Sicherheitsrat und Deutschland dürften die iranische Antwort auf ihr Angebot im Atomstreit nach Einschätzung von Diplomaten wohl ablehnen. Zwei hochrangige europäische Diplomaten sagten der Nachrichtenagentur AP, das 25 Seiten starke Dokument aus Teheran schlage nicht einmal ein Moratorium für die Urananreicherung beim Beginn eventueller Verhandlungen vor. Zudem enthalte es nur vage Andeutungen zur Bereitschaft, über alle Aspekte des iranischen Atomprogramms zu verhandeln.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die iranische Antwort unzureichend genannt. Die Kanzlerin sagte am Donnerstag in einem Interview des Nachrichtensenders N24: "Es fehlt der entscheidende Satz in dieser Antwort, und das muss nachgeholt werden." Der Iran müsse zusagen, die Anreicherung von Uran einzustellen. Teheran hatte am Dienstag offiziell geantwortet und sich zu "ernsthaften Verhandlungen" bereit erklärt. In dem Kompromissvorschlag der fünf ständigen Mitglieder des Weltsicherheitsrats und Deutschlands wurden dem Iran wirtschaftliche und politische Anreize in Aussicht gestellt, wenn er im Gegenzug sein Atomprogramm beendet.

Chatami plädiert für Dialog

Der frühere iranische Präsident Mohammed Chatami erklärte in Tokio, der internationale Druck auf den Iran vergrößere den Einfluss der radikalen Kräfte im Land. Chatami sagte bei einem Treffen mit dem japanischen Ministerpräsidenten Junichiro Koizumi, der Konflikt könne im Dialog gelöst werden.

Der Iran hat nach Angaben einer Oppositionsgruppe im Exil erhebliche technische Fortschritte auf dem Weg zur Herstellung atomarer Brennstoffe gemacht. Das Land habe mindestens 15 Zentrifugen des neuen Typs P-2 gebaut und könne damit seine Fähigkeiten zur Urananreicherung dramatisch verbessern, erklärte der Nationale Widerstandsrat des Iran am Donnerstag in Paris. Im nächsten Jahr werde das Land über hunderte P-2-Zentrifugen verfügen. Die Anlagen könnten reines Uran zwei- bis drei Mal schneller herstellen als die herkömmlichen P-1-Zentrifugen. Der Iran wird verdächtigt, unter dem Deckmantel eines zivilen Nuklearprogramms Atomwaffen zu bauen. Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hatte im April erklärt, sein Land forsche an der Entwicklung von P-2-Zentrifugen. Damals hatte der Iran auch erklärt, er habe zum ersten Mal mit Hilfe von 164 P-1-Zentrifugen eine kleine Menge Uran angereichert.

Der von den USA als terroristische Organisation eingestufte Nationale Widerstandsrat hatte in der Vergangenheit wiederholt korrekt über das geheime Atomprogramm des Iran berichtet. Stellungnahmen des Iran oder der Internationalen Atomenergiebehörde zu den Angaben der Gruppe waren zunächst nicht zu erhalten. Der Iran hatte frühere Berichte des Rats stets bestritten.

Der Iran liegt wegen seiner Atompolitik im Streit mit den fünf ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats und Deutschland. Das Land bestreitet Vorwürfe der sechs Mächte, insgeheim an Atomwaffen zu bauen. Sein Atomprogramm diene ausschließlich der Energiegewinnung. Ein ungenannter Vertreter Irans hatte am Mittwoch die Bekanntgabe einer neuen Errungenschaft von Nuklearforschern des Landes angekündigt, ohne Details zu nennen.

AP / AP