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Todesschüsse von Ferguson: Islamischer Staat hetzt schwarze US-Bürger auf

Es ist der Gipfel der Scheinheiligkeit: Der Islamische Staat nutzt die Proteste nach den Todesschüssen von Ferguson, um im Netz US-Bürger gegen ihren Staat aufzuwiegeln und Kämpfer zu rekrutieren.

Von Marc Drewello

IS-Propaganda auf Twitter: "Die Schwarzen brauchen Isis"

IS-Propaganda auf Twitter: "Die Schwarzen brauchen Isis"

Der Islamische Staat ist für seine ausgeklügelte Propaganda vor allem in den sozialen Netzwerken bekannt. Regelmäßig nutzen Anhänger der Terrorgruppe auf Twitter Hashtags, die gerade populär sind, um den Kurznachrichtendienst mit ihren Botschaften zu fluten. So verbreitete der IS während der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien unter dem Stichwort #WorldCup Hinrichtungsvideos und anti-westliche Hetze.

Mithilfe solcher "Twitter-Bombs" versuchen die Dschihadisten nun, die Todesschüsse von Ferguson für ihre Zwecke zu missbrauchen. In der US-Kleinstadt hatte der weiße Polizist Darren Wilson vor drei Monaten den unbewaffneten 18-jährigen Schwarzen Michael Brown erschossen. Anfang der Woche entschied eine Geschworenenjury, Wilson nicht anzuklagen und löste damit eine Protestwelle im ganzen Land aus.

User, die sich für den Fall interessieren und nach Hashtags wie #Ferguson, #MichaelBrown oder #WakeUpAmerica suchen, erhalten vom IS Hetz-Tweets und amerikafeindliche Propaganda. Mit Appellen wie: "Wenn du Freiheit suchst, komme zum Islamischen Staat" und "Der Islamische Staat wird jedem Afroamerikaner, der immigrieren will, Asyl gewähren", versuchen die Dschihadisten, neue Kämpfer zu rekrutieren. Sklaven-Fotos sollen zudem die Wut der schwarzen Bevölkerung anstacheln.

Eine "bekannte Gruppe" fordere ihre Follower auf, Hashtags mit Bezug zu Ferguson zu nutzen, um IS-Propaganda zu verbreiten und zu mehr Gewalt anzustiften, erklärte das Middle East Media Research Institute (Memri) in Washington nach Angaben der "Washington Post". Das Memri ist eine Non-Profit-Organisation zur Beobachtung islamischer Medien des Nahen Ostens, die auch die Aktivitäten von Unterstützern des Islamischen Staates in den sozialen Netzwerken beobachtet. Es übersetzte dem Bericht zufolge einen Tweet von Al-Nusra Al-Maqdisiyya (@bakoon7) mit den Worten: "Oh, einsamer Mudschahid, Du musst den Zusammenbruch der Sicherheit in #Ferguson ausnutzen, um das Brennen in Amerika zu verstärken. Sie zanken sich über weltliche Dinge, also schicke sie in die Hölle #Isis."

Sich selbst inszenieren die IS-Terroristen auf Twitter als Helfer der Unterdrückten: "Hey, Schwarze, Isis wird euch retten", heißt es in diesem Tweet:

"Gerechtigkeit findet man nur im Islamischen Staat, kein Unterschied zwischen Weiß und Schwarz", behauptet ein IS-Anhänger in holprigem Englisch, und twittert als angeblichen Beleg diese Fotos:

Auch Videos, die Polizeigewalt in den USA dokumentieren sollen, verbreitet der IS, um den Zorn der Schwarzen auf ihr Land zu schüren.

Die Perfidie und Scheinheiligkeit des Islamischen Staates, der Massenhinrichtungen durchführt, Andersgläubige terrorisiert und Frauen unterdrückt, wird allerdings von vielen Usern durchschaut und angeprangert: "Islamischer Staat über #Ferguson: US sind rassistisch und ungerecht! Komm ins Kalifat, wo wir JEDEN* brutal unterdrücken! *ausgenommen Soldaten und Geistliche", schreibt dieser User.

Der User "Tracy" richtet sich direkt an die Propagandisten: "Der Islamische Staat tötet ohne Grund, also hört auf #FergusonDecision zu nutzen, um Terrorismus zu forcieren."

Leider ist der Appell bislang ungehört verhallt.