HOME

ISRAEL: Acht Menschen bei Selbstmordanschlag getötet

Zum ersten Mal seit Beginn der israelischen Militäroffensive wurden israelische Zivilisten Opfer eines Selbstmordanschlages. Mindestens acht Menschen sind in der Nähe von Haifa getötet worden.

Bei einem Selbstmordanschlag auf einen vollbesetzten Bus in der Nähe der nordisraelischen Stadt Haifa sind am Mittwoch nach Polizeiangaben mindestens acht Menschen getötet worden.

Mindestens 17 Menschen seien verletzt worden, teilte der Rettungsdienst Magen David Adom mit. Der Attentäter habe einen Sprengstoffgürtel um den Leib getragen und sei bei der Explosion getötet worden, hieß es.

Erster Anschlag auf israelische Zivilisten

Die Explosion ereignete sich am Morgen zur Hauptverkehrszeit rund zehn Kilometer südöstlich der Hafenstadt. Der überwiegend von Pendlern genutzte Bus war auf dem Weg von Haifa nach Jerusalem. Es war der erste Anschlag auf israelische Zivilisten seit Beginn der israelischen Militäroffensive vor zwölf Tagen. »Ich habe gesehen, wie die Wucht der Explosion Menschen aus den Busfenstern warf«, sagte ein Augenzeuge der Nachrichtenagentur Reuters. »Ich habe Hände und Beine und andere Körperteile auf der Straße liegen sehen. Es herrschte Panik, die Menschen liefen davon.« Ein Polizist sagte, er habe unter den Trümmern des Busses Menschen liegen sehen. »Ich habe um Hilfe geschrien.«

Wer den Anschlag verübt hat, ist noch unklar

Zu dem Anschlag bekannte sich zunächst niemand. In der Vergangenheit hatten radikale Palästinenser-Gruppen wie Hamas, Islamischer Dschihad (Heiliger Krieg) und die El-Aksa-Brigaden wiederholt Selbstmordanschläge auf Lokale oder an Bushaltestellen verübt. Die israelische Armee war am 29. März nach einer Serie von Selbstmordanschlägen militanter Palästinensern in zahlreiche Orte im Westjordanland eingerückt.

Am Dienstag hatte die Armee ihre Soldaten aus den Städten Kalkilja und Tulkarm wieder abgezogen, jedoch in Dschenin die Gefechte mit Palästinensern mit unverminderter Härte fortgesetzt. Insgesamt wurden nach Armeeangaben in Dschenin bislang rund 100 Palästinenser und 22 israelische Soldaten getötet. Augenzeugen zufolge starben bei Gefechten in der Altstadt von Nablus mindestens sechs Menschen. In dem insgesamt seit 18 Monaten dauernden Aufstand der Palästinenser gegen die israelische Besatzung wurden mehr als 1500 Menschen getötet.

Scharon: »Die Offensive wird fortgesetzt«

Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon hatte im Fernsehen angekündigt, die Offensive im Westjordanland werde fortgesetzt bis die »terroristische Infrastruktur« zerschlagen sei.

Die internationale Gemeinschaft hat einen sofortigen Abzug Israels aus den jüngst besetzten Palästinenser-Gebieten gefordert. US-Außenminister Colin Powell bemüht sich um eine Waffenruhe zwischen den Konfliktparteien und wird Ende der Woche im Nahen Osten erwartet. Für diesen Mittwoch sind in Madrid Beratungen Powells mit Vertretern der EU, Russlands und UNO-Generalsekretär Kofi Annan geplant.