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Naher Osten Israels Konflikt mit Palästinensern weitet sich auf Westjordanland aus

Naher Osten: Israels Konflikt mit Palästinensern weitet sich auf Westjordanland aus
Sehen Sie im Video: Wie kommt die Hamas an die Raketen? stern-Nahostexperte beantwortet Fragen zum Angriff auf Tel Aviv.
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Jetzt auch das Westjordanland: Bei Zusammenstößen mit israelischen Sicherheitskräften sind nach palästinensischen Angaben dort acht Menschen getötet worden. Der Konflikt nimmt immer mehr Züge einer dritten Intifada an.

Der eskalierende Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern weitet sich auf das Westjordanland aus. In dem von Israel besetzten Gebiet ist es zu den heftigsten Zusammenstößen seit 20 Jahren gekommen. Auch die israelische Armee hat nach erneutem Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen ihre Angriffe auf dieses Gebiet verstärkt. 

Laut einer Bilanz des palästinensischen Gesundheitsministeriums wurden zehn Palästinenser im Westjordanland durch von israelischen Soldaten abgefeuerte Kugeln getötet. Zuvor hatte das Ministerium die Zahl der Toten noch mit sieben angegeben. Rund 150 weitere Menschen wurden bei den Zusammenstößen im Westjordanland verletzt. 

Die traditionellen Freitagsproteste gegen die israelische Siedlungspolitik hatten sich nach Angaben eines palästinensischen Sicherheitsvertreters zu den heftigsten Konfrontationen "seit der zweiten Intifada" entwickelt, die im Jahr 2000 begonnen hatte.

Im Gazastreifen griff Israel mit seiner Luftwaffe und mit Artillerie an. Mehrere Häuser wurden zerstört oder schwer beschädigt. Die israelische Armee setzte eigenen Angaben zufolge Kampfjets und Panzer ein, um gegen ein Tunnel-Netz der radikalislamischen Hamas vorzugehen. Im Nordosten des Küstenstreifens verließen wegen des israelischen Beschusses Hunderte Menschen fluchtartig ihre Häuser.

Netanjahu: "Es ist noch nicht vorbei"

"Sie bezahlen und werden weiter teuer dafür bezahlen. Es ist noch nicht vorbei", sagte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu nach einer Sitzung im Verteidigungsministerium. Er deutete eine mögliche Verstärkung der Angriffe auf die Hamas an. 

Mehr als 122 Menschen starben seit Montag durch die israelischen Luftangriffe im Gazastreifen, darunter 31 Kinder. 900 Menschen wurden verletzt. Es handelt sich um die heftigsten Gefechte zwischen Israel und militanten Palästinensern seit 2014. 

Armee-Sprecher Jonathan Conricus stellte klar, dass sich keine israelischen Bodentruppen im Gazastreifen befänden. Zuvor hatte die Armee irrtümlich die Verlegung von Soldaten in den Gazastreifen gemeldet. Aus diesem Gebiet wurden zugleich erneut Dutzende Raketen auf die südisraelischen Küstenstädte Aschdod und Aschkelon sowie in die Umgebung des Ben-Gurion-Flughafens von Tel Aviv abgefeuert. 

Nach Angaben der Armee wurden zudem aus dem Libanon drei Raketen in Richtung Israel abgefeuert, die jedoch ins Mittelmeer stürzten. Ein libanesischer Demonstrant, der im Südlibanon von israelischer Seite angeschossen wurde, starb an seiner Verletzung, wie die Nachrichtenagentur ANI meldete.

Insgesamt wurden seit Montagabend mehr als 1800 Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel abgefeuert. Die meisten von ihnen wurden aber vom Raketenabwehrsystem "Iron Dome" abgefangen. Israel gab den Tod von neun Menschen bekannt, darunter ein sechsjähriger Junge und ein Soldat. Die israelische Armee bombardierte ihrerseits rund 750 Ziele im Gazastreifen.

Die Bundesregierung prangerte die Attacken aus dem Gazastreifen auf Israel als "Terrorangriffe" an und unterstrich das Recht Israels auf Selbstverteidigung. "Nichts rechtfertigt solchen Terror", betonte Regierungssprecher Steffen Seibert. 

Furcht vor einem erneuten Krieg

Die Eskalation hat international Furcht vor einem erneuten Krieg im Nahen Osten ausgelöst. In einer virtuellen Dringlichkeitssitzung befasst sich der UN-Sicherheitsrat am Sonntag erneut mit dem Konflikt. Zwei frühere Sitzungen des Gremiums in dieser Woche endeten ohne eine gemeinsame Erklärung – nach Angaben von Teilnehmern, weil die USA eine Verurteilung Israels ablehnten. 

Unterdessen nehmen auch die Spannungen zwischen arabischen und jüdischen Israelis massiv zu. Im Zusammenhang mit gewaltsamen Vorfällen wurden in dieser Woche bereits mehr als 700 Menschen festgenommen, allein mehr als hundert in der Nacht zum Freitag. Fast tausend Grenzpolizisten wurden zur Verstärkung in die israelischen Städte entsandt. Israels Polizeichef Micky Rosenfeld sagte, die Polizei müsse regelrechte "Pogrome" verhindern. 

Das US-Außenministerium rief US-Bürger auf, Pläne für Israel-Reisen zu überdenken. Einige Fluggesellschaften, darunter die Lufthansa und British Airways, haben ihre Flüge nach Israel wegen der Gewalt ausgesetzt.

nik AFP

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