HOME

Italien wählt: Mit Faschisten auf Stimmenfang

Silvio Berlusconi will die nächste Wahl gewinnen. Koste es, was es wolle. Nun hat er den erklärten Faschisten Giuseppe Ciarrapico für die kommende Senatswahl nominiert. Damit stößt Berlusconi selbst seinen engsten Verbündeten vor den Kopf.

Von Luisa Brandl

Silvio Berlusconi verärgerte sogar seine eigenen Verbündenten mit der Kandidatur eines bekennenden Faschisten für den Senat bei der Parlamentswahl Mitte April. Der einflussreiche Geschäftsmann aus Rom Giuseppe Ciarrapico hatte der Repubblica gesagt: "Ich habe nie geleugnet, ein Faschist zu sein." Auf Drängen des Berlusconi-Lagers musste Ciarrapico zwar rasch wieder von seiner Äußerung abrücken, doch der Stimmenfang am rechten Rand hat wie eine Bombe im italienischen Wahlkampf eingeschlagen.

Ex-Außenminister Gianfranco Fini, der seine rechtsgerichtete Partei "Alleanza Nazionale" aufgelöst hat, um der neuen Berlusconi-Partei "Volk der Freiheit" beizutreten, ist wütend. Auf die Frage, ob er an der Entscheidung beteiligt gewesen sei, sagte Fini: "Das Letzte, was mir in den Sinn gekommen wäre, ist Ciarrapico aufzustellen." Der frühere Chef von "Alleanza Nazionale" war klar zur Mussolini-Diktatur auf Distanz gegangen und hatte den Faschismus auf einer Israel-Reise als das absolute Übel bezeichnet.

Bündnispartner: "Ciarrapico unvereinbar"

Bündnispartner Umberto Bossi von der Lega Nord forderte, die umstrittene Kandidatur wieder rückgängig zu machen, um das eigene Lager nicht zu beschädigen. Die jüdische Journalistin und Kandidatin für Berlusconi, Fiamma Nirenstein, sagte, sie sei unvereinbar mit Ciarrapico.

Für die Demokraten bot der Fall Ciarrapico eine willkommene Angriffsfläche. Spitzenkandidat Walter Veltroni sagte, die Kandidatur sei mit dem demokratischen Grundsatz der Berlusconi-Partei nicht vereinbar. Für den früheren Parteichef Piero Fassino ist der Fall eine schamlose Rechtfertigung des Faschismus und zeige, dass die Partei Berlusconis eine Rechtspartei mit gefährlichen reaktionären Auswüchsen sei.

Nach dem Ausstieg der Christdemokraten um den ehemaligen Parlamentspräsidenten Pierferdinando Casini hat das Berlusconi-Lager einen Teil der politischen Mitte verloren. Casini hatte abgelehnt, im Tausch gegen sichere Sitze im Parlament, der Partei "Volk der Freiheit" beizutreten. "Nicht alle in Italien stehen zum Verkauf," sagte Casini bitter und tritt nun bei der Wahl alleine an.

Mehrheit gefährdet

Die Berlusconi-Partei liegt zusammen mit der verbündeten Lega Nord noch um rund sieben Prozentpunkte vor der Demokratischen Partei, aber nach dem Ausscheiden der Christdemokraten ist die Mehrheit in einigen Regionen gefährdet - was den sicher geglaubten Sieg für Berlusconi im Senat ins Wanken bringt.

Die Region Latium etwa steht auf dem Spiel. Berlusconi will mit der Kandidatur Ciarrapicos von der aufstrebenden Partei "Die Rechte" Stimmen abwerben. Der Medienmogul und der Geschäftsmann kennen sich gut. Gemeinsam waren sie bei der Parteigründung der "Rechten," bei der Ciarrapico mit heftigem Applaus begrüßt wurde. Ciarrapico ist ein nostalgischer Aktivist, besucht regelmäßig mit tausenden Gleichgesinnten das Grab des "Duce" in Predappio. Bei der Trauerfeier für die Mussolini-Tochter Edda Ciano 1995 wurde er mit zum Hitlergruß gereckten rechten Arm abgelichtet.

Der Duce und die faschistische Propaganda

Der 74-Jährige hat in Latium ein kleines Finanz-Imperium aufgebaut. Dank seiner Freundschaft zum Parteichef von "Die Rechte" Francesco Storace, der Regionalpräsident war, betreibt er ein lukratives Business im privaten Gesundheitswesen, das auch mit öffentlichen Geldern finanziert wird. Ciarrapico verlegt zudem etliche Lokalzeitungen. In den Redaktionen arbeiten Journalisten unter dem strengen Blick des "Duce", der von Postern und Büsten herabschaut. In der eigenen Druckerei lässt Ciarrapico mitunter Flugblätter mit faschistischer Propaganda drucken.

nic