In Albaniens Hauptstadt Tirana und an weiteren Orten des Landes sind in den vergangenen Tagen Tausende Menschen auf die Straße gegangen. Sie wehren sich gegen ein Bauprojekt von Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner. Der will mit seinem Unternehmen Atlantic Incubation Partners LLC 1,4 Milliarden Dollar in den Bau eines Luxusresorts auf einer nahezu unbewohnten Insel vor der albanischen Küste investieren. Insgesamt seien 10.000 Hotelzimmer geplant.
Das Bauprojekt erstreckt sich auch auf die gegenüberliegenden Küstenabschnitte, wo das albanische Schutzgebiet Vjosa-Narta liegt. In dem Feuchtgebiet, das zum Teil betroffen wäre, leben Flamingos, Robben und Schildkröten. Seit Ende April sind dort Bulldozer, Bagger und Lkw im Einsatz, die Küstenwälder roden, Dünen abtragen und neue Zufahrtsstraßen in unberührte Lebensräume schlagen.
Sicherheitskräfte gehen rabiat gegen Protestierende vor
„Albanien ist nicht zu verkaufen“ oder „Ivanka, geh nach Hause“ war in Anspielung auf Kushners Ehefrau Ivanka Trump, Tochter von Donald Trump, auf Plakaten der Protestierenden zu lesen. Offenbar mischten sich darunter antisemitische Töne. Auf Bildern der Aktionen ist zu sehen, dass Demonstranten das stereotype Bild eines Juden mit Schläfenlocken und Judenstern hochhielten. Kushner ist Jude.
Der erste Protest brach aus, nachdem am vergangenen Wochenende Anwohnern und Touristen an einem Küstenabschnitt der gewohnte Zugang zum Strand untersagt worden war. Private Sicherheitskräfte gingen rabiat gegen einen Demonstranten vor. Videos von dem Vorfall befeuerten weitere Demonstrationen wie am Montagabend in Tirana. Dass die Behörden zwei Sicherheitsfirmen umgehend die Lizenz entzogen und der Sicherheitsmann festgenommen wurde, beruhigte die Gemüter nicht mehr.
Kritiker werfen Jared Kushner Korruption vor
Kritiker werfen Kushner und der albanischen Regierung nicht nur schwere Umweltverstöße vor, sondern auch Korruption. Im Jahr 2024 waren die Schutzauflagen für den Naturpark plötzlich gelockert worden. Anfang dieses Jahres hatten Kushner und seine Frau Ivanka Trump das Areal besucht. Am Montag wurde schließlich bekannt, dass die albanische Antikorruptionsbehörde Ermittlungen wegen der Lockerung der Auflagen eingeleitet hat.
Ministerpräsident Edi Rama beteuerte gleichzeitig, dass das Projekt keine Flächen des Naturschutzgebietes betreffe und die Pläne nicht endgültig genehmigt worden seien. In Serbien hatte Kushners Unternehmen zuletzt ein großes Bauprojekt aufgegeben, nachdem die dortigen Behörden ebenfalls Korruptionsermittlungen aufgenommen hatten.
Quellen: „Tagesschau“, „Politico“, „Stiftung Euronatur“