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Geschäftemacherei mit "Je suis Charlie": Beim Barte der Profite

Tassen, T-Shirts, Tragesack - der typische Dreiklang jeder Vermarktungsorgie - es gibt ihn auch für alles rund um "Charlie Hebdo". Alte Ausgaben der Satirezeitung werden für 5000 Euro feilgeboten.

Von Niels Kruse

Uhr gefällig? Solidarität für Charlie für nur 17 Euro

Uhr gefällig? Solidarität für Charlie für nur 17 Euro

Wenn die Merchandising-Maschinerie auf Hochtouren läuft, dann ist der Trend meist schon wieder passé. Tassen, T-Shirts, Tragesack - der typische Dreiklang jeder Vermarktungsorgie - es gibt ihn auch längst für alles rund um die Themen "Charlie Hebdo" und "Je suis Charlie". Amazon Deutschland findet 170 Artikel auf 20 Seiten, nicht alle haben tatsächlich mit der französischen Satirezeitschrift und dem Anschlag von Paris zu tun, aber es gibt immer noch reichlich Mousepads, Aufkleber und Schlüsselanhänger für den kleinen Soli-Shopping-Hunger zwischendurch.

Überall die gleiche Ausverkaufstristesse

Der erste Schwung des Hefts Nummer eins nach nach dem Massaker war kurz nach ihrer Auslieferung in Frankreich so gut wie ausverkauft, wenig später fand sich das eine oder andere Exemplar bei eBay wieder, wo gierige Geschäftemacher sage und schreibe bis zu 700 Euro pro Zeitung verlangen. Ansonsten herrscht bei dem Auktionshaus die gleiche Ausverkaufstristesse, nur dass das Angebot ungleich größer ist. Selbst "Charlie-Hebdo"-Ausgaben vom Tag des Attentats werden für mehr als 300 Euro gehandelt. "Irgendwer vermarktet jedes Ereignis irgendwann irgendwie", notierte die "Zeit" dazu lakonisch.

Alte "Charlie-Hebdo"-Ausgabe für satte 5000 Euro

Alte "Charlie-Hebdo"-Ausgabe für satte 5000 Euro

Der Sender CNN berichtet, dass ein US-Händler direkt nach dem Anschlag 1800 T-Shirts mit dem Slogan "Je suis Charlie" anbot. Dabei hatte der Schöpfer dieser drei Worte, ein Magazingrafiker, eigentlich keine Profite im Sinn, als er sie nur wenige Stunden nach dem Anschlag auf Twitter teilte und an selber Stelle später bereute, dass genau das doch passierte. Die Inhaber von Imperfect Circle, einem Textildruckgeschäft aus Denver, die ebenfalls schnell auf den "Charlie Hebdo"-Trend aufgesprungen waren, spenden immerhin zehn Prozent ihrer Einnahmen für wohltätige Zwecke "Unser Ziel war es nie, damit ein Geschäft zu machen, sondern Aufmerksamkeit und Unterstützung für die Franzosen zu erzielen", sagte Danica Harcourt CNN.

Keine Geschäftemacher, sondern eher auf dem Aufmerksamkeitszug aufgesprungen waren die Macher der französischen Satiresendung "Les Guignols de l'Info": Sie hatten ein gefälschtes "Charlie-Hebdo"-Cover in Umlauf gebracht: Auf schwarzen Grund war da zu lesen: "Dringend: Sechs Zeichner gesucht". Das Titelbild machte schnell die Runde im Netz und wurde oft genug als echt erachtet - dabei war es nur als Satire auf den "Je suis Charlie"-Welle gedacht - und als Verneigung vor den Print-Kollegen.