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Jerusalem: Netanjahu macht Abbas mitverantwortlich für Synagogen-Anschlag

In einer Synagoge in Jerusalem haben zwei palästinensische Attentäter vier Juden getötet und sechs weitere schwer verletzt. Netanjahu weist Abbas eine Mitverantwortung für den Anschlag zu.

In einer Synagoge in Jerusalem ist es zu einem tödlichen Attentat gekommen

In einer Synagoge in Jerusalem ist es zu einem tödlichen Attentat gekommen

Überfall beim Morgengebet: Zwei palästinensische Attentäter sind am Dienstag in eine Synagoge in Westjerusalem gestürmt und haben vier Juden mit einer Schusswaffe und einem Messer getötet. Nach israelischen Polizeiangaben wurden sechs weitere Gläubige zum Teil schwer verletzt; die beiden Angreifer wurden erschossen. Während Palästinenserpräsident Mahmud Abbas die Bluttat verurteilte, wies ihm der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu eine Mitverantwortung zu.

Bei den Angreifern handelte es sich nach Angaben der Polizei um zwei Cousins, die aus dem palästinensischen Stadtteil Jabal Mukaber in Ostjerusalem stammten. Sie stürmten kurz vor 7 Uhr in die Synagoge von Har Nof am Westrand der Stadt. Mit einer Pistole und einem großen Schlachtmesser griffen sie die Betenden an. Alarmierte Polizisten lieferten sich mit den Attentätern einen Schusswechsel und töteten sie. Unter den Verletzten war auch ein schwerverletzter Polizeibeamter.

"Wir sind völlig friedfertig"

In Jerusalem und zuletzt auch an anderen Orten in Israel ereignen sich seit Juli immer wieder schwere Zusammenstöße zwischen arabischen Einwohnen und Polizeikräften. In den letzten Wochen kamen Mordanschläge von Einzeltätern hinzu. Auslöser war neben dem Konflikt um die israelische Besatzung palästinensischer Gebiete zuletzt ein Streit um die Nutzung der Hochterrasse vor der Al-Aksa-Moschee, die von den Juden als Tempelberg verehrt wird.

Der nun erfolgte Angriff auf die Synagoge des von Ultraorthodoxen bewohnten Viertels neben der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem ist jedoch besonders folgenschwer - und sandte Schockwellen durch das Land. Seit im März 2008 in einer Talmud-Hochschule acht Studenten und der Angreifer getötet wurden, war es das erste Attentat auf eine religiöse Stätte in Jerusalem.

"Leute rannten aus der Synagoge, zwei mit schweren Gesichtswunden. Ein anderer saß blutüberströmt auf dem Bürgersteig, offenbar mit schweren Stichverletzungen", berichtete die Augenzeugin Sarah Abrahams. Anwohner Mosche Elieser kämpfte mit den Tränen, als er sagte: "Das ist eine Nachbarschaft aus Gottesfürchtigen. Neunzig Prozent hier gehen nicht zum Militärdienst. Wir sind völlig friedfertig."

Netanjahu übt Kritik an Abbas

Palästinenserpräsident Abbas erklärte noch am Vormittag: "Die palästinensische Präsidentschaft hat die Tötung von Zivilisten auf beiden Seiten zu jeder Zeit verurteilt. Heute verurteilen wir die Tötung von Betenden in einer Synagoge in Westjerusalem."

Ministerpräsident Netanjahu hatte Abbas kurz zuvor eine Mitverantwortung für das Attentat zugewiesen: "Dies ist das direkte Resultat der Aufwiegelung durch die Hamas und Abu Masen", erklärte Netanjahu, den Beinamen von Abbas verwendend. "Einer Aufwiegelung, die von der internationalen Gemeinschaft auf unverantwortliche Weise ignoriert wird", fügte er hinzu.

Auch US-Außenminister John Kerry hatte von London aus "die palästinensische Führung auf jeder einzelnen Ebene" aufgerufen, "den Akt reinsten Terrors und sinnloser Brutalität auf das Schärfte zu verurteilen". Kerry rief Abbas nach Angaben eines Mitarbeiters an und bedrängte ihn, sofort alles ihm Mögliche zu unternehmen, um die Lage zu entschärfen.

Steinmeier spricht von "schrecklicher Grenzüberschreitung"

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) erklärte am Rande eines Besuchs in Kiew, dass "Gotteshäuser zum Schauplatz von tödlichen Angriffen auf unschuldige Gläubige" würden, sei eine "schreckliche Grenzüberschreitung in einer ohnehin extrem angespannten Lage". Ähnlich äußerten sich der französische Staatschef François Hollande und UN-Nahostkoordinator Robert Serry.

Netanjahu bestellte für den Nachmittag die Sicherheitschefs des Landes in sein Büro, um über weitere Schritte zu beraten. Verteidigungsminister Mosche Jaalon drohte, die Regierung werde die Auftraggeber solcher Attacken "diesseits und jenseits von Israels Grenzen verfolgen".

Bei den beiden Attentätern handelte es sich nach Angaben von Verwandten um Uday und Ghassan Abu Dschamal. Die ganze Familie sei völlig überrascht, erklärte ein weiterer Cousin. Die Polizei nahm in Jabal Mukaber neun Personen fest, um sie zu verhören.

afp/tob / AFP