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365 Tage im Amt Nur ein Nachkriegspräsident war unbeliebter: Biden versinkt zum Jahrestag im Umfragetief

US-Präsident Joe Biden am Mittwoch während einer Pressekonferenz im East Room des Weißen Hauses
Nicht mehr besonders beliebt: US-Präsident Joe Biden am Mittwoch während einer Pressekonferenz im East Room des Weißen Hauses
© Susan Walsh / DPA
Ein Jahr ist Joe Biden jetzt im Weißen Haus – und so unpopulär wie nie. Dabei sind die Amerikanerinnen und Amerikaner nicht nur mit seiner Amtsführung unzufrieden, viele machen sich noch wegen etwas anderem Sorgen.

Das hatte sich Joe Biden am 20. Januar 2021 sicher anders vorgestellt: Ein Jahr nach seiner Vereidigung als US-Präsident hat das Ansehen des Demokraten bei den Wählerinnen und Wählern einen neuen Tiefpunkt erreicht. In einer Umfrage des Forschungsinstituts AP-Norc-Center missbilligt zum ersten Mal eine Mehrheit seine Amtsführung, wie die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) berichtet. Demnach sind 56 Prozent der Amerikanerinnen und Amerikaner unzufrieden mit der Art und Weise, wie Biden seinen Job macht, und nur 43 Prozent damit zufrieden. Zudem wünschten sich nur 28 Prozent der Befragten und nur 48 Prozent der befragten Demokraten, dass der 79-Jährige 2024 zur Wiederwahl antritt.

Im Juli hatten AP zufolge noch 59 Prozent der Bürgerinnen und Bürger bei einer AP-Norc-Befragung geantwortet, sie seien mit Bidens Arbeit zufrieden. Nach dem chaotischen und blutigen Rückzug des US-Militärs aus Afghanistan, dem Anstieg der Coronavirus-Infektionen und den Problemen der Regierung bei der Durchsetzung ihrer Wirtschafts-, Infrastruktur- und Steuerpolitik im Kongress sank seine Zustimmungsrate bis Ende September auf 50 Prozent.

Joe Biden liegt nur vor Donald Trump

Den negativen Eindruck bestätigen zahlreiche weitere Umfragen: In einer Erhebung der US-Zeitung "Politico" und des Instituts Morning Consult missbilligten 56 Prozent der Befragten Bidens Amtsführung und nur 40 Prozent zeigten sich damit zufrieden. Im Rasmussen Report lag das Verhältnis am Mittwoch bei 58 zu 41 Prozent, in einer Yougov-Umfrage für den "Economist" bei 53 zu 42 Prozent und die Meinungsforschenden von Gallup meldeten am Dienstag 56 Prozent Zufriedene gegenüber 40 Prozent Unzufriedenen.

Bidens durchschnittlicher Zustimmungswert in seinen ersten 365 Tagen im Weißen Haus lag laut Gallup bei 48,9 Prozent. Damit liegt der frühere Vizepräsident von Barack Obama hinter allen gewählten US-Präsidenten der Nachkriegszeit – mit Ausnahme von Donald Trump. Dieser hatte mit 38,4 Prozent eine noch niedrigere durchschnittliche Bewertung im ersten Jahr als sein Nachfolger. Bill Clintons Durchschnittswert war demnach nur 0,4 Prozentpunkte höher als der von Biden, aber alle anderen Präsidenten lagen zwischen 57 Prozent (Obama, Ronald Reagan) und 76,4  Prozent (John F. Kennedy) Zustimmung.

Gallup stellt in seiner Analyse ähnliche Zusammenhänge fest wie AP: Von Januar bis Juni 2021 schwankten Bidens Zustimmungswerte demnach zwischen 54 und 57 Prozent. Damals verzeichneten die USA einen steilen Rückgang der Covid-19-Infektionen und -Todesfälle aufgrund von millionenfachen Impfungen. Im Juli habe seine öffentliche Unterstützung erstmals nachgelassen, als die Zahl der Corona-Infektionen im Zuge des Vordringens der Delta-Variante wieder stark anstieg.

Nachdem Ende August die US-Truppen aus Afghanistan abzogen waren, das Land von den Taliban überrannt wurde und bei einem Terroranschlag auf dem Flughafen von Kabul 13 US-Soldaten ums Leben kamen, sei Biden in den Umfragen weiter abgerutscht, schreibt Gallup. Und angesichts der höchsten Inflation seit vier Jahrzehnten in den USA und einem weiteren Anstieg der Covid-Fälle durch die Omikron-Variante habe er sich davon bislang nicht erholt.

Wähler zweifeln an Bidens Gesundheit

Vielen Wählerinnen und Wählern bereitet auch noch etwas ganz anderes in Hinblick auf ihren Präsidenten Sorge: sein Alter. Nur etwa ein Viertel der Befragten sei sehr zuversichtlich, dass Biden "über die geistigen Fähigkeiten verfügt, das Amt des Präsidenten effektiv auszuüben" oder "gesund genug ist, um das Amt des Präsidenten effektiv auszuüben", berichtet AP aus seiner Umfrage. Fast die Hälfte habe kein Vertrauen in die geistigen Fähigkeiten des 79-Jährigen oder in seine Gesundheit.

365 Tage im Amt: Nur ein Nachkriegspräsident war unbeliebter: Biden versinkt zum Jahrestag im Umfragetief

Biden selbst zeigt sich nach außen hin unbeeindruckt von der wachsenden öffentlichen Ablehnung. Als ihn ein Reporter am Mittwoch auf einer Pressekonferenz darauf ansprach, dass ein erheblicher Prozentsatz der Bürgerinnen und Bürger Bedenken hinsichtlich seiner geistigen Gesundheit habe, zuckte er nur mit den Achseln. Und auf eine Frage zu seiner schwindenden Popularität antwortete er schlicht: "Ich glaube den Umfragen nicht."

Quellen: Associated PressGallup, Real Clear Politics


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