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Analyse

Letztes Statement des US-Senators: Was John McCain zum Abschied schrieb - seine versteckten Seitenhiebe gegen Trump

Er verurteilt Mauern, Blut und Boden, und "all die flüchtigen Vergnügungen des Lebens". John McCains Abschiedsbrief ist sowohl ein Appell an die Einigkeit der Amerikaner als auch eine harsche Kritik am amtierenden Präsidenten.

Donald Trump John McCain

Donald Trump und John McCain - zwei Konservative, die sich nicht grün waren

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Ein paar Dinge sollte man vorausschicken, um diesen Abschiedsbrief besser zu verstehen: John Sidney McCain III, geboren 1936 auf der Militärbasis Coco Solo in der Panamakanalzone, hat seine Ansichten oft geändert. Am Ende aber war er milde-konservativ, religiös aber kein Eiferer, ein transatlantischer Patriot, der Abtreibung ablehnt und nichts gegen Homosexuelle beim Militär hat. Einen Maverick haben sie ihn deswegen oft genannt - was in den USA sowohl anerkennend Querdenker bedeuten kann als auch despektierlich Eigenbrötler.

Einer der wenigen lauten Trump-Kritiker

In seinen letzten Jahren jedenfalls war er einer der ganz wenigen prominenten Republikaner, die sich lustvoll mit US-Präsident Donald Trump angelegt haben. Denn, höflich ausgedrückt: Die beiden verstanden sich nicht sonderlich. Über McCains Kriegsgefangenschaft in Vietnam, Folter inklusive, sagte Trump einmal: "Für mich ist er kein Held. Ich mag Leute, die nicht gefangen werden." Von seiner Trauerfeier lud McCain den Präsidenten ausdrücklich aus. Stattdessen werden dort die Ex-Präsidenten Barack Obama und George W. Bush sprechen.

+++ Lesen Sie McCains letztes Statement hier in der Wortlaut-Übersetzung +++

Deshalb also dieser Abschiedsbrief. In seinen letzten öffentlichen Zeilen richtet er sich an die amerikanische Öffentlichkeit im Allgemeinen und, wenn auch weniger plakativ, an die Wähler Trumps im Speziellen - so zumindest lassen sich gleich mehrere Stellen seiner Erklärung verstehen.

Amerikas Werten verbunden zu sein – Freiheit, gleiches Recht für Alle, Respekt vor der Würde aller Menschen – bringt eine Freude mit sich, die erhabener ist, als all die flüchtigen Vergnügungen des Lebens.

Das ist ein Satz, der als Anspielung auf Trumps Vorliebe für Leichtlebigkeit verstanden werden kann. Der jetzige US-Präsident hatte in zahllosen Reden nicht nur Frauen und Einwanderer beleidigt, sondern sich wegen eines (vermutlich vorgetäuschten Fersensporns) vor dem Militärdienst gedrückt sowie zahllose Seitensprünge begangen.

Unsere Identität und unser Werteverständnis werden nicht begrenzt, sondern verstärkt, indem wir guten Sachen dienen, die größer sind als wir selbst.

Trump-Kritiker bemängeln regelmäßig, dass der amtierende US-Präsident sein Amt dafür missbraucht, seinem eigenen Ego zu schmeicheln und/oder die Geschäfte seiner Firma anzukurbeln.

Amerikanische Mitbürger - diese Assoziation hat mir mehr bedeutet als alles andere. Ich lebte und starb als stolzer Amerikaner. Wir sind Bürger des großartigsten Landes der Welt, einer Nation geprägt von Idealen, nicht von Blut und Boden.

"Blut und Boden" ist ein zentraler Begriff aus der Sprache von Rechten und Nazis - der auch schon im Dritten Reich verwendet wurde. McCain verurteilt "blood and soil", wie es im Original heißt als das genauer Gegenteil des amerikanischen Lebensstils. "Blut und Boden" wurde auch bei einer Demo von Rechtsextremisten in Charlottesville 2017 skandiert. Bei den Protesten wurde ein Gegendemonstrant getötet.

Wir schwächen unsere eigene Größe, wenn wir unseren Patriotismus mit Stammesrivalitäten verwechseln, welche Ressentiments, Hass und Gewalt in allen Teilen der Welt gesät haben.

"Stammesrivialitäten" ist in den USA eine spöttische wie kritische Bezeichnung für die zunehmend unversöhnlichen Töne aus den Reihen der beiden rivalisierenden Großparteien also den Demokraten und Republikanern.

Wir schwächen sie, wenn wir uns lieber hinter Mauern verstecken, als sie einzureißen, wenn wir die Macht unserer Ideale anzweifeln statt sie als die große Kraft für den Wandel zu sehen, die sie immer waren. 

Auch hier wieder kaum versteckter Seitenhieb auf Donald Trumps Pläne, eine Mauer an der Grenze zu Mexiko zu bauen.

Botschaft von John McCain: Einigkeit

All den Anspielungen und der Kritik zum Trotz: Seine Botschaft endet mit dem Appell, nicht an den Streitigkeiten zu verzweifeln, sondern an die Einigkeit der Amerikaner zu glauben:

Wir sind 325 Millionen Menschen - mit lauter Stimme und eigenem Kopf. Wir diskutieren und wettstreiten, ja wir beschimpfen uns sogar in unseren Debatten. Aber wir hatten immer so viel mehr Gemeinsamkeiten als Uneinigkeiten. Wenn wir uns daran erinnern und uns gegenseitig das Vertrauen auf die gemeinsame Liebe für unser Land schenken, werden wir durch diese herausfordernden Zeiten kommen. Wir werden stärker aus ihnen hervorgehen - wie wir es immer tun.

McCains Abschiedsbrief

Der Abschiedsbrief von John McCain an die Amerikaner