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NSA-Skandal: Assange bietet Abgeordneten ungeschwärzte Listen an

"Ich würde mich freuen, wenn sie zu mir kämen": Whistleblower Julian Assange will sich von Bundestagsabgeordneten zur NSA-Affäre befragen lassen und dabei auch die US-Listen mit überwachten deutschen Politikern übergeben.

Julian Assange: Seit genau drei Jahren befindet sich der Gründer von Wikileaks nun in der ecuadorianischen Botschaft in London

Julian Assange befindet sich seit drei Jahren in der ecuadorianischen Botschaft in London

Der Mitbegründer der Enthüllungsplattform WikiLeaks, Julian Assange, bietet sich dem Bundestag als Zeuge zur Aufklärung der Spionageaktivität des US-Geheimdienstes NSA in Deutschland an. "Ich würde mich freuen, wenn die Abgeordneten zu mir kämen, um ihre Fragen zu stellen", zitiert der "Spiegel" Assange. Er könne ihnen insbesondere über die US-Listen mit überwachten deutschen Politikern Auskünfte erteilen, auf denen auch Kanzlerin Angela Merkel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier gestanden haben sollen. Mitgliedern des NSA-Untersuchungsausschusses würde er die unlängst von der Plattform veröffentlichten Listen auch ungeschwärzt übergeben, bot Assange an.

Die Entwicklung der 2006 von ihm und anderen Aktivisten begründeten Enthüllungsplattform sieht der Australier positiv. "Wir ertrinken im Material", sagte Assange. In den vergangenen Monaten habe es einen erheblichen Nachschub an Geheimdokumenten gegeben. Obwohl er seit über drei Jahren die ecuadorianische Botschaft in London nicht verlassen kann, sieht er Wikileaks stabilisiert. "Wir haben die Kontensperre überwunden", sagt Assange. "Keiner unserer Mitarbeiter ist im Gefängnis. Wir haben es noch drauf." Wikileaks schien über längere Zeit auch nach einem Führungsstreit weitgehend lahmgelegt.

Assange befindet sich seit mehr als drei Jahren in der ecuadorianischen Botschaft in London und kann diese aus Angst vor einer Verhaftung nicht verlassen. Gegen ihn wird in Schweden wegen sexueller Belästigung zweier Frauen ermittelt. Er bestreitet die Vorwürfe.

Vergangene Woche hatte Wikileaks Dokumente veröffentlicht, wonach die NSA weitaus länger und intensiver deutsche Spitzenpolitiker und Regierungsstellen ausspioniert hat als bislang angenommen. Demnach soll der US-Geheimdienst über Jahrzehnte hinweg das Kanzleramt ausgespäht haben. Neben der Regierung von Angela Merkel (CDU) seien auch die Regierungen ihrer Vorgänger Gerhard Schröder und Helmut Kohl (CDU) betroffen gewesen.

mad / Reuters / DPA