Kalifornien Endspurt wird ein Zwei-Mann-Duell


Die unabhängige Kandidatin Arianna Huffington hat ihre Bewerbung zurückgezogen, um so Schwarzeneggers größten Widersacher Cruz Bustamante zu stärken.

Knapp eine Woche vor den vorgezogenen Gouverneurswahlen in Kalifornien hat die unabhängige Kandidatin Arianna Huffington am Dienstag ihre Bewerbung zurückgezogen. In den jüngsten Erhebungen lagen Huffingtons Umfragewerte unter einem Prozent. Sie werde sich jetzt darauf konzentrieren, einen Wahlsieg des für die Republikaner antretenden Schauspielers Arnold Schwarzenegger zu verhindern, sagte die 53-jährige frühere Republikanerin in der CNN-Fernsehsendung "Larry King Live".

Beobachtern zufolge könnte das Ausscheiden der aus Griechenland stammenden unabhängigen Kandidatin bei der Wahl am 7. Oktober dem bisherigen Vizegouverneur Cruz Bustamante zugute kommen.

Schwarzenegger gibt sich siegessicher

Schauspieler Arnold Schwarzenegger strotzte bei seinen Wahlkampfauftritten in Kalifornien am Wochenende geradezu vor Zuversicht, und er hat wohl auch Grund dazu. Folgt man einer jüngsten Umfrage, hat der gebürtige Österreicher nunmehr beste Chancen, am 7. Oktober nächster Gouverneur des bevölkerungsreichsten US- Bundesstaates zu werden.

Die glänzende Prognose krönt eine Woche, in der Schwarzenegger stetig an Boden gewonnen hatte. Führende kalifornische Republikaner stellten sich hinter ihn und ließen dafür ihren zweiten namhaften Parteikollegen im Gouverneursrennen, Tom McClintock, fallen - ein schmerzhafter Schlag für den Senator in Kalifornien mit langjährigen politischen Erfahrungen. Zugleich geriet Schwarzeneggers größter demokratischer Widersacher im Bewerberfeld, Cruz Bustamante, wegen großzügiger Auslegung von Wahlkampfspenden-Gesetzen in die Schlagzeilen.

TV-Auftritt unbeschadet überstanden

Wichtiger noch: Leinwand-Held Schwarzenegger erhielt bei Analytikern gute Noten für seinen ersten und - wie es aussieht - einzigen Auftritt in einer Fernsehdebatte der führenden Gouverneurskandidaten. Gegner führen die positive Bewertung darauf zurück, dass die Erwartungen in die politische Brillanz des Ex- Bodybuilders von vornherein mäßig gewesen seien und somit schon ein Auftritt ohne größere Schnitzer als Erfolg gewertet werde. Aber das alles ändert nichts an der wachsenden Besorgnis auf demokratischer Seite, dass Schwarzenegger sich in der noch verbleibenden Zeit bis zum 7. Oktober nicht als der von ihnen erhoffte totale politische "Flop" herausstellen wird.

Allerdings lässt sich der "Terminator" seinen Feldzug auch etwas kosten. Er jettet in Privatflugzeugen zu seinen Wahlkampforten, während Bustamante und McClintock "Linie fliegen". Schwarzenegger hält außerdem seine "Fundraiser" - Veranstaltungen zum Spendensammeln - bevorzugt in einem exklusiven Golfclub bei Santa Monica ab und hat einen so großen Wahlkampf-Mitarbeiterstab, dass seine Konkurrenten nur vor Neid erblassen können.

13,4 Millionen Dollar hatte Schwarzenegger nach Angaben der "Los Angeles Times" allein bis zum Samstag für seine Wahlkampagne ausgegeben - ein großer Teil davon aus eigener Tasche. Gut 5,4 Millionen der Gelder sind in Fernsehspots geflossen.

Kampf konzentriert sich aus Davis

Inzwischen wird der Wahlkampf zunehmend zu einem Zwei-Mann-Duell: Der demokratische Amtsinhaber Gray Davis kontra Schwarzenegger und umgekehrt. Der Hollywood-Star konzentriert logischerweise seine volle Kraft darauf, die Absetzung von Davis zu erreichen - sonst kann Schwarzenegger eh "einpacken". 50 Prozent plus eine Wählerstimme werden als Minimum für die Davis-Abwahl benötigt. Schwarzenegger selbst könnte im Fall des Sturzes von Davis dann mit einem weitaus geringeren Stimmenanteil neuer Gouverneur werden. Hier wird nämlich nur eine einfache Mehrheit benötigt, und wie es derzeit aussieht, hat Schwarzenegger die Nase vorn.

Davis hat seinen Kampf um den Machterhalt voraus blickend schon längst ganz auf Schwarzenegger abgestellt. Seine Parole: Die Kalifornier müssten "einen Mann zu verhindern, der sich nur dann politischen Diskussionen stellt, wenn er die Fragen vorher kennt". Tatsächlich waren den Teilnehmern der TV-Debatte, der sich auch Schwarzenegger stellte, die Hauptfragen vorher mitgeteilt worden. Eine Beteiligung an allen anderen Diskussionen hat der Hollywood-Star bisher kategorisch abgelehnt - so auch eine jüngste Einladung des prominenten CNN-Talkshow-Gastgebers Larry King, gemeinsam mit Davis in seiner Sendung Argumente auszutauschen.

Aber auch ohne derartige Auftritte gibt es für diejenigen, die es wollen, "Schwarzenegger total". Amerikas größter Verlag für Boulevardblätter, American Media, hat just ein Magazin mit schmeichelnden Hochglanzfotos der Leinwand-Berühmtheit herausgegeben. Titel: "Arnold, der amerikanische Traum."

Gabriele Chwallek

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