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Posse in Österreich: Karfreitag als Feiertag - erst hatten ihn viele, dann wollten ihn alle, jetzt hat ihn keiner

In Österreich kocht die Volksseele. Grund ist eine wahre Posse um den Karfreitag. Der galt bisher für bestimmte Glaubensgruppen. Der EuGH entschied: Das ist diskriminierend! Was daraus folgt, erzeugt bei unseren Nachbarn Kopfschütteln, Zorn und Galgenhumor.

Österreichs "Regierungskoordinatoren" Gernot Blümel (ÖVP) und Norbert Hofer (FPÖ): Frei an Karfreitag? Nehmen Sie doch einen "persönlichen Feiertag".

Österreichs "Regierungskoordinatoren" Gernot Blümel (ÖVP) und Norbert Hofer (FPÖ): Frei an Karfreitag? Nehmen Sie doch einen "persönlichen Feiertag".

DPA

Noch ist es nicht endgültig entschieden, aber die Aufregung ist seit Tagen riesig. Die einfache Frage, ob der Karfreitag in Österreich ein Feiertag sein soll oder nicht, ist bei unseren Nachbarn zum Fall für Comedians und Arbeitsrechtler geworden. Denn die von der rechtskonservativen Regierung in Wien propagierte "perfekte Lösung" lautet: Statt des hohen kirchlichen Feiertages erhalten alle Österreicher einen "persönlichen Feiertag"? Den können sie am Karfreitag nehmen, oder auch an einem beliebigen anderen Tag, dem eigenen Hochzeitstag beispielsweise. Allerdings muss dieser Tag "den Urlaubstagen entnommen" werden, was eigentlich nicht anderes bedeutet als: Der Karfreitag ist als Feiertag weg und wer frei haben will, muss sich halt frei nehmen.

Aber von vorne: Bisher war der Karfreitag in Österreich ein Feiertag für Angehörige der evangelischen Kirche, der evangelisch-methodistischen Kirche und für Altkatholiken. Die etwa 300.000 Menschen kamen anders als der Rest der Österreicher in den Genuss eines freien Tages, aber auch in den Genuss von Feiertagszuschlägen, wenn sie am Karfreitag arbeiteten. Ein findiger Mitarbeiter einer privaten Detektei wollte das nicht akzeptieren. Er fühlte sich diskriminiert, weil er am Karfreitag 2015 keinen Feiertagszuschlag erhalten hatte, weil er keiner der fraglichen Krichen angehört. Der Mann klagte - und überforderte damit offenbar die Österreichische Justiz. Die verwies den Fall an den Europäischen Gerichtshof (EuGH). Für den war die Sache klar. Wenn schon Feiertag, dann für alle - mit allen entsprechenden Ansprüchen.

Österreich: Es ist ein Kreuz mit dem Karfreitag

Das Urteil der Richter in Luxemburg ließ vermeintlich keine Frage offen. Anders in Österreich. Dort tat man sich mit der Sache erneut enorm schwer. überlegte hin, überlegte her. Welcher Politiker will es sich schon mit dem Wahlvolk verderben, weil er einen Feiertag abschafft. Andererseits: Österreichs Wirtschaft und Handel maulte. Es gebe ohnehin schon reichlich freie Tage (bis zu 18), einen weiteren könne man sich nicht leisten (obwohl es den für besagte Minderheit ja ohnehin schon gab). Der Kompromissversuch: einen halben Feiertag für jeden ab 14 Uhr am Karfreitag. Doch auch das war höchst umstritten, passte niemandem so richtig.

Und so war guter Rat teuer. Die Lösung liegt nun in einem Kniff, findet jedenfalls die Regierung: man nennt das "persönlichen Feiertag". Den kann man nehmen, wann man will, natürlich auch am Karfreitag. Der Tag ist aber kein zusätzlicher freier Tag, sondern ein ganz normaler Urlaubstag, den man frühzeitig anmelden muss. Bleibt unter dem Strich: Der Karfreitag ist als Feiertag abgeschafft - und damit auch für die 300.000 evangelischen und altkatholischen Österreicher. Ein Meisterstück: Erst hatten den Feiertag viele Österreicher, dann wollten ihn alle haben, zwischendurch sollten alle einen halben bekommen und jetzt hat keiner mehr frei. Nicht nur die österreichischen Grünen reagierten mit bitterem Spott:

Ein kleiner Kniff bleibt

Die Grünen sind aber längst nicht die einzigen, die in den sozialen Medien lästern, spotten oder sich schlicht aufregen:

Ein kleiner Kniff könnte Österreichs Arbeitnehmern aber noch bleiben: Der "persönliche Feiertag" muss drei Monate im Voraus beantragt werden. Sollte der Arbeitnehmer aber auf Wunsch des Arbeitgebers wegen dringender betrieblicher Gründe am selbst gewählten "persönlichen Feiertag" freiwillig seiner Arbeit nachgehen, so soll er dafür Zuschläge erhalten wie an jedem anderen Feiertag. Wer daraus eine Methode entwickelt, kann sich die Aufregung wenigstens mit ein paar zusätzlichen Euro bezahlen lassen.

Quellen: DPA, Die Zeit, Der Standard

dho
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