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Meinung

Rückzug als Parteichefin: Kein Mitleid mit Theresa May

Theresa May gibt den Parteivorsitz ab - und bald auch das Amt der Regierungschefin. Der Rückzug fällt ihr schwer - aber sie scheiterte vor allem an eigenen Fehlern und wird in die Geschichte eingehen - als einer der schwächsten Premierminister in der Geschichte Großbritanniens.

Premierministerin weint: So emotional erklärt Theresa May ihren Rücktritt

Ganz am Ende ihrer Zeit zeigte Theresa May dann doch große Gefühle. Ihr stockte die Stimme, sie war den Tränen nahe, als sie davon sprach, dass sie ihr Amt und das Land liebe. Sodann machte sie kehrt und verschwand hinter der Tür von 10 Downing Street. Es war der emotionalste Auftritt in ihren drei Jahren. Und genau das hatten viele ihrer Landsleute an ihr vermisst: Emotionen.

Ihre kurze, anständige Rede und der Gefühlsausbruch zum Schluss dürfen aber nicht über ihr größtes Problem hinweg täuschen: Dieses Amt in dieser Zeit war zu groß für sie. Es wäre, das muss man der Fairness halber sagen, für andere womöglich auch zu groß gewesen. Unter einem Zeugnis würde vermutlich stehen, sie habe sich bemüht. 

Erste Anzeichen für das kommende Scheitern schon vor zweieinhalb Jahren

May ist gescheitert. An der Dimension der immensen Aufgabe. Insbesondere aber an sich selbst. Ihr Scheitern begann mit einer Rede vor knapp zweieinhalb Jahren im Lancaster House, als sie völlig ohne Not ihren rigiden Fahrtplan für den Brexit vorlegte und nur kurze Zeit später den 29. März 2019 als Austrittsdatum festlegte. Fortan musste sie sich an diesen Parametern messen lassen. Sie blieb stur auf Kurs, rief im Sommer – abermals völlig ohne Not – Neuwahlen aus in absurder Überschätzung ihrer Popularität. Und war nach dem Verlust der Mehrheit auf die Duldung einer obskuren und widerborstigen nordirischen Kleinpartei angewiesen.

Das konnte nicht gut gehen. Und es ging auch nicht gut. Die vergangenen Monate waren eine einzige Agonie. 

Der Brexit ist größer als das Amt des Premierministers. Das hat May entweder unterschätzt oder ignoriert. Der Brexit hätte im Sinne der Nation von vornherein parteiübergreifende Gespräche verlangt. Als May das nach einer Reihe von krachenden Pleiten im Unterhaus endlich klar wurde und sie die Opposition an den Tisch bat, war es zu spät.

All das hätte vermieden werden können. Insofern und trotz der Tränen: kein Mitleid mit Theresa May.

Theresa May ist so ganz anders als Maggie Thatcher

Was von ihr bleibt, sind ein staksig-rumpeliger Tanz zu “Dancing Queen" von Abba, ein gewaltiger Hustenanfall während einer Parteitagsrede, politisch aber nicht viel. Die Politik war Brexit, an dem sie sich vergebens abarbeitete. May wird dennoch in die Geschichte eingehen. Als zweite Frau in Downing Street nach Maggie Thatcher natürlich. Vor allem aber als einer der schwächsten Premierminister in der Geschichte dieser stolzen Nation.

Die große Frage ist nun, wer sie beerbt. Vieles deutet auf Boris Johnson hin, der an der Parteibasis die größte Zustimmung besitzt.

Man mag es kaum glauben. Aber es könnte tatsächlich noch schlimmer kommen.

Theresa May