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Kurzzeit-Premierministerin Und was wird aus Liz Truss? Nach ihrem Goodbye könnte das große Geld winken

Liz Truss, kurz vor ihrer formellen Entlassung als Premierministerin von Großbritannien
Liz Truss, kurz vor ihrer formellen Entlassung als Premierministerin von Großbritannien
© Stefan Rousseau/PA Wire / DPA
Liz Truss' Zeit als britische Premierministerin war nur von kurzer Dauer. Was bringt die Zukunft? Möglicherweise lukrative Engagements, die schon für ihre Amtsvorgänger recht einträglich waren.

Eine Erfolgsbilanz hat Liz Truss praktisch nicht vorzuweisen, dafür war ihr Aufenthalt in 10 Downing Street von zu kurzer Dauer, doch hat sie in ihrer überschaubaren Amtszeit als britische Premierministerin einiges erlebt: den Tod von Queen Elizabeth II., eine Wirtschaftskrise, nicht zuletzt ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit einem Salatkopf (welches der Salatkopf gewann).

Nun, nach offiziell 50 Tagen im Amt, steht die scheidenden Regierungschefin vor einer weiteren Herausforderung: Truss muss von der ersten Reihe auf die hinteren Plätze des Politikbetriebs rutschen. 

"Ich werde Premierministerin bleiben, bis ein Nachfolger gewählt wurde", sagte die 49-Jährige in ihrer Rücktrittsrede am Donnerstag. Dieser ist nun gefunden, der neue britische Premierminister heißt Rishi Sunak (und steht vor gewaltigen Herausforderungen). 

Die Modalitäten des Machtwechsels waren schon im Vorfeld ausbuchstabiert: Truss hält ein letztes Kabinettstreffen ab, wendet sich ein letztes Mal an die britische Bevölkerung, wird anschließend von König Charles III. aus dem Amt entlassen – und zwar in dieser Reihenfolge. Doch was folgt nach dem Protokoll?

Wohin wird es Liz Truss verschlagen?

Truss kehrt nach allem, was man weiß, als einfache Abgeordnete ins britische Unterhaus zurück – eine Rolle, die sie seit 2012 nicht mehr innehatte. Immerhin kann sie den Dienstwagen nehmen, wie der "Guardian" notiert: Als ehemalige Premierministerin stehe ihr dauerhaft ein Fahrer und Sicherheitspersonal zu, das habe sie ehemaligen Kabinettsmitgliedern voraus. 

Doch mit ihrem Job verliert Truss auch zwei Behausungen, die dem Amtsträger vorbehalten sind: die Dienstwohnung über 10 Downing Street, dem Regierungssitz, und Chequers, der offizielle Landsitz der britischen Premiers. Damit bleiben ihr allerdings noch ein bescheidenes Einfamilienhaus in Tretford, Norfolk und ein Haus in Greenwich im Südosten Londons, wie etwa der "Evening Standard" berichtete. 

Auch finanziell dürfte Truss unbesorgt sein. Allein: Trotz ihrer flüchtigen Amtszeit steht ihr als ehemalige Premierministerin eine jährliche Zulage von 115.000 Pfund (rund 132.000 Euro) zu, was unlängst für scharfe Proteste aus Politik und Gesellschaft zur Folge hat.

Doch sollte sie auf diesen Anspruch verzichten, wie nicht zuletzt Labour-Chef Keir Starmer fordert, könnten sich ihr noch lukrative Einnahmequellen abseits des politischen Tagesgeschehens eröffnen.

Zwar ist bislang unklar, wohin es Truss verschlagen könnte – möglicherweise weiß sie es selbst noch nicht –, doch könnte sie möglicherweise ein Engagement als Rednerin in Betracht ziehen. Einträglich wäre es allemal: Die frühere Premierministerin Theresa May soll mehr als eine Million Pfund mit insgesamt acht Vorträgen vor Banken und US-Universitäten verdient haben, wie seinerzeit die "Times" berichtete. 

Als Buchautorin könnte Truss, die wie May als rhetorisch nicht sehr begabt gilt, sogar einen noch besseren Schnitt machen. "Die meisten ehemaligen Premierminister schreiben ihre Memoiren", sagte Giles Edwards zu "i", der nach seinem Buch "The Ex Men" als ausgewiesener Experte für Ruhestandskarrieren gilt. "Viele finden das hilfreich – nicht nur, weil sie damit viel Geld verdienen, sondern weil es ihnen hilft, über ihr Leben nachzudenken, was sie getan haben und manchmal auch, was sie aus diesem Leben in die nächste Phase mitnehmen möchten."

Kurzzeit-Premierministerin: Und was wird aus Liz Truss? Nach ihrem Goodbye könnte das große Geld winken

Ganz gleich, welche Motive Truss' Amtsvorgänger gehabt haben mögen – finanziell hat es sich zweifellos ausgezahlt: Margaret Thatcher habe für ihre Memoiren 3,5 Millionen Pfund (rund 4 Millionen Euro) kassiert, David Cameron 1,5 Millionen Pfund (rund 1,7 Millionen Euro) und Tony Blair sogar 5 Millionen Pfund (rund 5,7 Millionen Euro), wie die Zeitung berichtet.

Und da Truss' Amtszeit eher dramatisch als lautlos war, könnte ihre Geschichte zwischen zwei Buchdeckeln durchaus Geld einbringen – glaubt jedenfalls Farzana Baduel, Geschäftsführerin der PR-Agentur Cursor PR.

"Die Öffentlichkeit interessiert sich für politische Führer, die in interessanten Zeiten gelebt haben", sagte Baduel zu "i". "Sie war Zeuge des Todes und der staatlichen Beerdigung der Königin, des Absturzes des Pfunds auf den niedrigsten Stand aller Zeiten gegenüber dem US-Dollar, der grassierenden Inflation, einer Krise der Lebenshaltungskosten, steigender Treibstoffpreise und der Untergrabung der Stabilität der britischen Pensionsfonds."

Wer dieses unrühmliche Kapitel der britischen Politik lesen (und noch einmal durchleben) möchte, steht auf einem anderen Blatt. Ein Hinterbänkler der konservativen Tory-Partei, somit ein künftiger Sitznachbar von Truss, spottete gegenüber der Zeitung, dass sie wahrscheinlich eine "Fußnote in der Geschichte" sein werde – zu sehr, um eigene Fußnoten zu verfassen. 

Quellen:  "The Guardian", "I", BBC, "Evening Standard", "SkyNews", "Times"

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