Kelly-Ausschuss BBC-Reporter belastet Campbell


Am zweiten Tag der Anhörungen zum Selbstmord des britischen Waffenexperten David Kelly hat BBC-Reporter Andrew Gilligan seine Vorwürfe, die britische Regierung habe ein Geheimdienstdossier aufgebauscht, bekräftigt.

Vor dem britischen Untersuchungsausschuss zur Aufklärung der Kelly-Affäre hat der BBC-Journalist Andrew Gilligan am Dienstag schwere Vorwürfe gegen einen der engsten Berater von Premierminister Tony Blair erhoben. Unter Berufung auf seine Notizen sagte Gilligan, der Waffenexperte David Kelly habe ihm gegenüber im Mai Blairs Kommunikationschef Alistair Campbell beschuldigt, ein Dossier über die Massenvernichtungswaffen des Irak wenige Tage vor seiner Veröffentlichung "verändert" zu haben, um es "sexier" zu machen.

Auch Blair und Hoon vor Ausschuss

Kelly (59), ein ehemaliger UN-Waffeninspekteur und Beamter des britischen Verteidigungsministeriums, hatte sich nach Bekanntwerden seines Namens als Quelle des BBC-Berichts am 18. Juli das Leben genommen. Danach hatte Blair die Einsetzung einer Untersuchung unter Vorsitz von Lordrichter Brian Hutton veranlasst. Auch Blair und Verteidigungsminister Geoff Hoon sollen zu einem späteren Zeitpunkt vor dem Ausschuss aussagen.

Dossier sollte "sexier" gemacht werden

Beim Auftritt Gilligans ging es um die im Irak-Waffendossier der Regierung vom 24. September 2002 enthaltenen Behauptung, der Irak könne seine chemischen und biologischen Waffen "innerhalb von 45 Minuten" zum Einsatz bringen. Campbell habe das Dossier eine Woche vor der Veröffentlichung gegen den Rat aus Geheimdienstkreisen "transformiert", soll Kelly laut Gilligan gesagt haben. "Die 45 Minuten waren ein klassisches Beispiel. Die Aussage beruhte nur auf einer Quelle. Ja, es sollte sexier gemacht werden", soll Kelly laut Gilligan gesagt haben.


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