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Kenia: Opposition protestiert, Polizei schießt

Nach dem Wahlsieg des kenianischen Präsidenten Mwai Kibaki haben sich mehrere tausend Anhänger der Opposition gegen die Regierung erhoben, der sie Betrug vorwerfen. Die Polizei geht mit Gewalt gegen die Protestierenden vor, schon rund 100 Menschen wurden getötet.

Bei den anhaltenden Unruhen nach dem Wahlsieg des kenianischen Präsidenten Mwai Kibaki sind bis Montagmittag mindestens 94, einige Quellen berichten von 120, Menschen ums Leben gekommen. In den Elendssiedlungen der Hauptstadt Nairobi sowie in anderen Städten wie dem Touristenzentrum Mombasa schossen Polizisten auf Anhänger des unterlegenen Oppositionsführers Raila Odinga. Dieser bezeichnete Kibaki als einen Militärherrscher, der nur noch mit der Gewalt der Gewehre regiere. Für Donnerstag rief er zu einer Massendemonstration in Nairobi auf, zu der alle Teilnehmer mit einem schwarzen Armband erscheinen sollen.

Odinga verglich die Situation mit der Lage der Elfenbeinküste im Jahr 2002 - das bis dahin exemplarisch stabile Land wurde damals durch einen Militärputsch in einen Bürgerkrieg gerissen. Kibaki ließ sich am Sonntag unmittelbar nach Verkündigung seines knappen Wahlsiegs mit einem Vorsprung von 231.728 Stimmen für eine zweite Amtszeit vereidigen. Minuten später eskalierte die Gewalt in den Slum-Siedlungen von Nairobi. "Wir sind ausgebootet worden, wir werden die Niederlage nicht akzeptieren", sagte der 24-jährige James Onyango in der Slum-Siedlung Kibera. "Wir sind bereit zu sterben, und wir sind bereit zu töten."

Schwerpunkte der Unruhen sind die Elendssiedlungen der Hauptstadt Nairobi, die 300 Kilometer nordwestlich gelegene Stadt Kisumi und die Küstenstadt Mombasa, wo sich zahlreiche Touristenhotels befinden. In Nairobi schossen Bereitschaftspolizisten mit Tränengas in Häuser und Geschäfte. In einem Fall liefen daraufhin eine Frau und ihre vier kleinen Kinder verzweifelt aus dem Gebäude. "Wir wollten uns doch nur vor der Schießerei verstecken", sagte sie, während sie die Augen ihres sechs Monate alten Sohnes Daniel mit Wasser spülte. Andere Bewohner klagten darüber, dass keine Nahrungsmittel mehr aufzutreiben seien. Die meisten Geschäfte sind seit dem Wahltag am vergangenen Donnerstag geschlossen. In der Küstenstadt Mombasa plünderten Aufständische Geschäfte mit dem Ruf "Kein Raila, kein Frieden!"

Tötungsbefehl für die Polizei

Mehrere hohe Polizeioffiziere teilten unabhängig voneinander in Nairobi der Nachrichtenagentur AP mit, sie hätten den Befehl bekommen, mit Tötungsabsicht zu schießen. Dies führte offenbar zu Spannungen innerhalb der Polizei, da viele Beamte mit der Opposition sympathisieren. Ein Regierungssprecher dementierte, dass es einen Schießbefehl mit Tötungsabsicht gebe.

Katharine Houreld/AP / AP