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Werbung für Kohle und Öl: Warum die US-Delegation auf der Klima-Konferenz höhnisches Gelächter erntet

Wieder einmal sorgt die US-Delegation auf der Klimakonferenz in Katowice für Aufsehen. Ein Trump-Berater preist die angeblichen Vorzüge von Kohlestrom an. Doch welche Ziele verfolgt das Land wirklich?

Donald Trump und Preston Wells Griffith

Donald Trump wirbt mit seinem Klimaberater Preston Wells Griffith auf der Konferenz in Katowice für fossile Brennstoffe

Durch den Saal hallt spöttisches Gelächter. Eine Frau schreit: "Diese verlogene Lösung ist ein Witz". Ein Dutzend Aktivisten stimmen ein: "Bleib auf dem Teppich!" Und: "Schande über Euch". Mehr als zehn Minuten lang dauern die Sprechchöre an, dann marschierten die Demonstranten aus dem Saal. Die amerikanische Delegation bleibt ungerührt und setzt ihren Vortrag fort.

Was war passiert? Wie die "Washington Post" berichtet, hat die US-Delegation am Montag auf der UN-Klima-Konferenz im polnischen Katowice zu einer Verteidigungsrede für die fossilen Brennstoffe Kohle und Öl ausgeholt. "Wir sind davon überzeugt, dass kein Land seinen ökonomischen Wohlstand oder Energiesicherheit für ökologische Nachhaltigkeit opfern sollte", sagte Preston Wells Griffith auf der Veranstaltung mit dem Titel "Innovative Energien treiben die Wirtschaftsdynamik an". Er ist niemand anderes als der Energie- und Klimaberater des US-Präsidenten. Die "Washington Post" unterstellt, dass Griffith auf der Konferenz nur ein einziges Ziel verfolgt: Das Image von Öl und Kohle aufpolieren.

Befunde der Wissenschaftler sind der US-Regierung egal

Trump setzt energiepolitisch unter anderem auf ein Comeback des klimaschädlichen Kohlestroms, eines seiner größten Wahlkampf-Versprechen. In der Folge zogen sich die USA aus dem Klimaschutzabkommen von Paris zurück. Da der Austritt aber erst im November 2020 wirksam wird, sind die USA bis dahin weiter Teil der Klimaschutz-Verhandlungen.

In Katowice sollte der große Wurf gelingen: Auf der Klimakonferenz in Paris hatten alle Teilnehmer 2015 beschlossen, die durch den Ausstoß von Treibhausgasen wie Kohlendioxid verursachte Erwärmung der Atmosphäre auf maximal zwei Grad zu begrenzen, wenn möglich sogar auf 1,5 Grad.  Die Zeit drängt, wie der Weltklimarat IPCC in seinem jüngsten Bericht warnt. Schon jetzt hat sich die Welt um rund ein Grad aufgeheizt; die Folge sind vielerorts mehr Wetterextreme wie Hitze und Dürre sowie Starkregen und Stürme.

Doch von diesen Befunden lässt sich die US-Administration nicht beirren. Ungeachtet der Empfehlungen der Wissenschaftler setzen sie weiter auf fossile Brennstoffe. So betonte Griffith in Katowice, der Fokus auf Solar- und Windstrom sei fehlgeleitet. Weltweit dominiere eben in der Energieversorgung die Kohle. Die "Washington Post" weiß zu berichten, dass Griffith und seine Kollegen auf der Konferenz die wirtschaftlichen Vorteile von Schiefergas anpreisen. Energie aus Kohle könne mit den richtigen Kraftwerken die Luftverschmutzung gar ausbremsen, erklärten sie. "Alarmismus sollte Realismus nicht zum Schweigen bringen", so der Trump-Berater.

Tumulte und Eklats auf der Klimakonferenz

Es ist nicht das erste Mal, dass die US-Delegation in Katowice für Tumulte und einen Eklat sorgte. Bereits am Wochenende hatten ihre Vertreter sich geweigert, den Klimabericht 2018 "ausdrücklich zu begrüßen". Stattdessen wollten sie nur die "Leistung der Wissenschaftler zur Kenntnis nehmen". Saudi-Arabien, Kuwait und Russland - alles Ölförder-Länder - unterstützten die USA. Die Konferenz konnte sich auf keine Formulierung einigen und vertagte den Punkt auf der Tagesordnung.

Laut Beobachtern kristallisiert sich immer weiter heraus, dass die USA eine Kehrtwende hinlegen. 2015 hatte der damalige Präsident Barrack Obama noch das Abkommen von Paris unterzeichnete. 2014 überredete er gar Chinas Präsidenten Xi Jingping, dass beide Länder ihren Treibhausgas-Emissionen begrenzen. Immerhin waren beide Volkwirtschaften damals für 45 Prozent des globalen Ausstoßes verantwortlich.

Zwei verschiedene Parteien in der US-Delegation

Allerdings gibt es hinter vorgehaltener Hand Spekulationen darüber, wie geschlossen die USA auf der Konferenz auftreten. Der "Washington Post" sagte der ehemalige Berater der Clinton-Administration, Paul Bledsoe, die USA würden auf zwei Ebenen agieren: In der Heimat unterstütze die Regierung öffentlich Energie aus Kohle und Öl. Doch auf der Konferenz in Katowice arbeiten Teile ihrer Delegation weiterhin daran, mit den anderen Staaten zu einem Ausgleich zu kommen - trotz des krawalligen Auftritts des Trump Beraters Griffith. Gespräche über die Klimaziele, die sich Weltgemeinschaft 2015 in Paris steckte, sind damit zumindest im Korps der US-Unterhändler nicht vom Tisch. Welcher Flügel der Delegation sich in Katowice durchsetzen wird, entscheide auch über den Erfolg der Konferenz, konstatiert die "Washington Post".

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