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KOLUMBIEN: Hardliner will Guerillas bekämpfen

Der Konservative Alvaro Uribe hat die Präsidentenwahl in Kolumbien mit mehr als 52 Prozent der Stimmen für sich entschieden. Die Popularität Uribes liegt vor allem in seiner strikten Law-and-order-Politik begründet.

»Pump? sie mit Blei voll.«William lebt in der südkolumbianischen Provinzhauptstadt Pasto und hat ein klares Feindbild. Die marxistischen FARC-Rebellen sollen endlich bekommen, was sie seiner Meinung nach schon lange verdienen: den entschiedenen militärischen Widerstand eines starken Staates. Deshalb hat der Angestellte am Sonntag den rechten Kandidaten Àlvaro Uribe gewählt und wie Millionen andere Kolumbianer zu dessen Wahlsieg gleich in der ersten Runde beigetragen. »Endlich ein starker Präsident«, begrüßt auch ein Wachmann in der Hauptstadt Bogotà den Sieg Uribes.

Fass ist übergelaufen

Je schlimmer es die selbst ernannten Weltverbesserer aus dem Busch bei ihrem Krieg gegen die Zivilbevölkerung trieben, desto sicherer wurde der Wahltriumph des früheren Gouverneurs der Provinz Antioquia. Pro Jahr 3500 Tote, 3000 Entführungen, 1000 neue Binnenflüchtlinge pro Tag und Milliardenverluste durch Anschläge auf Brücken und Strommasten haben das Fass zum Überlaufen gebracht.

40 Prozent Kolumbiens in den Händen illegaler Gruppierungen

Erst im April starben mehr als 119 Frauen, Kinder und alte Leute bei einem FARC-Angriff auf den Ort Bojaya im Departement Chocó. Der Staat ist korrupt und geschwächt. Mehr als 40 Prozent des Landes sind in der Hand illegaler bewaffneter Gruppen von links und rechts. Auch auf Uribe selbst hatten es die Rebellen schon abgesehen. Im April entging er einem Bombenanschlag nur knapp.

Die vergeblichen Bemühungen von Amtsinhaber Andrés Pastrana, in dreijährigen Gesprächen unter weit reichenden Konzessionen einen Friedensschluss mit den »Revolutionären Streitkräften Kolumbiens« (FARC) herbeizuführen, brachten viele Menschen zu der Überzeugung, dass die Guerilla nicht wirklich Frieden will.

Rebellen kämpfen seit 38 Jahren

Schon seit 38 Jahren kämpfen die Rebellen gegen den Staat und sind damit eine der ältesten Untergrundbewegungen der Welt. Und Dank der Übernahme eines großen Teils des Drogenhandels nach der Zerschlagung der großen Kartelle von Cali und Medellín Anfang der 90er Jahre sind sie wohl auch die reichste Rebellenarmee. Ihr Anführer »Tirofijo« (Blattschuss), bürgerlich Manuel Marulanda, ist von Anfang an dabei.

Mit harter Hand und großem Herzen

Der 49-jährige Uribe will mit »harter Hand und großem Herzen« regieren. Die FARC - mit 17 000 Männern und Frauen unter Waffen größte Rebellengruppe des Landes - sollen militärisch so weit geschwächt werden, dass sie irgendwann doch noch zum Frieden bereit sind. Dafür benötigt er jedoch sehr viel Geld, um die bisher mit 100 000 Mann viel zu schwachen Streitkräfte aufzurüsten.

Wenn das »große Herz« aber nicht nur ein leeres Wahlversprechen bleiben soll, braucht der gewählte Staatschef die knappen Finanzmittel dringend für die Bekämpfung der Armut. Von 42 Millionen Kolumbianern leben 27 Millionen unterhalb der Armutsgrenze, 9 Millionen werden nicht einmal jeden Tag satt. Uribe betonte nach seinem Sieg, die Demokratie stehe und falle mit der sozialen Gerechtigkeit. Dies müssten auch die internationalen Finanzorganisationen verstehen. Schon im Wahlkampf hatte er wiederholt betont, dass viele junge Leute nur aus Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit zu den gut zahlenden Rebellen stoßen.

Reformen nur mit Hilfe der USA möglich

Zugleich sollen der Staat reformiert, das Bildungswesen verbessert und die Schulden abgebaut werden. Ohne weitere, großzügige Militärhilfe der USA wird Uribe diese Aufgaben kaum alle zugleich schultern können. Daran wird auch der Plan nichts ändern, die Bürger stärker in die Bekämpfung der Rebellen einzubeziehen. Insgesamt eine Millionen Menschen sollen als eine Art Freiwilligen-Armee den Streitkräften zu Hilfe kommen. Noch ist unklar, ob sie nur mit Funkgeräten oder auch mit Waffen ausgerüstet werden sollen.

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