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Präsidentschaftswahlen in Kolumbien: Uribe überlistet das Verfassungsgericht

Der Name des eigentlichen Siegers der ersten Runde der kolumbianischen Präsidentenwahl am Sonntag stand auf keinem Wahlzettel. Alvaro Uribe, der seit 2002 regierende populäre Amtsinhaber, war nur am Morgen kurz öffentlich in Erscheinung getreten.

Der Name des eigentlichen Siegers der ersten Runde der kolumbianischen Präsidentenwahl am Sonntag stand auf keinem Wahlzettel. Alvaro Uribe, der seit 2002 regierende populäre Amtsinhaber, war nur am Morgen kurz öffentlich in Erscheinung getreten. "Die Würde des Vaterlandes zeigt sich durch die freie und nur vom Gewissen geleitete Ausübung des Stimmrechts", sagte der für seine Arbeitswut bekannte Staatschef beim Verlassen des Wahllokals in der Hauptstadt Bogotá.

Im Februar war Uribe mit seinem Versuch, nach 2002 und 2006 ein drittes Mal in Folge zu kandidieren, am Verfassungsgericht gescheitert. Daraufhin trat als Ersatz sein früherer Verteidigungsminister Juan Manuel Santos für das Regierungslager an. Und der 58-Jährige kam auf 46,56 Prozent, weit mehr, als alle Umfragen ihm zugetraut hatten.

Santos sagte denn in seiner Siegesrede auch genau das, was seine Anhänger und Wähler hören wollten: "Ich danke Alvaro Uribe, dem besten Präsidenten, den Kolumbien je gehabt hat." Die Menge brüllte: "Uribe, Uribe, Uribe". Zugleich versprach Santos, die Politik Uribes unverändert fortzusetzen, vor allem dessen Frontalangriff gegen die linken FARC-Rebellen. Dass die marxistische Rebellengruppe, die im Drogenschmuggel mitmischt, stark zurückgedrängt und weite Teile des Landes wieder relativ sicher gemacht werden konnten, rechnen viele Kolumbianer Uribe hoch an.

Auf seinem Marsch in den Präsidentenpalast in Bogotá steht Santos nun nur noch der Zweitplatzierte der ersten Wahlrunde, der unabhängige Kandidat der kleinen Grünen Partei, Antanas Mockus, im Wege. Mockus hat zwar einen kometenhaften Aufstieg in der Wählergunst hinter sich, bei der Wahl aber auch einen jähen Absturz erlitten. Der frühere Bürgermeister von Bogotá hat auf Facebook und Twitter die meisten Anhänger, aber Santos hat mehr als doppelt so viele Wähler als der Philosoph und Mathematiker.

Und während Santos - schon ganz künftiger Staatschef - versprach, er werde "Präsident aller Kolumbianer" sein, hielt Mockus eine Ansprache, die vor allem aus Slogans bestand. "Wenn wir innovativ sind, können wir die Wahl gewinnen" und "Das Leben ist heilig", sagte er unter anderem. Über Allianzen mit anderen politischen Kräften verlor er kein Wort. Das Ruder bis zum 20. Juni so noch herumzureißen und eine Mehrheit der Kolumbianer auf seine Seite zu ziehen, dürfte ein äußerst schwieriges Unterfangen werden.

Jan-Uwe Ronneburger, DPA / DPA