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Präsidentschaftswahlen in Kolumbien: Santos triumphiert im Schatten Uribes

Der konservative Regierungskandidat Juan Manuel Santos hat die Stichwahl um das kolumbianische Präsidentenamt haushoch gewonnen. Für den 58-jährigen früheren Verteidigungsminister stimmten am Sonntag nach Angaben der zentralen Wahlkommission 68,80 Prozent der Wähler.

Am lautesten brauste der Beifall auf, als der strahlende kolumbianische Wahlsieger Juan Manuel Santos Amtsinhaber Alvaro Uribe dankte: "Dies ist auch ihr Triumph", sagte der 58-jährige frühere Verteidigungsminister am Sonntag etwas gönnerhaft vor tausenden jubelnden Anhängern. Nicht wenige mögen gedacht haben: Dies ist vor allem Uribes Triumph. "Uribe, Uribe, Uribe", skandierten die Menschen.

Wenn Santos am 7. August das höchste Staatsamt übernimmt, wird er sich erst einmal vom Schatten des populären Vorgängers befreien müssen. Die Hypothek, als "Erbe Uribes" ins Amt gekommen zu sein, könnte schwer auf dem künftigen Präsidenten Santos lasten. Die Frage, wie das "Uribe-System" ohne Uribe funktionieren wird, ist offen.

Gute Ausgangsvoraussetzungen hat Santos jedenfalls: zwar gegen einen schwachen Kandidaten Antanas Mockus, aber dennoch mit 69,06 Prozent das beste Wahlergebnis in der Geschichte der kolumbianischen Demokratie, viel Regierungserfahrung, eine parlamentarische Mehrheit und einen gut geölten Parteiapparat. Aber mit einem einfachen "weiter so" wird Santos seine vier Amtsjahre kaum überstehen können und wollen.

Wie in Siegesreden von Regierungschefs üblich, rief Santos am Wahlabend zu nationaler Einigkeit auf, versprach Präsident aller Kolumbianer zu werden, sagte Armut und Korruption den Kampf an und stellte die Schaffung von Arbeitsplätzen in Aussicht, an denen die Menschen so anständig behandelt und entlohnt werden, dass sie in Würde leben können. Eine Mammutaufgabe angesichts der Tatsache, dass 50 Prozent der 45 Millionen Kolumbianer derzeit in Armut leben. Und das nach acht Jahren Uribe, den Santos immerhin als "einen der besten Präsidenten in der Geschichte der Republik" bezeichnete.

Eine vorsichtige Absetzbewegung von Uribe war bei Santos jedoch in der Außenpolitik herauszuhören. Hier solle die Diplomatie künftig das Sagen haben. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Aus dem Munde eines Politikers, der als Verteidigungsminister die Bombardierung eines im Nachbarland Ecuador gelegenen Lagers der linken FARC- Rebellen befahl, ist das allerdings ein neuer Zungenschlag. An die ihm spinnefeind gesonnenen linksgerichteten Präsidenten Ecuadors und Venezuelas, Rafael Correa und Hugo Chávez, wandte er sich so: "Ich lade sie ein, neue Wege für das Wohl unserer Völker zu beschreiten". Auch in den gespannten Beziehungen zwischen Regierung und Justiz will Santos mehr Harmonie walten lassen.

Nicht Harmonie, sondern weiterhin Feuer und Schwert versprach Santos hingegen den FARC-Rebellen. Uribe hatte der marxistischen Rebellengruppe "Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens" (FARC) seit seinem Amtsbeginn 2002 schwere militärische Niederlagen beigebracht und damit einen guten Teil seiner Popularität begründet. Die Beteiligung von Santos als Verteidigungsminister an diesen Erfolgen erklärt zum Teil seinen glänzenden Wahlsieg.

Allerdings verfügen die "Gummistiefel-Rebellen" Dank ihrer Beteiligung am Drogenschmuggel über eine gut gefüllte Kriegskasse und sind immer noch eine erheblich destabilisierende Kraft. Am Wahlwochenende starben durch Anschläge und Kämpfe sieben Polizisten, zwei Soldaten und sechs Rebellen. Dass die Regierung Uribe und auch Santos die FARC ausschließlich als "Drogenterroristen" abtun, erscheint angesichts von 50 Prozent Armut im Lande jedoch gewagt und macht kaum Hoffnung auf ein Ende des vor mehr als 45 Jahren begonnenen Konflikts.

Jan-Uwe Ronneburger, DPA / DPA